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Herr Hamann wurde der Anſtalt durch einen achtwöchigen Militärurlaub vom 1. Juni bis 27. Juli fernegehalten. Sein Unterricht ward unter die Kollegen verteilt.
3. Der Geſundheitszuſtand der Lehrer und Schüler war, Gottlob, günſtig bis in die letzten Monate des Schuljahres. Aber ſeit Anfang Februar kamen unter den Kollegen häufig kürzere Er⸗ krankungen vor, und in den unteren Klaſſen lichteten ſich die Reihen oft bedenklich. Zuletzt fehlten aus den unterſten Klaſſen gegen 40 Maſerkranke, und vom 18. März an mußten deshalb auf höhere Verfügung die zwei unterſten Klaſſen geſchloſſen werden. Längere Zeit fehlten wegen Krankheit: vom 2.—11. Juli Profeſſor Langrock; vom 2.—18. November Dr. Büchner; Kaplan Wolf im Dezember und Reall. Provence während des Januars wegen anſteckender Krankheit in ſeiner Familie. Einen wackern Knaben, Jean Müller, Schüler der IIB, raffte nach Oſtern 1891 ein jäher Tod dahin, nachdem er im Jahre zuvor wie durch ein Wunder einer langwierigen immer neuangreifenden Krankheit wider⸗ ſtanden hatte. Die Schule trauert um ihn, wie um den muſterhaft braven Albert Münch von Ober⸗ rad, der nach mehrjähriger Krankheit, bald nach ſeinem Austritte aus der Anſtalt erlag.
Um körperliche Friſche und Rüſtigkeit zu erhalten, wurden die monatlichen Spaziergänge regelmäßig von allen Klaſſen ausgeführt, am 26. Juni ein ganztägiger Schulausflug unternommen, das Freiturnen in 4 Wochenſtunden unter Leitung der Collegen Roth und Hamann fartaeſetzt und das nur zu ſeltene ſchöne Eis im Winter von allen Schülern bis in die unterſte Vorklaſſe hinab, zum Schlittſchuhlaufen benutzt.
4. Beſondere Ereigniſſe. Am 27. Januar feierte die Anſtalt das Geburtsſeſt des deutſchen Kaiſers. Herr Dr. Büchner hielt eine viſſenſchaftlich gediegene und doch auch jüngeren Schülern verſtändliche Feſtrede über die Eroberungskriege Roms gegen die alten Germanen. Herr R.⸗G. L. Goetz hatte die Aula dazu aufs ſchönſte, beſonders mit einem von ihm gefertigten über⸗ lebensgroßen Vollbilde des Kaiſers geſchmückt, das mit edelſter Auffaſſung ſprechende AÄhnlichkeit vereinigte. Die Choere hatte Herr R.⸗G.⸗L. Roth eingeübt.
Am 11. November 1891 beſuchten die oberen und mittleren Klaſſen die Produktenausſtellung des deutſchen Kolonialvereins, wie auch Herr R.⸗G.⸗L. Storck im Sommer aus den Mitteln unſerer naturhiſtoriſchen und geographiſchen Sammlungen eine kaum minder belehrende zuſammengeſtellt hatte.
Während der fünfwöchigen Ferien wurde zum erſtenmal von den Herren Vogt, Reinig und Keſſler eine Ferienſchule in der Anſtalt für Schüler der unteren Klaſſen, ſoviel ſich erkennen läßt, mit gutem Erfolge abgehalten. Der Wunſch dazu war aus Elternkreiſen laut geworden.
Zweimal mußte, im Juli, der Hitze wegen der Nachmittagsunterricht ausfallen.
5. Für folgende Geſchenke verfehlen wir nicht, auch hier den Dank der Anſtalt auszuſprechen.
Herr Fabrikinſpektor Alberts ſchenkte uns in 8 Bänden Gervinus Geſchichte des 19. Jahr⸗ hunderts; Herr Fabrikant Fritze eine vollſtändige Bernſteinſammlung; Herr Fabrikant Jäger einen prachtvollen ausgeſtopften Habicht und Herr Kaufmann Rönnecke eine ſehr ſchöne Ringelnatter. Direktor Schädel Chavanne's Sahara; Herr Hofbuchhändler Seyd erfreute uns durch mehrere Werke ſeines Verlages, insbeſondere durch Sommerlad, Geſchichte des öffentl. Schulweſens in Offenbach. Der Schüler Everling(3. Kl.) brachte eine Sammlung geographiſcher Bilderausſchnitte. Für kleinere Zuwendungen danken wir hier nur im allgemeinen.
Zum Schluſſe bemerken wir, daß der Direktor immer ſehr gerne bereit iſt, Beſuche der Eltern auf ſeinem Amtszimmer zu empfangen; daß es ſich jedoch empfiehlt, der paſſenden Stunde vorher durch die Söhne nachfragen zu laſſen, da der Unterricht auch dadurch nicht geſtört werden darf. Für kürzere Beſprechungen eignen ſich die Pauſen, die immer 10 Minuten vor dem Stundenſchlag beginnen. Insbeſondere wegen zurückbleibender oder überlaſteter Schüler wolle man ſich zeitig an den Director wenden, damit im Sinne der Verfügung auf Abhilfe gedacht werden kann, welche vorſchreibt:(23. Febr. 1883)
„Bei der großen Zahl von Eltern, denen die ſittliche und geiſtige Bildung, das körperliche und geiſtige Wohl ihrer Kinder wahrhaft am Herzen liegt, und die darum zur Unterſtützung der Schule in ihren Beſtrebungen gerne bereit ſind, wird es leicht ſein, in fraglicher Hinſicht (etwaiger Ueberbürdung) durch Benehmen mit einzelnen Eltern, ſichere zuverläſſige Auskunft zu erhalten.“


