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Treiben entfaltete, versammelt waren, musste ihnen eröffnet werden, dass zunächst keine Schule gehalten werden könne und dass sie sich am 8. August wieder einfinden sollten, um weitere Weisungen entgegenzunehmen. Bald darauf meldete dann noch Herr Real- lehrer Quirin, dass er gleichfalls und zwar zum 7. August einberufen sei.
Vier von unseren 11 Oberprimanern— Bossert, Herbert, Loth und Mayer— waren sofort als Kriegsfreiwillige angenommen worden und wurden deshalb am 6. August der Notreifeprüfung unterworfen, die sie auch alle bestanden. Fritz Bossert trat bei dem Feld-Artillerie-Regiment Nr. 25 ein, Theodor Herbert bei dem Inf.-Reg. Nr. 88, Otto Loth bei dem Thüringer Ulanen-Reg. Nr. 6 und Heinrich Mayer bei dem Inf.-Reg. Nr. 168. Die Unruhe dieser Zeit wurde aber noch durch einen weiteren Um- stand sehr vermehrt; unserer Anstalt war nämlich für dieses Jahr die Reifeprüfung für Nichtschüler übertragen worden, und sie hätte am 17. August beginnen sollen. Die Mehrzahl der dafür Angemeldeten war aber nun auch einberufen worden; sie hatten sich— der eine für diese, der andere für jene Zeit— Urlaub erwirkt, um die Notprüfung zu machen, und so wurde denn Tag für Tag geprüft. Da keine Schulräume mehr zur Verfügung standen, so geschah dies in der Wohnung des Direktors.
Alsdann wurden Verhandlungen mit den Direktionen der Oberrealschule am Stadthaus und des Gymnasiums gepflogen, um Unterrichtsräume für unsere Klassen zu gewinnen, und es kam zu folgender Vereinbarung: die 3 Vorschulklassen finden Unter— kunft im Gymnasium, die anderen 15 Klassen aber werden abwechselnd mit den 13 Klassen der anderen Oberrealschule in deren Gebäude unterrichtet, sodass Montag Vor-— mittag die eine, Montag Nachmittag und Dienstag Vormittag die andere Schule an die Reihe kommt u. s. w. Diese Einrichtung hatte ausser anderen Unannehmlichkeiten vor allem eine Verminderung der Stundenzahl zur Folge; eine solche wäre aber auch sonst nötig geworden wegen der bedeutenden Verminderung der Lehrerzahl. Zunächst schien es allerdings, als wenn sich hierfür ein gewisser Ausgleich aus dem Wegfall der Oberprima ergeben würde. Vor dem Krieg bestand die Klasse aus 11 Schülern und 7 Schülerinnen. Von jenen waren, wie schon berichtet, 4 als Kriegsfreiwillige angenommen worden, und einer, Paul Gebhard, der die Sommerferien zu seiner Erholung in dem Seebad Hapsal in Estland zugebracht hatte, war von dem traurigen Schicksal ereilt worden, als Kriegs-— gefangener nach einem Dorf im Gouvernement Orenburg verschleppt zu werden; neuer-— dings ist er nach der Stadt Troizk verbracht worden. So blieben in der Oberprima noch 6 Schüler, die ebenso wie die 7 Schülerinnen sämtlich vom„Roten Kreuz“ angenommen worden waren. Nlit diesen 13 wurde am 15. August eine Notreifeprüfung abgehalten, die für alle das erwünschte Ergebnis hatte; sie wurden nun zu dem Dienste des„Roten Kreuzes“ entlassen, und somit war keine Oberprima mehr vorhanden. Es fand jedoch nur einer von den Schülern, Otto Feistmann, vollständige Beschäftigung im Krankenhaus, die anderen aber wurden gemäss der vom Grossh. Ministerium mittlerweile erlasgenen Verfügung zum Schulbesuch zurückgerufen. So konnte denn die Oberprima wieder er-— öffnet werden.
Im Laufe der nächsten Monate gingen nun noch 2 weitere Kriegsfreiwillige aus dieser Klasse ab: Ludwig Schmict trat in das Inf.-Reg. Nr. 168 ein, musste aber nach einiger Zeit wegen Erkrankung wieder entlassen werden, und KDen Slousen wurde der Train-Abteilung Nr. 18 zugeteilt.


