Jahrgang 
1905
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Nachdem nunmehr die Verhandlungen zu einem festen Ziele gelangt waren, konnte an die Aufstellung eines vorläufigen Bauplanes gegangen werden. Nach diesem betragen die Gesamtkosten Mk. 443 700., nämlich Mk. 334 000. für das Hauptgebäude, Mk. 40 000. für Direktor-Wohngebäude und Dienerwohnung, Mk. 47 700. für Turn- und Festhalle sowie Abortgebäude und Mk. 22 000. für Nebenanlagen. In den Staatsvoranschlag für 1905 wurden vorerst Mk. 4000. für Ausarbeitung eines speziellen Projektes und Voranschlages eingestellt und zunächst von der 2. Kammer der Stände angefordert. Ihr Berichterstatter, der Abgeordnete Molthan, äusserte sich über die Vorlage folgender- massen:Seit Jahren erweist sich die Erbauung eines neuen Gymnasiums zu Offenbach als dringend notwendig. Die bisherigen Schulräume in dem von der Stadt erworbenen Hause der früheren Tolle'schen Handelsschule in der Kaiserstrasse sind durchaus unzu reichend und nicht mehr zweckdienlich. Aus schultechnischen und hygienischen Gründen kann die Errichtung eines Neubaues nicht mehr länger hinausgeschoben werden. Be kanntlich steht die Baupflicht bei den Gymnasien dem Staate zu. In diesem Falle aber liegt nach Ansicht der Regierung eine frühere Vereinbarung mit der Stadt Offenbach vor, wonach sich letztere verpflichtete, einen späteren Neubau auf ihre Kosten zu er- richten. Trotzdem glaubte die Regierung auf der strikten Erfüllung dieser Pflicht in ihrem vollen Umfange aus verschiedenen Gründen nicht bestehen zu sollen; es sind seit der Zeit jener Vereinbarung völlig veränderte Verhältnisse eingetreten. Es kam zu einer Einigung zwischen der Regierung und der Stadt, wonach der Bau des Gymnasiums auf Staatskosten erfolgt, während die Stadt einen sehr geeigneten Bauplatz unentgeltlich zur Verfügung stellt, das Einsitzrecht des Staates in dem städtischen Gebäude durch Zahlung von Mk. 80 000., dem Werte des Tolle'schen Hauses, ablöst und ausserdem die Kanal- und Strassenbaukosten im Betrage von rund Mk. 7300. übernimmt. Diese Verein barung kann in Anbetracht der Verhältnisse nur als durchaus billig und für beide Teile befriedigend bezeichnet werden. Der Ausschuss erklärt sich mit dem Neubau des Gym nasiums unter den obigen Bedingungen einverstanden und ist der Ansicht, dass diese prinzipielle Zustimmung schon in der Bewilligung des angeforderten Betrages von Mk. 4000. für Ausarbeitung eines Projektes ihren Ausdruck findet. Die genaue Feststellung der Baukosten und deren Bewilligung wird im nächsten Staatsvoranschlag erfolgen. Der Ausschuss beantragt Bewilligung der angeforderten 4000 Mk. Diese Bewilligung sprach denn auch die 2. Kammer und nach ihr auch die 1. Kammer der Landstände aus, so dass, wenn nicht schon in diesem, jedenfalls im nächsten Jahre mit dem Baue begonnen werden kann.

8. Geschenke. Die Anstalt empfing folgende Geschenke: Von Grossh. Ministerium des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten,Bemerkenswerte Bäume im Gross- herzogtum Hessen in Wort und Bild, für die Schülerbibliothek 9 Exemplare der Schrift Ludwig IV., Grossherzog von Hessen und bei Rhein; von der Zentralstelle für die Landesstatistik deren Mitteilungen und Beiträge zur Statistik, Darmstadt 1904; von der hiesigen Loge Carl und Charlotte zur Treue 100 Mk. zur Verwendung für zwei erholungs- bedürftige Schüler; von der Kunstanstalt Friedrich Schoembs 2 Bände Kunstblätter, die in ganz vortrefflicher Weise die Entstehung eines Kunstblattes veranschaulichen; von Herrn Prof. Dr. E. Volckmar Bruchstücke römischer Gefässe u. s. w.; von ferrn Dr. W. Heraeus die von ihm besorgte 5. Aufl. des 1. Bandes der Ausgabe seines Vaters Dr. C. Heraeus von Tacitus' Historien; von Herrn Kitzinger aus Fechenheim 2 Bilder