Jahrgang 
1927
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8 W. Zur Geſchichte der Anſtalt.

Das Schuljahr begann am 19. April 1926 mit der Prüfung der neuangemeldeten Schüler und ſchließt am 2. April 1927.

1. Der Lehrkörper. Im Lehrkörper der Anſtalt traten während des Schuljahres keine Ver⸗ änderungen ein. Vorübergehende Erkrankung mehrerer Lehrer verurſachte manche Störung des Unter⸗ richts. Insbeſondere mußte der Direktor wegen längerer Urankheit vom 7. bis 15. Juni ſowie vom 21. Juni bis 2. Juli in ſeinem Unterricht von den Mitgliedern des Lehrkörpers vertreten werden. Aus dem gleichen Grunde war er vom 1. bis 25. Septeinber von der Erteilung ſeines Unterrichts befreit und wurde während dieſer Zeit von Herrn Studienaſſſeſſor Dr. Karl Obmann vertreten, während er die Direktions⸗ geſchäfte ſelbſt weiterführte. Herr Profeſſor Hotz war vom 17. Auguſt bis 3. September erkrankt, Herr Profeſſor Dr. Schlottmann vom 27. November bis 4. Dezember und wieder vom 11. Dezember bis 23. Januar. Die lehrplanmäßige Weiterführung des Unterrichts wurde in dieſem Falle dadurch ermöglicht, daß von Beginn des Winterhalbjahres ab herr Studienreferendar Dr. Kurt Herz, ein ehemaliger Schüler unſeres Gymnaſiums, zur Ableiſtung ſeines Probejahres der Anſtalt überwieſen worden war und die geſamte Vertretung des herrn Profeſſor Dr. Schlottmann übernehmen konnte.

2. Schüler. Aus dem Vorjahr blieben in der Anſtalt 165 Schüler, dazu traten 26 zu Oſtern neu ein. Die Schülerzahl betrug alſo am 15. Mai 191. Durch 11 Eintritte im Lauf des Jahres ſtieg die Geſamtzahl auf 202, von denen indeſſen 14 während des Jahres austraten, ſo daß die Schülerzahl am Ende des Jahres 188 beträgt.

Der Geſundheitszuſtand der Schüler war im allgemeinen günſtig; die im Januar und Februar in einzelnen Klaſſen in größerer Zahl auftretenden Grippe⸗Erkrankungen nahmen durchweg einen leich⸗ ten Verlauf. Schulärztliche Unterſuchungen wurden während des Schuljahres durch Herrn Stadtarzt Dr. Wimmenauer an 12 Tagen vorgenommen, wobei neben zahlreichen Einzelfällen die ſämtlichen Schüler der Sexta eingehend unterſucht wurden. Am 27. April hielt Herr Dr. Wimmenauer aus Anlaß der Reichsgeſundheitswoche den Schülern der Klaſſen la bis IIla einen Vortrag über die geſundheitlichen Schäden und Gefahren des Alkoholgenuſſes und des Rauchens für jugendliche Perſonen. Den von der Schulbehörde vorgeſchriebenen Aufklärungsvortrag für die Abiturienten des Gymnaſiums und der beiden Oberrealſchulen hielt am 24. Februar hHerr Obermedizinalrat Dr. Höniger. Wir ſprechen beiden

Herren für ihr jederzeit bewieſenes freundliches Entgegenkommen unſern aufrichtigen Dank aus. Auch im abgelaufenen Schuljahr waren wir beſtrebt, die Jugend zu opferbereiter Unterſtützung

gemeinnütziger Unterſuchungen anzuregen und das Gefühl der ſozialen Verpflichtung gegen die Allge⸗ meinheit in ihnen zu kräftigen. Die ſeit dem Winterhalbjahr 1925/26 im Gang befindliche Sammlung unſrer Schüler für die Zeppelin⸗Sckener⸗Spende wurde am 1. Juli abgeſchloſſen und ergab den Betrag von 28.50 Mark. Wohlfahrtsmarken wurden von unſern Schülern im Dezember für 51.60 Mark gekauft. Für die heſſiſche Künſtlerhilfe kauften ſie im Dezember 102 Loſe im Be⸗ Betrag von 51 Mark; für Errichtung eines Krüppelheims ſetzte ſie 300 Loſe ab, für die 300 Mark an die Geſchäftsſtelle eingezahlt werden konnten.

3. Der Unterricht wurde ſeit Oſtern 1926 nach den neuen Lehrplänen für die höheren Schulen im Volksſtaat Heſſen erteilt, die als Entwurf erſchienen ſind und zunächſt bis 1. Mai 1928 erprobt werden ſollen. Die neuen Pläne brachten hinſichtlich der Unterrichtsziele und Unterrichtsaufgaben manche Aenderungen, die ſich in Verſchiebungen in der Stundenzahl einzelner Fächer, in mancherlei Meuerungen in den Lehrſtoffen und Lehrmethoden ſowie vor allem auch in Einführung neuer, den verän⸗ derten Zielen entſprechender Schulbücher auswirkten. Von bedeutenderen Aenderungen gegenuͤber den früheren Lehrplänen ſeien folgende genannt: Der lateiniſche und der franzöſiſche Unterricht ſind verkürzt worden und haben das Ziel der Ueberſetzung in der Fremoſprache fallen laſſen. Dafür haben der deutſche, der geo⸗ graphiſche und der naturwiſſenſchaftliche Unterricht einige Mehrſtunden erhalten, während die Geſchichte in den Oberklaſſen eine Wochenſtunde an die Staatsbürgerkunde abgegeben hat. Ihre endgiltige