Jahrgang 
1906
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Unter den Schulfeiern dieses Jahres nahm die erste Stelle die Schillerfeier ein. Für sie hatte Herr Professor Kostein FestgedichtAus Schillers Lehr- und Wander- jahren verfasst, das durch 5 lebende Bilder erläutert wurde. Diese Bilder stellten dar:

1. Schiller liest Kameraden von der Karlschule dieRäuber vor;

2. Schiller, begleitet von zwei Freunden, besucht mit Erlaubnis des Kommandanten den Dichter Schubart auf dem Hohenasperg;

3. Der Herzog von Württemberg befiehlt Schiller, seinen Degen abzugeben und einen 14-tägigen Arrest anzutreten;

4. Schiller und sein Freund Streicher auf der Flucht nach Frankfurt: Die Rast im Isen- burger Wald am 29. Sept. 1782;

5. Schiller am landgräflichen Hofe zu Darmstadt am 26. Dezember 1784.

Um die Ausgestaltung dieser Bilder hatte sich Herr Professor Götz die grössten Verdienste erworben, ebenso um die szenische Ausstattung des zweiten Teiles der Feier, den die Aufführung vonWallensteins Lager bildete. Der Einübung dieses Stückes hatten sich die Herren Professoren Kellner und Kost mit Hingebung gewidmet.

Freitag, den 5. Mai, fand zunächst eine Aufführung für unsere Schüler, Samstag, den 6. Mai, eine solche für die Offentlichkeit statt, beide im hiesigen Stadttheater.

Im Anschluss an diese Feier wurde an dem eigentlichen Gedenktage, dem 9. Mai, ein Schulausflug nach dem Schillerstein im Isenburger Walde ausgeführt.

Zur Feier des Geburtstages Sr. Königl. Hoheit des Grossherzogs versammelte sich die Schule in der Turnhalle des Turnvereins. Nach einem einleitenden Gesange hielt Herr Professor Dr. Siebert einen Vortrag überdie soziale Bedeutung der Kunst- bestrebungen des Grossherzogs Ernst Ludwig, entwickelt aus dem deutschen Handwerker- leben des Mittelalters.

Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers wurde in dem Saale desSchützenhofes gefeiert; Herr Oberlehrer Dr. Büttner sprach überWahl- und Krönungsfeierlichkeiten im alten Frankfurt.

Am Sedantage wurden Ausflüge veranstaltet.

Die öffentliche Schulfeier zur Entlassung der Abiturienten fand am 10. März in der Turnhalle des Turnvereins statt. Den Zeitverhältnissen entsprechend bildete den Hauptinhalt der Feier ein dem Andenken an Mozart gewidmetes Festspiel, das nach dem Grillparzer'schen GedichteDie Musik mit Chören von Beethoven(aus denRuinen von Athen) Herr Professor Kost zusammengestellt hatte und in das auf Mozart sichbeziehende Gedichte, sowie Musikstücke des unsterblichen Meisters eingefügt waren. Diese Musikstücke wurden von dem Schülerorchester vorgsetragen und waren ebenso, wie die Gesänge, von Herrn Reallehrer Kammer eingeübt. Herr Professor Götzhatte aufs Beste unterstützt von Herrn Pedell Dietrich und dessen Gehilfen, Herrn Kiefer, die offene Bühne in eine Gartenlandschaft aus dem Ende des 18. Jahrhunderts umge- wandelt und in ihr ein Mozartdenkmal aufgebaut. Auf den Stufen dieses Denkmals liess sich die(von einem Sekundaner dargestellte) Muse der Tonkunst, begleitet von zwei Genien, nieder und feierte in weihevoller Wechselrede mit den im Kostüm der Mozart- zeit auftretenden Deklamatoren das Wirken des grossen Künstlers. Hieran schloss sich eine Rede des Abiturienten Theodor Zimmermann, die ebenfalls auf Mozart Bezug nahm und dann überleitete zu der Bedeutung, die der Tag im Besonderen für die Abi