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VIII. Die Berechtigungen der Grossherzogl. Oberrealschulen.
Wir bringen hier die wichtigsten Abschnitte aus den die Gleichberechtigung betreffenden Verord- nungen, die im abgelaufenen Schuljahr erschienen sind, zum Abdruck:
I. Verordnung die Gleichberechtigung der höheren Lehranstalten betreffend, vom 21. April 1906(Regierungs-
blatt S. 107):
Für die Zulassung zur Immatrikulation in der juristischen und philosophischen Fakultät Unserer Landes- universität Giessen, sowie zu den Prüfungen für den Staatsdienst im höheren Justiz- und Verwaltungsfach, im höheren Forstfach und im höheren Lehramt werden, soweit nicht bereits geschehen, die Reifezeugnisse der Gymnasien, Realgymnasien und Oberrealschulen einander gleichgestellt.
Die näheren Vorschriften über die Durchführung dieses Grundsatzes sind in den Verordnungen über die Vorbereitung für die genannten Zweige des höheren Staatsdienstes zu treffen. In diesen Verordnungen ist namentlich zu bestimmen, in welcher Weise die für das Studium jener Fächer erforderliche Kenntnis der alten Sprachen zu erwerben und nachzuweisen ist.
II. Verordnung, die Vorbereitung für den Staatsdienst im Justiz- und Verwaltungsfache betreffend, vom 6. Oktober 1906(Regierungsblatt S. 317): § 2 a. Zum Studium der Rechtswissenschaft auf Unserer Landesuniversität Giessen darf nur zugelassen
werden, wer das Zeugnis der Reife von einem deutschen Gymnasium oder Realgymnasium oder einer hessischen Oberrealschule besitzt.
§ 2 b. Die Studierenden der Rechtswissenschaft, die nur ein Reifezeugnis eines Realgymnasiums oder einer Oberrealschule besitzen, haben den Nachweis zu erbringen, dass sie sich die für ein gründliches Verständnis der Quellen des römischen Rechtes erforderlichen sprachlichen und sachlichen Vorkenntnisse angeeignet haben. Das Gleiche gilt von solchen Studierenden der Rechtswissenschaft, deren Gymnasialreifezeugnis im Lateinischen nicht mindestens die Note„genügend“ aufweist. Dem Ministerium des Innern bleibt vorbehalten. im Einver- nehmen mit den Ministerien der Justiz und der Finanzen das Nähere über Inhalt, Form und Zeit jenes Nach- weises zu bestimmen.
III. Laut Darmstädter Zeitung vom 28. Februar 1907 steht eine Ergänzung der forstlichen Prüfungsordnung unmittelbar bevor, durch welche diese Prüfungsordnung mit der Verordnung über die Gleichberechtigung der höheren Lehranstalten in Einklang gebracht wird.
IV. Bekanntmachung, betr. Abänderung der Prüfungsordnung für Aerzte, vom 12. Februar 1907(Zentralblatt für das Deutsche Reich, S. 35):
Die§§ 6, 7 und 23 der Prüfungsordnung für Aerzte vom 28. Mai 1901 werden wie folgt abgeändert:
Der Meldung ist beizufügen das Zeugnis der Reife von einem deutschen Gymnasium, einem deutschen Realgymnasium oder einer deutschen Oberrealschule.
Inhaber des Reifezeugnisses einer Oberrealschule haben nachzuweisen, dass sie in der lateinischen Sprache „die Kenntnisse besitzen, welche für die Versetzung in die Obersekunda eines deutschen Realgymnasiums ge- fordert werden. Sind diese Kenntnisse erworben an einer deutschen Oberrealschule mit wahlfreiem Latein- unterricht, so genügt das Zeugnis des Anstaltsleiters über die erfolgreiche Teilnahme an diesem Unterricht; andernfalls ist der Nachweis durch ein auf Grund einer Prüfung ausgestelltes Zeugnis des Leiters eines deutschen Realgymnasiums zu erbringen.
IX. Bekanntmachungen.
Um den Eltern unserer Schüler Kenntnisnahme von den schriftlichen Leistungen ihrer Söhne zu ermöglichen, wird zu Anfang des Sommerhalbjahres und nach Eintritt des Winterstundenplans bekannt gegeben werden, an welchen Tagen jeder Woche sich die Hefte mit den verbesserten und beurteilten schriftlichen Arbeiten in den Händen der Schüler beſinden.—
Das Schuljahr 1907— 08 beginnt Montag, den 8. April. An diesem Tage finden die Aufnahmeprüfungen der neuen Schüler statt.
brossherzogliche Direktion der Oberrealschule: Jäger.


