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Auch Schüler unserer Obersekunda meldeten sich als Kriegsfreiwillige: Heinr. Fuchs kam zu dem Inf.-Reg. Nr. 88, Hans Arnold zu dem Pionier-Reg. Nr. 25 und Otto Bauer zu dem Bayerischen Feld-Artillerie-Reg. Nr. 11.
Umfassendere Beurlaubungen von Schülern aus den anderen Klassen erfolgten in der ersten Zeit des Krieges zum Zweck der Teilnahme an Ernte-Arbeiten. Die meisten Beurlaubten kehrten jedoch schon nach kurzer Zeit zur Schule zurück. Ausserdem beteiligten sich an der zum Besten der Kriegsfürsorge veranstalteten Weihnachtssammlung fast alle, an der Sammlung der Reichswollwoche alle Schüler und Schülerinnen der obersten Klassen; bei der Aufnahme der Kartoffelvorräte waren alle Schüler der Unterprima und Obersekunda als Zähler tätig.
Der Pfadfinderverein, dem an unserer Schule eine grössere Anzahl von Schülern und Schülerinnen angehören, setzte seine erspriessliche Tätigkeit auch in der Kriegszeit fort, soweit dies nach der Einberufung der meisten leitenden Persönlichkeiten noch möglich war. Daneben trat dann die neu gegründete Jugendwehr, an deren UÜbungen 14 Schüler teilnehmen.
Schon im August und weiter im September trafen dann teils schmerzliche, teils erhebende Nachrichten von unseren Kriegsteilnehmern ein. Oberlehrer Dr. Gräf erlitt bei einem Sturmangriff eine Beschädigung des einen Fusses, die immer noch nicht voll- ständig geheilt ist, und Oberlehrer Dr. Seiler wurde am einen Arme verwundet. Beide Herren erhielten das Eiserne Kreuz. Referendar Schaack erlitt eine schwere Verwundung am Kopf, die den Verlust des einen Auges zur Folge hatte. Der aus der Oberprima abgegangene Kriegsfreiwillige Heinrich Mayer wurde, als er von einem mit grosser Kühnheit und ungewöhnlichem Geschick ausgeführten Patrouillengang zurückkehrte, wenige Schritte vor dem Schützengraben seiner Kameraden sehr schwer verwundet, doch ist Aussicht auf vollständige Genesung vorhanden.
Mittlerweile traten auch wieder Veränderungen in der Zusammensetzung des Lehrkörpers ein. Herr Referendar Joseph Kuhn wurde uns zugewiesen und begann am 24. August seine Lehrtätigkeit. Alsdann wurde Herr Reallehrer Quirin mit Rück- sicht auf seine Gesundheitsverhältnisse aus dem Heer entlassen und nahm am 27. August seinen Dienst wieder auf. Oberlehrer Dr. Münch, der ahnungslos seinen Forschungen in Spitzbergen nachgegangen war, empfing dort Ende August die Nachricht, dass der Krieg ausgebrochen sei, und eilte nun auf dem kürzesten Weg über Narvik und durch Schweden hindurch nach Deutschland zurück, so dass er am 9. September seinen Schuldienst wieder übernehmen konnte. In den Herbstferien wurde Herr Referendar Kuhn hier eingezogen; an seine Stelle trat zwar vom 22. Oktober an Herr Assessor Otto Salzmann, dafür aber wurde Herr Reallehrer Kammer vom 25. November an nach Darmstadt einberufen, und für ihn konnte kein Ersatz mehr beschafft werden. Vorübergehend— vom 18. Januar bis 2. Februar— musste auch Herr Reallehrer Quirin nochmals wegen militärischer Dienstleistungen seine Unterrichtstätigkeit unterbrechen.
Unsere braven Truppen haben uns in den mittleren Gebieten des Reiches Wohnenden die unmittelbare Berührung mit den Schrecknissen des Krieges erspart; in die Leiden aber, von denen manche unserer Grenzgebiete getroffen wurden, bekamen wir doch einen Einblick, als ein Teil von Oberschlesien geräumt wurde und Tausende junger Leute von dort für etwa 2 Wochen hier Aufnahme fanden. In dieser Zeit— Ende November und Anfang Dezember— besuchten 7 Schüler aus Beuthen, Kattowitz und Königshütte unsere Anstalt.


