Jahrgang 
1907
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I. Schulnachrichten.

A. Kuratorium der AUnltalt.

Oberbürgermeiſter W. Brink. Gymnaſialdirektor Dr. W. Henſell, bezw. Oberrealſchul⸗ direktor H. Jäger. Stadtverordneter M. Graf. K. Schömbs. Direktor Dr. Ed. Otto.

B. TZur Geſchichte der Anlſtalt.

Schon vor Ablauf des vorigen Schuljahres hatte das Kuratorium im Einverſtändnis mit der Stadtver⸗ ordnetenverſammlung mit Rückſicht auf die Ueberfüllung einzelner Klaſſen die Errichtung zweier neuer Lehrer⸗ ſtellen beantragt. Unter Genehmigung dieſes Atrages wurden durch Verfügung hoher Schulbehörde vom 30. März und 11. April 1906 der Schulverwalter Julius Kieffer von hier und der Lehramtsreferendar Dr. phil. Friedrich Schrod(vorher in Darmſtadt) mit der Verwaltung der neuen Stellen beauftragt. Beide Lehrer wurden mit dem Beginne des neuen Schuljahres bei Gelegenheit der den Unterricht eröffnenden Schulfeier am 23. April 1906 in ihren Dienſt eingewieſen. Die Zuweiſung neuer Lehrkräfte ermöglichte die Zerlegung der Klaſſen III und V in je zwei Parallelkurſe. Infolge der Aufnahme neuer Schülerinnen zu Oſtern 1906 ſtieg die Geſamtzahl der Schülerinnen auf 506. Durch Allerhöchſte Entſchließung vom 10. Mai 1906 wurde die proviſoriſche Lehrerin Elſe Seyd mit Wirkung vom 1. Mai 1906 endgiltig angeſtellt.

Elſe Seyd, evangeliſcher Konfeſſion, iſt am 9. Juli 1877 zu Romrod geboren, beſuchte die Volksſchule in Lorſch, die höhere Mädchenſchule in Bensheim, die Viktoriaſchule und das mit dieſer Anſtalt verbundene Lehrerinnenſeminar zu Darm⸗ ſtadt, an welchem ſie Oſtern 1896 die Prüfung für den höheren Schuldienſt beſtand. Hierauf war ſie mehrere Jahre in einer Familie als Erzieherin tätig. Im Jahre 1900 nahm ſie zwecks weiterer Ausbildung im Franzöſiſchen einen längeren Aufenthalt in Genf. Von Oſtern 1901 bis Weihnachten 1903 bekleidete ſie in Büdingen die Stelle einer Lehrerin der beiden jüngſten Prinzeſſinnen von Yſenburg⸗Büdingen. Seit Oſtern 1904 war ſie an der höheren Mädchenſchule zu Offenbach verwendet.

Durch Dekrete vom 6. und 30. Oktober 1906 wurden die proviſoriſchen Lehrer Julius Kieffer und Wilhelm Broderſen mit Wirkung vom 1. Oktober 1906 an unſerer Schule endgiltig angeſtellt.

Julius Kieffer, katholiſcher Konfeſſion, geboren am 28. Oktober 1876 zu Riedisheim im Elſaß, erhielt ſeine Vorbildung in der Volksſchule ſeines Heimatsortes und in derjenigen zu Dornach, ſeine Fachbildung in der Spezialſchule und in dem Lehrerſeminar zu Kolmar, an welchem er Oſtern 1898 die Entlaſſungsprüfung beſtand. Hierauf wirkte er mehrere Jahre an einer Privatſchule in Mainz und abſolvierte während dieſer Zeit(am 6. Juni 1901) ſeine Schlußprüfung in Kolmar. Am 7. April 1902 trat er in den heſſiſchen Schuldienſt über und wurde mit der Verwaltnng einer Lehrerſtelle an der hieſigen Knabenbürgerſchule(im Franzöſiſchen Gäßchen) beauftragt. Oſtern 1906 fand er als Schulverwalter an unſerer Anſtalt Verwendung.

Wilhelm Broderſen, evangeliſcher Konfeſſion, geb. am 18. November 1878 zu Altona, beſuchte die Privat⸗ realſchulen der Herren Dr. Otto und Nirrnheim in Hamburg von 1885 bis 1895, von 1897 bis 1899 die Abendkurſe der Ham⸗ burger ſtaatlichen Kunſtgewerbeſchule. Seine Ausbildung als Maler erhielt er durch den Hamburger Maler de Bruycker, deſſen Unterricht er von 1895 bis 1898 genoß, und durch den Berliner Geſchichts⸗ und Porträtmaler William Pape, deſſen Schule er 1899 beſuchte. In Berlin nahm er auch am Unterricht im könialichen Kunſtgewerbemuſeum teil. Um ſich für das Zeichenlehrerexamen vorzubereiten, trat er im September 1900 in die Hamburger Kunſtgewerbeſchule ein. Dieſe Prüfung ab⸗ ſolvierte er am 29. April 1902. Vom Mai des genannten Jahres an war er zunächſt an der Nittelſchule zu Ottenſen tätig, vom 1. Juni bis zum Ende September 1902 vertrat er den beurlaubten Zeichenlehrer an der dortigen ſtädtiſchen Realſchule. Daneben erteilte er vertretungsweiſe Zeichenunterricht an der ſtädtiſchen gewerblichen Fortbildungsſchule. Durch miniſterielle Verfügung vom 22. September 1902 wurde ihm mit Wirkung vom 1. Oktober genannten Jahres die proviſoriſche Verwaltung der Zeichenlehrerſtelle an unſerer Anſtalt übertragen.

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