Jahrgang 
1897
Einzelbild herunterladen

II. Schulnachrichten.

A. Porſtand der Hüheren Wädchenlchule.

1. Oberbürgermeiſter W. Brink.

. Gymnaſialdirektor Prof. Dr. L. Schädel. 3. Stadtverordneter E. Buß.

4. 2 F. Lotz.

. Direktor Prof. Dr. G. Forbach.

B. Zur Gelchichte der Schule. Hchuljahr 1895/96.)

Das Schuljahr begann am 22. April 1895 mit der Aufnahme neuer Schülerinnen.

Nach der Verſetzung des Herrn Kaplan Gärtner, der vom 14. Oktober 1893 an den katholiſchen Religionsunterricht an der Schule erteilt hatte, wurde dem Herrn Kaplan V. Rathgeb deſſen Stelle übertragen. Derſelbe trat am 24. September 1895 ſeinen Dienſt an.

Am 26. Dezember 1895 ſtarb nach ſchwerem Leiden der langjährige Leiter der Anſtalt, Herr Direktor Dr. F. W. Sommerlad. Mit unerſchütterlicher Pflichttreue hatte er trotz ſchweren körperlichen Leidens mit kurzen Unterbrechungen bis zum Beginn der Weihnachtsferien ſein Amt verſehen und gedachte nach der Ferienpauſe mit friſcher Kraft ſeinen Dienſt wieder aufzunehmen; allein die Ferien brachten ihm ſtatt der Erholung einen unerwarteten Tod. Die Schule gab dem teuern Entſchlafenen das Geleite zur letzten Ruheſtätte, wo Herr Prof. Weckerling in deren Namen den Gefühlen der Dankhbarkeit und der Hochſchätzung beredten Ausdruck verlieh. Am 6. Januar 1896 verſammelten ſich ſodann Kollegium und Schülerinnen zu einer Gedächtnisfeier im Kreis der Schule, um welche der Entſchlafene, wie um das Schul⸗ weſen der Stadt Offenbach überhaupt, ſo hervorragende Verdienſte ſich erworben hatte. Wir erfüllen eine Ehrenpflicht, wenn wir eine das Leben und Wirken dieſes trefflichen Schulmannes und Menſchen umfaſſende Darſtellung dem diesmaligen Jahresbericht voranſtellen und ihm damit in den Annalen der Anſtalt die gebührende bleibende Stelle einräumen.

Durch Großherzogliches Dekret vom 11. Februar 1896 wurde der Lehrer am Neuen Gymnaſium zu Darmſtadt, Prof. Dr. Guſtav Forbach zum Direktor der Höheren Mädchenſchule ernannt und bereits

am 14. Februar von Herrn Geheimen Oberſchulrat Soldan in ſein Amt eingeführt. Guſtav Forbach iſt geboren am 1. September 1853 zu Gießen. Er beſuchte das Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt und beſtand die Reifeprüfung Oſtern 1870. Er widmete ſich auf der Landesuniverſität dem Studium der klaſſiſchen Philologie. Im

d0

u

*) Im Laufe des Schuljahrs 1895/96 fanden durch Krankheit der Lehrer und durch den plötzlichen Tod des Leiters der Anſtalt Störungen im Unterrichtsbetriebe ſtatt, die es wünſchenswert machten, die öffentlichen Prüfungen wegfallen zu laſſen, um die zur Verfügung ſtehende Schulzeit bis zum letzten Tage ausnützen zu können. Der dahingehende Antrag des Vorſtandes der Schule fand die Genehmigung der vorgeſetzten Behörde. Es wurde in Folge deſſen und wegen des noch kurz vor Schluß des Schuljahres erfolgten Wechſels in der Leitung der Anſtalt auch kein Jahresbericht für 1895/96 gedruckt. Die vorliegenden Mit⸗ teilungen erſtrecken ſich daher auf die Zeit von Oſtern 1895 bis dahin 1897.