— 1—
Leidens veranlaßt, ihre Lehrthätigkeit aufzugeben, nachdem ſie bereits ihre Verſetzung in den Ruheſtand mit Wirkung vom 1. Januar 1900 nachgeſucht hatte. Die Direktion beantragte hierauf für Frl. Schreiber einen abermaligen Urlaub(bis zu den Weihnachtsferien) und bat um Zuweiſung der hieſigen Lehramts⸗ aſpirantin Elſe Dillenberger. Die Letztere trat mit Genehmigung der Schulbehörde in den frei⸗ gewordenen Unterricht ein, und ihre Verwendung an unſerer Schule wurde durch Verfügung vom 23. Januar 1900 bis zum Ablauf des Schuljahres verlängert. Durch Dekret vom 27. Dezember wurde Frl. Eliſe Schreiber mit Wirkung vom 1. Januar 1900 unter Anerkennung ihrer treuen Dienſtführung in den Ruheſtand ver⸗ ſetzt. Mit ihrem Weggang löſte ſich wieder eins der Bande, die Vergangenheit und Gegenwart unſerer Schule verknüpfen. Frl. Schreiber gehörte zu den Erſten, die als Schülerinnen in unſere Anſtalt eintraten, und hat dann 23 Jahre als Lehrerin an ihr gewirkt. Mit Gaben des Verſtandes und des Gemüts reich ausgeſtattet, hat ſie ſich in treuer und erfolgreicher Arbeit auf dankbares Andenken ihrer Kollegen und Schülerinnen vollen Anſpruch erworben.— Im weiteren Verlaufe des Winters mußte auch Herr Glenz wegen Krankheit dem Unterrichte mehrere Wochen fernbleiben.
Die vaterländiſchen Gedenktage, ſowie Goethes Geburtstag und die Jahrhundertfeier(9. Jan. 1900) wurden teils von der geſamten Schule gemeinſam, teils in den einzelnen Klaſſen feſtlich begangen. Offent⸗ liche Aufführungen veranſtalteten wir am 25. und 26. Januar 1900 zur Vorfeier von Kaiſers Geburtstag. Hierbei wurde der neu angeſchaffte Flügel eingeweiht. In den Wintermonaten hatte nämlich der Direktor 6 Vorleſungen für Damen über„Deutſches Frauenleben“ gehalten. Der Geldertrag hieraus wurde, durch Geſchenke und durch den Erlös aus dem Kartenverkauf für die Kaiſerfeier vermehrt, zur Anſchaffung eines klangſchönen neuen Flügels verwendet. Allen, die durch Teilnahme an den Vor⸗ leſungen oder ſonſtwie dieſe wichtige Erwerbung ermöglicht haben, gebührt unſer wärmſter Dank.
Außer den gewöhnlichen Monatsſpaziergängen wurde(am 6. Juni 1899) ein Ausflug unternommen, der ſich für die 4 oberſten Klaſſen auf einen ganzen Tag erſtreckte. Am 27. Oktober 1899 wohnten die Klaſſen I und II unter Führung des Direktors einer Aufführung von Goethes„Iphigenie“ im Frankfurter Schauſpielhauſe bei. 3
Im Sommer mußte der Hitze wegen der Unterricht an 5 Nachmittagen ausfallen.
Zur Kaſſe der Schülerinnenbibliothek ſchenkten zu Oſtern 1899 beim Austritt aus der Schule: Bertha Jäger, Eliſabeth Merzbach und Sophie Weinberg je 3 Mk.; Johanna Baſtert, Eliſabeth Berke, Frieda Eskeles, Henriette Forſter, Amalie Hager, Charlotte Kohl, Marie Layer, Chriſtiane Marowski, Mercedes Michael, Auguſte Perino, Frieda Philippi, Käthe Rojahn und Emilie Schaub je 2 Mk.; Lina Hauk 1,50 Mk.; Eliſe Lindner und Mathilde Link je 1 Mk. Allen freundlichen Geberinnen ſei herzlicher Dank geſagt.


