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Am 5. und 6. März fanden die Reifeprüfungen statt: am ersten Tag unter dem Vorsitz des Herrn Geh. Oberschulrat Nodnagel die der Oberprima II, am zweiten Tag unter dem Vorsitz des zum Regierungsvertreter ernannten Geh. Schulrats Jäger die der Oberprima IJ. Allen 21 Prüflingen konnte das Reifezeugnis zuerkannt werden.
Das Geburtsfest Sr. Königlichen Hoheit des Grossherzogs wurde wie gewöhnlich in der festlich geschmückten Turnhalle des Turnvereins begangen. Den Festvortrag hatte ursprünglich Herr Assessor Bartschat übernommen; er wollte die Zer- störung von Worms durch die Franzosen behandeln. Da er jedoch erkrankt war, trat der Direktor an seine Stelle. Dessen Vortrag hatte zum Gegenstand den„Landgrafen Georg, den Eroberer und Verteidiger von Gibraltar“. Die Erzählung der kühnen Taten dieses hessischen Prinzen wurde ergänzt durch drei von Herrn Professor Götz entworfene Bilder: ein überlebensgrosses Bildnis des Helden, sowie Darstellungen von Gibraltar und von der Stätte, wo der Prinz seinen Tod fand, dem Montjuich bei Barcelona. Die Herstellung dieser letzteren Ansicht wurde dadurch ermöglicht, dass Herr Heinrich Schäfer ein kleines Bild davon in liebenswürdiger Weise zur Verfügung stellte.
Am Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers hielt Herr Oberlehrer Dr. Hammer einen Vortrag über die„Kolonisationsgeschichte von Ostafrika“, in welchem er zeigte, wie schon seit zwei Jahrtausenden um den Besitz dieses wertvollen Gebietes von ver- schiedenen Völkerschaften gekämpft worden ist.
Am Sedantag fanden Ausflüge statt.
Wie immer in den letzten Jahren wurde auch diesmal wieder kurz nach der Reife- prüfung, am 11. März, eine öffentliche Schulfeier zur Entlassung der Abiturienten abgehalten. Musikstücke, vorgetragen von dem Schülerorchester, wechselten mit von A. Klughardt komponierten Chören aus der Dichtung von Johannes Weber„Das Meer“,— beide von Herrn Reallehrer Kammer eingeübt. Mit ihnen waren Gedichte in Verbindung gebracht, die sich auf das Meer beziehen. Unter den Vortragenden befanden sich auch eine von den acht Schülerinnen, die in dem abgelaufenen Schuljahr unsere Anstalt be- sucht haben.
Der Gesundheitszustand war bei Lehrern und Schülern durchaus nicht immer zu— friedenstellend, und infolge besonders heftiger Erkrankungen wurden uns zwei Schüler durch den Tod entrissen: Hans Ungerer, ein zu schönen Hoffnungen berechtigender Schüler der Obertertia, starb am 17. Februar, und Franz Vaubel, ein braver, liebens- würdiger Quartaner, wurde am 21. März von einem schweren Leiden erlöst. Hans Ungerer wurde ganz plötzlich dahingerafft, und zwar unter Krankheitserscheinungen, die den Verdacht der Genickstarre erwecken mussten, doch wurde bei der in Giessen vor-— genommenen bakteriologischen Untersuchung einer Probe Lumbalflüssigkeit nichts diesen Verdacht Bestätigendes gefunden, und auch sonst kam kein Fall der furchtbaren Krank- heit in unserer Stadt vor.
In dem Jahresbericht für 1906/07 glaubten wir die Hoffnung aussprechen zu dürfen, dass im Frühjahr 1907 mit der Errichtung der zweiten Oberrealschule be- gonnen werden würde, denn die Pläne zu dem Gebäude waren im Januar 1907 ſast


