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Luiſe Jochem, geb. am 18. Oktober 1851 in Ruppertsburg, Kreis Schotten, beſuchte zuerſt dort die Volksſchule. Ihre weitere Ausbildung übernahm ihr Vater. Im Frühjahr 1875 beſtand ſie in Darmſtadt das Examen für das höhere Lehrfach, war dann einige Zeit als Erzieherin in Frankreich und England thätig und wurde im April 1879 an der Volksſchule in Griesheim bei Darmſtadt als Schulverwalterin, 1881 im Dezember definitiv als Lehrerin angeſtellt. Herbſt 1891 trat ſie, zunächſt als proviſoriſche Lehrerin, an der Höheren Mädchenſchule hier ein.
Mit Beginn des Winterſemeſters konnte Fräulein Jochem ihren Unterricht noch nicht wieder aufnehmen. Ihr Urlaub wurde daher bis zum Schluß des Kalenderjahres verlängert. Als auch nach Ablauf dieſer Zeit noch keine Ausſicht vorhanden war, daß ſie ihren Dienſt wieder verſehen könne, entſchloß ſie ſich, um ihre Verſetzung in den Ruheſtand nachzuſuchen, die ihr durch Dekret vom 2. Januar 1897 mit Wirkung vom 1. Januar 1897 unter Anerkennung ihrer treugeleiſteten Dienſte bewilligt wurde. Wir wünſchen der pflichtgetreuen, fleißigen Kollegin, daß die ihr nun gewährte Ruhe zur baldigen Beſſerung ihres Geſundheitszuſtandes beiträgt.
Durch Verfügung der vorgeſetzten Schulbehörde vom 29. Auguſt 1896 wurde mit der Vertretung der Lehrerin Frl. Jochem vom Beginn des Winterhalbjahres an Fräulein Julie Stamm aus Stockſtadt am Rhein beauftragt, die auch nach Penſionierung der obengenannten Lehrerin mit der proviſoriſchen Verwaltung der Stelle durch Verfügung vom 10. Januar 1897 bis auf weiteres betraut iſt.
Durch Beſchluß vom 29. Oktober 1896 nahm die hieſige Stadtverordnetenverſammlung einen Antrag des Vorſtandes unſerer Anſtalt an, der auf die gedeihliche Entwicklung derſelben von weſentlichem Einfluß ſein wird; es wurde die Gründung einer neuen Lehrſtelle beſchloſſen, damit die ſeither noch in einer Reihe der wichtigſten Lehrfächer vereinigt unterrichteten beiden oberen Jahreskurſe(la und Ib) mit dem neuen Schuljahr 1897/98 in zwei ſelbſtändige Klaſſen getrennt werden können. Infolge dieſer Änderung wird der Fortbildungskurs im nächſten Jahre wegfallen. Doch ſoll auf eine Anregung aus hieſigen Bürgerkreiſen hin in dem Schuljahr 1897/98 der Verſuch gemacht werden, einen nicht verbindlichen Unterricht in kauf⸗ männiſchen Fächern, wie Buchhaltung und kaufmänniſchem Rechnen, außerdem in Stenographie für Schüler⸗ innen der drei oberſten Klaſſen zu eröffnen, an dem übrigens auch der Schule nicht angehörige Mädchen, die ſich über die nötige Vorbildung ausweiſen, teilnehmen können.
Der Geſundheitszuſtand der Schülerinnen war im ganzen gut; doch unterbrachen auch in dieſem Jahr leider wieder zahlreiche Erkrankungen im Lehrerkolleg die Regelmäbigkeit des Unterrichts.
Schulſpaziergänge fanden ſtatt in den Monaten April, Mai, Juni, Juli, September, Oktober, Februar und März. Der Ausflug im Juni erſtreckte ſich für die 5 oberen Klaſſen auf einen ganzen Tag. Den Spaziergang im Juli benutzten dieſelben Klaſſen zu einem Beſuch des zoologiſchen Gartens in Frankfurt, wo eine Truppe Eingeborener von den Samoainſeln zu ſehen war.
Am 30. November 1896 und am 15. Januar 1897 wurde der Nachmittagsunterricht zum Beſuch der Eisbahn ausgeſetzt, auch war die Einrichtung getroffen, daß, ſo lange die Eisbahn benutzt werden konnte, der größere Teil der Turnſtunden zu deren Beſuch verwendet wurde. Am 17. Juni 1896 beſuchte der Direktor mit dem Fortbildungskurs, der Klaſſe Ia und einem Teil der Ib die Aufführung der„Jung⸗ frau von Orleans“, am 6. Oktober mit dem Fortbildungskurs und den beiden Oberklaſſen die Aufführung der„Minna von Barnhelm“ im Frankfurter Stadttheater. Der Fortbildungskurs wohnte außerdem noch am 24. Oktober mit den Lehrerinnen Frl. Cellarius, Schreiber und Stamm der Aufführung der Oper„Das Heimchen am Herd“ von Goldmark bei, nachdem vorher Dickens' gleichnamige Erzählung geleſen worden war.
An 5 Nachmittagen fiel der Nachmittagsunterricht wegen der großen Hitze aus.
Der Geburtstag Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs und der Großherzogin wurde in der ſeither üblichen Weiſe in den einzelnen Klaſſen gefeiert.
Der Geburtstag Sr. Majeſtät des Kaiſers wurde durch eine gemeinſame muſikaliſch⸗deklamatoriſche Schulfeier begangen, zu der der Vorſtand der Schule und die Angehörigen der Schülerenen eingeladen waren. Die Anſprache hielt der Direktor.


