Mädſchenſchule, die dieſes Ziel ſchon längere Zeit verfolge, manches lernen können. Er hoffe, daß die hieſige höhere Mädchenſchule auch in Zukunft ſo ſchöne Früchte zeitige, wie ſie ſeither hervorgebracht habe.
Berr Gymnaſialdirektor Dr. Henſell wies in kerniger, gehaltvoller Anſprache auf die gemeinſamen Lebensintereſſen von Gymnaſium und höherer Mädchenſchule hin. Dieſe ge⸗ meinſamkeit ſei zum guten Teil auch eine Gemeinſchaft des Kampfes. Auch die höhere Mädchenſchule habe ſich heute des Andrangs radikaler„Reformbeſtrebungen“ zu erwehren, die ſie von dem rechten Wege und von dem rechten Fiele abziehen möchten. Ihr rechtes Ziel aber ſei und bleibe die Erziehung der weiblichen Jugend nicht für den Kampf des öffentlichen Daſeins, ſondern für das Wirken in Haus und Familie. Sie ſei berufen, unſerem Volke ſeinen köſtlichſten Beſitz, ſeinen Familienſinn und ſeine nationale Sitte, durch Heranbildung edler deutſcher Frauen zu wahren; denn der Schwer⸗ und Mittelpunkt der Familie ſei die Frau. Der Jubilarin wünſche er, daß der glänzende Verlauf ihrer Feſt— aufführung dazu beitragen möchte, ihr als der vornehmſten Bildungsſtätte für die weibliche Jugend nach oben wie nach unten die Anerkennung zu erwerben, die ſie verdiene. Sollte der Ruf nach Errichtung von Gymnaſialkurſen für Mädchen in unſerem engeren Vaterland dringender werden, dann werde der Bruder der Schweſter dieſe Sorgen abnehmen und den
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Mädchen ſeine Tür öffnen, auf daß die höhere Mädchenſchule
unentwegt ihrem eigenſten Berufe treu zu bleiben vermöge.
Der frühere Leiter der Anſtalt, Herr Gymnaſialdirektor Dr. Forbach aus Darmſtadt, begrüßte das Geburtstagskind mit warmen Worten, denen man es anmerkte, perſönlichſter Anteilnahme getragen waren. In mancher Familie Offenbachs, ſagte er, blickten heute Kinder, Mutter und Großmutter zu der höheren Erzieherin dankbar auf. Möge der koſtbare Schatz treuer
Daß die Veranſtaltungen der Schule einen ſo ſchönen Verlauf nahmen,
daß ſie von
Anhänglichkeit, deſſen ſich die Anſtalt in weiten Kreiſen der Offenbacher Bevölkerung erfreue, ihr für alle Zeiten bewahrt bleiben!
Herr Direktor Schurig überbrachte die Glückwünſche der hieſigen Techniſchen Lehranſtalten; namens der heimiſchen Bürgerſchulen ſprach Herr Hauptlehrer Wilhelm, der ſelbſt
12 Jahre an der höheren Mädchenſchule geweſen iſt und auf dieſe ſeine Wirkſamkeit gerne zurückblickt.
Tiefen Eindruck machten die ſchönen Worte, die im Namen der„Veteranen der Anſtalt“ Berr Lehrer Bender der Jubi— larin widmete, in deren Bereiche er 40 Jahre gewirkt hat. Er wünſchte, daß der ideale Geiſt, der die Teilnehmer des Feſtes aus den Feſtaufführungen angeweht habe, auch in Zukunft in der Schule walte, und daß ſie die Zöglinge nicht allein mit nützlichen Kenntniſſen und Fertigkeiten, ſondern auch mit Edelſinn und Gemütswärme, mit Empfänglichkeit für die idealen Güter der Menſchheit ausrüſte, daß ſie ins— beſondere allezeit des Dichters Wort beherzige, zu dem in dieſen Tagen die ſinnige Feſtdichtung die Augen der Schüler— innen emporgelenkt habe:„Böchſtes Glück der Erdenkinder iſt nur die Perſönlichkeit.“
In einem kurzen Schlußwort ſprach hierauf Direktor Dr. Otto jedem einzelnen Gratulanten den Dank der Anſtalt aus und gab zugleich der Hoffnung Ausdruck, daß, wenn ſich einmal die Pforten des Gymnaſiums oder der Oberrealſchule der weiblichen Jugend öffnen ſollten, die Zöglinge der höheren Mädchenſchule mit in Ehren beſtehen möchten. Er ſchloß mit dem Gelöbnis, daß die Schule allezeit ſich ihrer eigenſten Aufgabe bewußt bleiben und ſich von Schwarmgeiſtern und unklaren Neuerern nicht werde beirren laſſen, daß ſie fort—
fahren wolle zu wirken zum Segen des deutſchen Familien—
Mädchenſchule als ihrer
lebens, zum Segen der Stadt und des Vaterlandes. Mit dem Geſange„Der Herr hat Großes an uns getan, des ſind wir fröhlich“ endigte die ſchlichte Feier.
verdanken wir vor allem
der Begeiſterung, womit unſere Schülerinnen ans Werk gegangen ſind, und womit ſie wochenlang einen
guten Teil ihrer freien Zeit geopfert haben.
Beſonderen Dank ſchulden wir den ehemaligen Schülerinnen,
die unſerer Aufforderung zur Mitwirkung bei der Feier mit Luſt und Liebe gefolgt ſind und es uns ermög—
licht haben, Aufgaben zu löſen, welche die Schule allein kaum hätte bewältigen können. ſagen wir auch an dieſer Stelle allen denjenigen früheren Angehörigen, Schule, die durch Glückwunſch und Teilnahme ihre treue Anhänglichkeit bekundet haben.
Wärmſten Dank ſowie allen den Freunden unſerer Wir Mitglieder
des Lehrerkollegiums fühlen uns durch das ſchöne Gelingen der Feier für alle unſere Mühewaltungen reich— lich belohnt und ſchließen dieſen Bericht mit den Worten, welche die„Offenbacher Zeitung“ am 25. Sep⸗
tember dem Feſte gewidmet hat:
Morgen werden bereits die feſtlichen Klänge dieſer für die Schule wie für ihren der— zeitigen Leiter und ſeine treuen Mitarbeiter gleich ehrenvollen Jubelfeier verrauſcht ſein, und
das Alltagsleben wird wieder in ſeine Rechte treten.
Aber ſicherlich wird ein Nachklang an das
Erlebte im Gemüt der einſtigen wie der gegenwärtigen Schülerinnen weiterleben und dazu bei⸗ tragen, daß der ſchöne Wunſch des Verfaſſers des Feſtſpieles in Erfüllung gehen möge, daß ſich allezeit in unſerer Stadt tätige Frauenhände finden mögen zur Pflege des Guten und Schönen,
der idealen Güter unſeres Vaterlandes.


