Jahrgang 
1894
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ſehen können, und Herr Pfarrer Walther, der ſeit vielen Jahren nicht hat fehlen müſſen, war vom 20. November bis 4. Dezember an Influenza krank. Kürzere Erkrankungen, welche die Dauer von vier Tagen nicht überſtiegen, betrafen einmal den Direktor und die Herren Schmidt, Friederich, Stahl und Dr. Büchner Ferner erhielten Urlaub: Der Direktor für die letzte Septemberwoche zum Beſuch des evan⸗ geliſchen Schulkongreſſes in Dresden; Herr Prof. Proſch einen 2 Monate langen, die großen Ferien mitumfaſſenden Urlaub zu Sprachſtudien im Auslande und Herr Dr. Volckmar vom 6. bis 20. Juli zu einer Militärübung. Derſelbe erhielt im Militärverhältnis den Hauptmannsrang. Im Anfang des Februar erkrankte Herr Friederich und wird vorausſichtlich einen Urlaub zur Erholung antreten müſſen.

Die Zahl unſerer Schüler blieb ſich ziemlich gleich, doch kann man in der relativen Schwäche der diesmaligen Aufnahme in die unterſte Vorklaſſe(nicht 40!) ein Zeichen ökonomiſchen Drucks wohl nicht verkennen. Leider wurden uns meyhrere brave Schüler durch den Tod entriſſen: während der Herbſtferien ſtarb Hermann Schmidt(7. Kl.), am 5. Dezbr. Hermann Kalſchnee(Diphtheritis), und am 18. Novbr. Johannes Rudorf(Herzkrankheit). Am 21. Februar ſtarb nach ſchwerem Leiden der Pedell Herrmann, deſſen Treue, Fleiß und Anhänglichkeit an die Anſtalt in unſerem dankbaren Gedächtnis bleiben werden. Direktor, Lehrerkollegium und Schüler gaben ihm das Grabgeleite. Die bisherigen Veranſtaltungen zur Pflege der körperlichen Rüſtigkeit: Das Freiturnen(2 mal 2 Stunden wöchentlich unter der opferwilligen Leitung der Herren Roth und Hamann), die Benützung der Eisbahn im Winter, die monatlichen Klaſſenausflüge wurden fortgeſetzt. Der Fechtunterricht nabm im Sommer ſein Ende, da die Prima ausgebildet war. Fechtübungen wurden noch mehrmals unter Aufſicht des Direktors abge⸗ halten. Herr Kollege Roth hat einen über 30 Mann ſtarken Geigerchor ausgebildet, der unſere Schul feſte ſtets mit anerkennenswerten Leiſtungen verſchönert.

Von beſonderen Ausflügen ſeien erwähnt: am 13. Juni fand der Haupt⸗(Ganztags)⸗Ausflug aller Klaſſen in unſre an immer neuen Schönheiten unerſchöpfliche Umgebung ſtatt. Der Taunus, der vordere Odenwald und Speſſart waren die ferneren Ziele der oberen Klaſſen. Die Prima war bereits eine Woche zuvor zwei Tage mit dem Direktor im Hochtaunus geweſen, wo das neuentdeckte Caſtrum am Feldberg beſehen wurde. Am 27. Septbr. beſuchten die Klaſſen, meiſt nach einem Fußmarſche, dasPanorama Weißenburg in Frankfurt. Am 25. Oktbr. war die IIB unter Herrn Fäths Leitung im Pompejanum, während im Sommer die IIX mit Herrn Dr. Hergeus und Herrn Dr. Büchner die Altertümer in Mainz be⸗ trachtet hatten. Der Prima wurden die Skulpturen im Städelſchen Stift zu Frankfurt am 13. Dezbr. vom Direktor erläutert, im Anſchluſſe an den Unterricht nach Luckenbach(ſ. in Schulnachrichten: Prima, Deutſch). Am 13. Oktbr. fand unter Herrn Dr. Volckmar's Leitung eine Pilzexkurſion der IIIa und 3. Klaſſe ſtatt, am 19. Dezbr. eine zoologiſche der 1. Klaſſe mit demſelben Kollegen. Da das Schuljahr mit einer Aufführung von Wallenſteins Lager im Stadttheater durch unſere Primaner einen feierlichen Schluß erhalten ſoll, ſo wurden unter der Anleitng des Direktors ſchon vor Weihnachten gelegentlich die be betreffenden Scenen geübt, was den Primanern allerdings eine ziemliches Plus zur Schularbeit auf bürdete, aber auch viel Freude und Anregung gewährte. Zu den ſehr erheblichen Koſten hat die Stadt einen Zuſchuß von 50 Mark gewaͤhrt, wofür wir auch hier gebührend danken.

Hitzferien haben im Sommer an 7 Tagen eintreten müſſen, da das Thermometer um 10 Uhr, auf der Vorderſeite des Städtiſchen Wetterhäuschens, im Schatten über 20 R. wies.

4. Beſondere Ereigniſſe. Am 25. Novbr. feierte die Anſtalt den Allerhöchſten Geburtstag. Anweſend waren als geladene Gäſte auch zwei Mitglieder der Lokalkommiſſion, die Herren Oberbürger⸗ meiſter Brink und Commerzienrat Böhm. Zu den vaterländiſchen Geſängen und Deklamationen durfte diesmal, auf Wunſch des Lehrerkollegiums, ein Schüler, der Unterprimaner Erich Proſch, die Feſtrede halten. Er ſprach über dieErſtürmung von Schloß Chambord durch die Heſſen(1870), und hat ſeine Aufgabe wacker gelöſt. Aehnlich verlief die Feier von Kaiſers Geburtstag, wo Herr Kollege Friederich eine ſchöne Studie über die Vorgeſchichte der Wiener Bundesakte auf dem Wiener Congreß vortrug.

Unſere Schülerbibliothek entwickelt ſich weiter in erfreulicher Weiſe. Auch hier dürfen wir rühmend eines Jahresbeitrags der Stadt Offenbach im Belaufe von 100 Mk. Crwähnung thun. Aber auch Geſchenke an Büchern wurden dieſer und der Lehrerbibliothek wieder freigebig zugewendet. Beſonders hat uns Herr Geheimrat Ochler eine Bibliothek von ca. 50 Bänden, neue und ſchön gebundene Werke, zugewieſen, deren Perle eine Reihe von Jahrgängen der Zeitſchrift des Deutſchen und Oeſterreichiſchen Alpenvereins iſt. Herr Rönnecke jun., ein früherer Schüler, erfreute uns durch 12 Bände des Heſſiſchen Gewerbeblatts, und Herr Fabrikant Sievers ſchenkte uns abermals 4 Bände der Weſtermannſchen Monats⸗