Jahrgang 
1907
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Am 26. Februar 1907 wurde unter dem Vorsitz des Herrn Geh. Oberschulrat Nodnagel die müngdliche Reifeprüfung abgehalten. Allen 13 Prüflingen konnte das Reifezeugnis zuerkannt werden.

Der Geburtstag Sr. Königl. Hoheit des Grossherzogs wurde in der Turnhalle des Turnvereins gefeiert. Nach einem einleitenden Gesange, den das Schülerorchester be gleitete, sprach Herr Oberlehrer Noll überGrossherzog Ludwig IJ.

Bei der Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers, die in demselben Raum abgehalten wurde, hielt Herr Assessor Dr. Gräf einen Vortrag überKaiser Wilhelm II. und die deutsche Sprache.

Am 8. März fand die öffentliche Feier der Entlassung der Abiturienten statt. Während im 1. Teil dieser Feier verschiedenartige Lieder, Musikstücke und Ge dichte vorgetragen wurden, war der 2. Teil der dramatischen Kunst gewidmet: es kamen einige Szenen aus dem Wildenbruch'schen SchauspielVäter und Söhne zur Darstellung. Um die Einübung derselben hatte sich Herr Professor Kellner, um die äussere Aus- stattung Herr Professor Götz ganz besondere Verdienste erworben.

Der Gesundheitszustand war im abgelaufenen Schuljahr sowohl bei Lehrern, als Schülern nicht immer befriedigend. Wie schon oben erwähnt, war Herr Oberlehrer Gros wegen Erkrankung im ganzen ersten Vierteljahr und Herr Thierolf von Ostern bis zum 15. November beurlaubt; ausserdem machte sich die Influenza mehrfach in recht störender Weise bemerkbar. Im Oktober und einem Teile des Novembers traten in der untersten Vorschulklasse die Masern so heftig auf, dass zeitweise nur die Hälfte der Schüler am Unterricht teilnehmen konnte.

Wir verloren diesmal kurz nacheinander drei brave und tüchtige Schüler durch den Tod: am 1. August starb Anton Best, Schüler der 2. Vorschulklasse, an Blind darmentzündung; am 3. August erlag derselben Krankheit im Zusammentreffen mit einem schon länger vorhandenen Herzleiden Johannes Schaub, Schäüler der 3. Vorschul- klasse, und am 21. August wurde der Obertertianer Hans Lippmann durch einen Schlaganfall hinweggerafft.

Ostern 1906 erfolgte die Errichtung von 5 neuen Parallelklassen(Ibz, III as, IIIba, IVa, VIa). Um für diese Platz zu gewinnen, wurden die 6 Vorschulklassen und eine Sexta in dem Gebäude der früheren Realschule in der Herrnstrasse untergebracht. Im Zusammenhang mit dieser Verlegung war es nun auch möglich, einem schon lange dringend empfundenen Bedürfnis abzuhelfen: es konnte ein besonderer Lehrsaal für Chemie eingerichtet und dem chemischen Laboratorium ein grösserer Raum, als bisher, zur Verfügung gestellt werden.

Für Ostern 1907 ist die Errichtung von weiteren 3 Parallelklassen vorgesehen, für welche die Stadtverwaltung die Räume im oberen Stock der früheren Realschule hat herrichten lassen, die bisher das jetzt in das Isenburger Schloss verlegte Museum innegehabt hat. Damit ist nun auch dieses alte, von der Realschule vor mehr als 30.