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Von Schulfeiern, die, weil unser Schulgebäude immer noch als Kaserne dient, in den einfachsten Formen verliefen, ist folgendes zu berichten:
Am 26. August 1916 als dem Tag, an dem vor 75 Jahren Hoffmann von Fallersleben in Helgoland das Lied„Deutschland, Deutschland über alles“ gedichtet hat, wurde in den Primen des Dichters und seines Werkes gedacht.
Am Sedantag wurde wegen unsicherer Witterung auf den sonst üblichen Ausflug verzichtet; es fanden Ansprachen in den Klassen statt.
Am Geburtstag Sr. Königlichen Hoheit des Grossherzogs hielt Assessor Schwarz einen Vortrag über„die hundertjährige Zugehörigkeit Offenbachs zum Gross- herzogtum Hessen“; am Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers sprach Assessor Salzmann über„Scherz und Ernst in der heutigen Soldatensprache“. Zur Feier der Einnahme von Bukarest wurden die Schüler am 7. Dezember in der Turnhalle versammelt und durch eine Ansprache des Direktors auf die Bedeutung des Ereignisses hingewiesen. In demselben Raum wurde am 13. März das fünfundzwanzigjährige Regierungsjubiläum Sr. Königlichen Hoheit des Grossherzogs festlich begangen, wobei gleichfalls der Direktor die Ansprache hielt. Eine Teilnahme der Eltern war wegen Raummangels leider nicht möglich.
Aus Anlass des Jubiläums verlieh S. Königliche Hoheit der Grossherzog dem Oberlehrer Professor Dr. Adam Keller das Ritterkreuz I. Kl. des Verdienstordens Philipps des Grossmütigen und dem Direktor Geh. Schulrat Hermann Jäger die Krone zu diesem Orden.
Am 1. Januar 1917 trat der vortragende Rat in der Schulabteilung des Ministeriums des Innern, Geh. Oberschulrat Dr. Nodnagel, in den Ruhestand, nachdem es ihm ver- gönnt gewesen war, das seltene Fest des fünfzigjährigen Dienstjubiläums zu begehen. Die Gefühle der Dankbarkeit und Verehrung, die er sich durch seine reichgesegnete Tätigkeit erworben hat, wurden ihm in einer Widmungsschrift, die von den Direktoren der ihm unterstellten Lehranstalten ausging, zum Ausdruck gebracht.
Am 1. April d. IJs. wird auf sein Nachsuchen Professor Dr. Erwin Volckmar in den Ruhestand treten; unter Anerkennung seiner langjährigen, mit Eiſer und Treue gelcisteten Dienste wurde er mit Wirkung vom gleichen Tage an zum Geheimen Schulrat ernannt. Fast vier Jahrzehnte hat er seine Kraft unserer Anstalt gewidmet und als Lehrer, wie als Erzieher eine hervorragende Wirksamkeit entfaltet. Wir wünschen dem hochverehrten Herrn Amtsgenossen, dass er sich noch lange des wohlverdienten Ruhe- standes erfreuen möge. 3
Gleichfalls am 1. April werden uns Professor August Eckel und Oberlehrer Dr. Otto Münch verlassen; beide sind nach Darmstadt versetzt worden, der erstere an das Realgymnasium, der letztere an die Liebigs-Oberrealschule. Wir hoffen, dass sie auch in ihrem neuen Wirkungskreise sich der Anstalt, an der sie so viele Jahre hindurch erspriesslich tätig waren, immer gern erinnern werden.
Kriegsreifeprüfungen fanden am 20. September, 30. Oktober, 13. und 20. November, sowie am 6. Januar statt. Die Weihnachtsferien waren bis zum 16. Januar verlängert worden, und unmittelbar danach begann die Reifeprüfung für die nicht zum Heeresdienst Einberufenen; sie fand ihren Abschluss am 30. Januar. Von den 12 Prüflingen waren° von der mündlichen Prüfung befreit, und auch den übrigen 3 konnte die Reife zuerkannt werden.


