Jahrgang 
1905
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10.

Dass unsere Schüler als eine Weihnachtsgabe für unsere in Südwestafrika kämpfen den Soldaten Mk. 180.32 unter sich sammelten, darf in diesem Abschnitte auch wohl erwähnt werden, denn die Pflege der Liebe zum Nächsten und zum Vaterlande ist ja schliesslich eine der vornehmsten Aufgaben des erziehenden Unterrichts.

3. Reifeprüfungen. Am 19. September unterzog sich der Oberprimaner Karl Fritsch, der Ostern krankheitshalber an der Prüfung nicht hatte teilnehmen können, unter dem Vorsitze des Unterzeichneten einer ausserordentlichen Reifeprüfung. Er bestand die Prüfung.

Die Oster-Reifeprüfung wurde am 14. März unter dem Vorsitze des Herrn Geh. Ober- schulrats Nodnagel abgehalten. Sämtliche Oberprimaner bestanden sie(s. IV b).

4. Schulfeiern. Das Sedanfest wurde durch Ansprachen in den einzelnen Klassen und nachfolgende Ausflüge gefeiert und ähnlich die Feier des Geburtsfestes Sr. Maj. des Kaisers begangen. Zu der Feier des Geburtstages Sr. Königl. Hoheit des Grossherzogs, die dieses Mal besonders festlich zu gestalten die kurz vorher bekannt gewordene Ver lobung Sr. Kgl. Hoheit und die Wiederkehr des 400. Geburtstages des berühmtesten Ahn- herrn unseres Herrscherhauses in gleicher Weise gebot, hatten wir die Angehörigen unserer Schüler und Freunde der Anstalt in den Konzertsaal des Turnvereins eingeladen. Die Festrede hielt Herr Professor Maul über Philipp den Grossmütigen. Der Sänger- chor brachte Schillers Lied von der Glocke, komponiert von Andr. Romberg und für Schulen eingerichtet von Kriegeskotten, eindrucksvoll zu Gehör. Die Solopartien sang Oberprimaner W. Kuhlmann mit einer äusserst sympathischen Stimme, während G. Storck aus Oberprima die Klavierbegleitung übernommen hatte. Die zahlreich erschienenen Festgäste spendeten den Darbietungen freundlichen und reichen Beifall.

Herrn Geh. Oberschulrat Grein, dem langjährigen um die Entwicklung des Schul- wesens in Offenbach hochverdienten früheren Direktor der Realschule I. u. II. Ordnung. sprach das Lehrerkollegium im Vereine mit dem der Oberrealschule zu seinem achtzigsten Geburtstage seine Glückwünsche schriftlich aus.

5. Gesundheitliches. Der Gesundheitszustand von Lehrern und Schülern war im allgemeinen nicht ungünstig.

Leider verlor die Anstalt, und zwar beide Mal durch einen jähen, unerwarteten Tod, zwei wohlbegabte Schüler, die zu den schönsten Hoffnungen berechtigten, den Unter- primaner Wilhelm Selzer von Offenbach und den Quintaner Richard Kitzinger von Fechen- heim. Während der erstere in der Nacht vom 9. auf den 10. November mitten in der Arbeit des Schuljahres aus dem Leben schied, starb letzterer im Beginn der Sommer- ferien am 3. Juli in der Sommerfrische in Rengsdorf bei Neuwied. Ihre Mitschüler und das Lehrerkollegium gaben ihren beiden Toten, denen die Anstalt ein treues Andenken bewahren wird, das letzte Geleite.

Nicht minder schmerzlich berührte uns die Trauernachricht von dem Tode unseres früheren treuen und gewissenhaften Schülers Ferdinand Nachbauer aus Kastel, der Ostern 1901 die Reifeprüfung an unserer Anstalt bestand. Er starb nach längerem mit Geduld und Ergebung getragenen Leiden am 15. Dezember in Davos im blühenden Alter von 23 Jahren.