Jahrgang 
1897
Einzelbild herunterladen

I. Gedenkblatt

zur

Erinnerung an Direktor Dr. F. W. Sommerlad.

Das Leben Direktor Sommerlads war ein Lehrerleben von früher Jugend an bis zum Tode, der ihn ja mitten aus dieſer Berufsthätigkeit herausriß. Als Sohn eines Lehrers in Reiskirchen bei Gießen ſchon frühzeitig für den Beruf des Vaters beſtimmt, dann auf dem Friedberger Seminar vor⸗ bereitet, wurde er zuerſt Hauslehrer in der Nähe von Lauterbach, dann Lehrer an der höheren Töchter⸗ ſchule zu Gießen; nachdem er hier noch Theologie ſtudiert hatte, wurde er Vorſteher einer Privatanſtalt für Knaben zu Friedberg. Seine ganze übrige Lebenszeit, vom September 1853 bis zu ſeinem Tode im Dezember 1895 war er in Offenbach thätig; zuerſt als Lehrer an der höheren Mädchenſchule (1853 bis Ende 1857); dann als Reallehrer und zugleich als Hilfsprediger; ſeit 1859 als Inſpektor der Stadtſchulen und zugleich als Dirigent und erſter Lehrer an der höheren Mädchenſchule, zu deren Direktor er Ende 1874 ernannt wurde. So hat er lange Zeit hindurch und auf mancherlei Weiſe Gelegenheit gehabt, Schule und Schulleben, Erziehung und Erzieher gründlich kennen zu lernen, und er hat die Schul⸗ thätigkeit ſtets als ſeinen eigentlichen, auch mit dem Herzen erfaßten Beruf angeſehen. Er hat aber, wie die Überſicht über ſeinen Lebensgang zeigt, nicht die ebenen Bahnen gefunden, die ſo manchen vergönnt ſind zur Erreichung ihrer Ziele, ſondern auf ſeinem Wege lagen von Anfang an faſt bis zuletzt mancherlei Schwierigkeiten. Hatte er zunächſt Mühe, ſich zum Studium faſt aus dem Erwerb eigener angeſtrengter Thätigkeit durchzuarbeiten, ſo befand er ſich ſpäter bei der vielfach ſchwankenden Lage der höheren Mädchen⸗ ſchule in wenig geſicherten Verhältniſſen. Die Aufrechterhaltung des jungen Baues durchzuführen war eine ſorgenvolle und mühſame Arbeit für den in ſeinem Dienſte als Inſpektor der ſtets wachſenden Volksſchulen unendlich ſtark beſchäftigten Dirigenten. Welche Nöte die Schule zu beſtehen hatte, iſt aus ſeinem Buche über die Geſchichte des Offenbacher Schulweſens zu erſehen; zwiſchen den Zeilen aber iſt auch für jeden, der derartige Verhältniſſe zu beurteilen vermag, deutlich zu leſen, was für Mühen und Sorgen, was für ein Fürchten und Hoffen in ſolchen Zeiten mit der Leitung der Anſtalt verbunden war. Eine endgültige Regelung dieſer Verhältniſſe erfolgte erſt im Jahre 1873; und aus dem Proviſorium des Dirigenten wurde erſt 1874 ein Ordinarium. Auch die Beſchaffenheit des Schullokals verurſachte im Laufe der Zeit Schwierigkeiten; 1884 durfte der Direktor der Stadtverwaltung ſeinen Dank für einen Neubau, 1886 für die dringend notwendige Turnhalle ausſprechen.

Neben allen dieſen Sorgen um die höhere Mädchenſchule hatte Dr. Sommerlad den ganzen aus⸗ gedehnten Betrieb der Volksſchulen zu überſchauen, wobei er ſich in ſeinem ſchaffenden Geiſte nicht damit zufrieden gab, das Beſtehende zu lenken, ſondern er hat auch Neues, nicht weil es neu, ſondern notwendig war, ins Leben gerufen. Iſt doch die Begründung der erſten Bürgerſchule(Mittelſchule), die Ausarbeitung der Lehrpläne, die Verteilung des Lehrſtoffes u. ſ. w. zum größten Teile ſein Werk geweſen.

Haben wir ſo auf die entſcheidenden Punkte in ſeiner Thätigkeit hingewieſen, ſo müſſen wir nun dem regelmäßigen Gange dieſes Lehrerlebens einige Worte widmen. Direktor Sommerlad hat ſich