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Kollegen und der Schülerinnen widmete der Direktor der Anſtalt dem treuen, von jung und alt geliebten Manne Worte dankbaren Angedenkens.
Mit der Feier von Großherzogs Geburtstag, welche die Klaſſen I—VII in unſerer Turn— halle vereinigte, verband ſich diesmal die Gedächtnisfeier für den erlauchten Ahnherrn unſeres Fürſtenhauſes, den Landgrafen Philipp den Großmütigen. Die Feſtrede hielt der Direktor. Herrn Lehrer Flath wurde durch Allerhöchſte Entſchließung vom 25. November 1904 das Ritterkreuz 2. Klaſſe des Ordens Philipps des Großmütigen verliehen. Zur Vor⸗ und Nachfeier von Kaiſers Geburtstag veranſealteten wir am Abend des 26. und 28. Januar 1905 öffentliche Feſtakte in unſerer Turnhalle. Die Feſtrede hielt eine Schülerin der 1. Klaſſe(Johanna Kellner).
Im Laufe des Schuljahres wurde mit Rückſicht auf das in den letzten Jahren erfolgte ſtarke Anwachſen der Schülerinnenzahl die Teilung einzelner Klaſſen und die Frage der Gewinnung neuer Schul⸗ räume ernſtlich in Erwägung gezogen. Am 1. Dezember 1904 beſchloß die Stadtverordnetenverſammlung zum Zwecke der Erweiterung unſeres Schulgebäudes den Ankauf der im Oſten an das Schul⸗ grundſtück angrenzenden Herrmann'ſchen Hofreite. Die Baupläne wurden in der Sitzung der Stadtverord⸗ neten am 16. März 1905 genehmigt. Durch den geplanten An⸗ und Umbau wird vorausſichtlich an Oſtern 1906 eine Teilung aller derjenigen Klaſſen, die eine zu hohe Schülerinnenzahl aufweiſen, in Parallel⸗ kurſe möglich werden. Schon für 1905 iſt die Teilung zweier Klaſſen vorgeſehen. Durch die vorübergehende Benutzung des Zeichenſaales als Klaſſenzimmer und durch die Verlegung des Lehrerzimmers in die Schul⸗ dienerwohnung kann für die beiden zu errichtenden Klaſſen Raum gewonnen werden, wenn auch ſelbſtver⸗ ſtändlich die baldige Beſeitigung dieſes proviſoriſchen Zuſtandes dringend zu wünſchen bleibt. In ihrer Sitzung vom 16. Februar 1905 iſt die Stadtverordnetenverſammlung dem Antrage des Vorſtandes unſerer Schule auf Errichtung zweier neuer Lehrerſtellen beigetreten, und die hohe Schulbehörde hat in ihrer Ver⸗ fügung vom 25. Februar 1905 den Autrag genehmigt. Es beſteht die Abſicht, zu Anfang des neuen Schul⸗ jahres zunächſt die Klaſſen VII und X zu teilen, weil die genannten Kurſe vorausſichtlich die höchſte Schülerinnenzahl werden aufzuweiſen haben. Der Stadtverwaltung gebührt für das bewieſene Verſtändnis für die Bedürfniſſe unſerer Schule wärmſter Dank.
Am 25. Februar 1905 wohnten die Schülerinnen der Klaſſe II unter Aufſicht des Frl. Schäffer einer Aufführung von Schillers„Tell“ im Frankfurter Schauſpielhauſe bei. Dieſelben nahmen, ſowie die Mehrzahl der Schülerinnen der Klaſſe I großenteils an den im Herbſte von Herrn Lektor Lic. Goettſchy aus Gießen im hieſigen Stadtgarten veranſtalteten franzöſiſchen Vorträgen teil.
Die Geſundheitsverhältniſſe des Lehrkörpers ließen— von der Erkrankung des Frl. Vogt abgeſehen— nichts zu wünſchen übrig; diejenigen der Schülerinnen dürfen als befriedigend bezeichnet werden. Am 1. September 1904 hatten wir den Tod einer unſerer bravſten und tüchtigſten Schülerinnen Emma Grünewald(Kl. VI), zu beklagen, die nach kurzem Leiden den Ihrigen entriſſen wurde.
An Geſchenken erhielt die Schule von der Schülerin Ottilie Drucker drei Antilopengehörne, ſowie eine Anzahl ſüdoſtafrikaniſcher Waffen, von Lina Obſer ein Eichhörnchen, von Marie Schilbe einen Star.
Zur Kaſſe der Schülerinnenbibliothek ſchenkten beim Austritt aus der Schule: Emilie Bauer, Lili Behr, Elſe Becker, Eliſabeth Büttner, Käthchen Ferro, Gretchen Fölſing, Sannchen Huber, Sophie Melchior, Franziska Nagel, Erna Otterpohl, Luiſe Perſch, Lina Schang, Clara Schmaltz, Elſe Schürings, Emilie Stock, Eliſabeth Stöhr, Bella Strauß, Charlotte Thomſon, Irma Weiß je 3 Mark, Elſe Berg, Eliſabeth Braun, Elſe Haas je 2 Mark.
Allen freundlichen Geberinnen ſei hiermit herzlicher Dank geſagt!
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