Jahrgang 
1891
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unſeres geliebten Großherzogs feſtlich zu begehen, ſo ergriffen wir gerne einen uns gebotenen Anlaß zu einem heſſiſch⸗vaterländiſchen Feſte. Herr Minus, ein hieſiger Großkaufmann, hatte der Anſtalt eine weit überlebensgroße Büſte des Großherzogs geſchenkt, die jetzt auf einem Poſtament den architektoniſch ohnehin ſchmuckvollen Eingangsraum der Anſtalt ziert. Dieſe Büſte wurde unter Geſang und Anſprache vor allen Schulangehörigen am 11. Auguſt enthüllt, wobei der Direktor den Schülern auf hiſtoriſchem Grunde die alten Chattentugenden: Tapferkeit(im weiteſten Sinne) und brüderliche Verſöhnlichkeit empfahl. Am 16. Juni begann der Anbau des neuen Flügels an die Anſtalt, der drei große Klaſſenzimmer bietet und Oſtern 1891 bezogen werden wird. Der Stadt⸗ verwaltung, der Lokalkommiſſion, ſowie insbeſondere Herrn Architekten Schröder ſagen wir für die Förderung der wichtigen Angelegenheit gebührenden Dank. DerHiſtoriſche Verein fürs Großh. Heſſen hielt ſeine jährliche Hauptverſammlung, für welche der unterz. Direktor die Feſtrede übernommen hatte, in unſrer Aula ab und vergalt die gern gewährte Gaſtfreundſchaft aufs beſte, indem er Schülern wie Eltern eine überaus lehrreiche Ausſtellung altgermaniſcher, namentlich fränkiſcher Altertümer zugänglich machte, die Herr Prof. Dr. Adamy im Feſtraum gruppiert hatte.

5. Für folgende Geſchenke verfehlen wir nicht den Dank der Anſtalt a uch hier auszuſprechen.

Eine Gabe von ganz beſonderem Werte verdanken wir Herrn Fabrikanten Sievers: Sybels großes Werk über die Wiedererichtung des deutſchen Kaiſerreichs. Herr Geh. Commerzienrat Oehler übergab uns für unbemittelte Schüler eine Anzahl gebrauchter Schulbücher. Herr Carl André ſchenkte uns 70 Stimmen ſeiner LiederſammlungHurrah Germania! Herr Reallehrer Tönges ſchenkte der Sammlung: einen Kernbeißer, eine Waſſeramſel und 2 Waldmäuſe; ferner einen Taſchenkrebs und eine Ringelnatter. Herr Engel ſtellte eine Anzahl verdorbener mikroſkopiſcher Präparate wieder her und ſchenkte 20 neue. Herr Obergärtner Blöthner ſchenkte ein Hermelin. Herr Hans Jäger ein ſehr ſchönes ausgeſtopftes Käuzchen. Der Schüler Gerhardt(3. Kl.) vergoldete die Spitzen einiger Schulfahnen. Ferner haben wir Zuwendungen für die Sammlungen erhalten von den Schülern: Vogel, Bickhard, Minus, Haindl, Cranz, Deibel, Renk, Blöthner(Otto und Ludwig), Jäger, Löwenſtein Schneider. Kochendörffer, Buchmann, Heß, Gebr. Dogny und Enders. Die freundliche Geſinnung, welche dieſen Zuwendungen zugrundeliegt, auch wenn ſie eine weſentliche Förderung unſrer ſo reichen Sammlungen nicht bedeuten, erfüllt uns mit dankbarer Freude und verbürgt der Schule die Sym⸗ pathien der Vaterſtadt.

Zum Schluſſe bemerken wir, daß der Direktor immer ſehr gerne bereit iſt, Beſuche der Eltern auf ſeinem Amtszimmer zu empfangen; daß es ſich jedoch empfiehlt, der paſſenden Stunde vorher durch die Söhne nachfragen zu laſſen, da der Unterricht auch dadurch nicht geſtört werden darf. Für kürzere Beſprechungen eignen ſich die Pauſen, die immer 10 Minuten vor dem Stundenſchlag beginnen. Insbeſondere wegen zurückbleibender oder überlaſteter Schüler wolle man ſich zeitig an den Direktor wenden, damit im Sinne der Verfügung auf Abhilfe gedacht werden kann, welche vorſchreibt:(23. Febr. 1883)

Bei der großen Zahl von Eltern, denen die ſittliche und geiſtige Bildung, das körper⸗ liche und geiſtige Wohl ihrer Kinder wahrhaft am Herzen liegt, und die darum zur Unter⸗ ſtützung der Schule in ihren Beſtrebungen gerne bereit ſind, wird es leicht ſein, in fraglicher Hinſicht(etwaiger Ueberbürdung) durch Benehmen mit einzelnen Eltern, ſichere zuverläſſige Auskunft zu erhalten.