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Herrn Friederich während der eben genannten Zeit faſt vollſtändig verſah. Nachdem wir Herrn Acceſſiſten Koob ſchon Oſtern 1890 nach Alzey ſcheiden ſahen, wurde auch der eben eingetretene Acceſſiſt Herr Dr. Kraus ſogleich(Mai 1890) in Gießen verwendet.*)
3. Der Geſundheitszuſtand der Lehrer und Schüler war, abgeſehen von dem betrübenden Todesfalle eines braven Erſtkläſſers Haneſſe und zweier Vorſchüler Metzger und Lange, bis in die letzten Wochen vorzüglich, ſodaß nur an einzelnen Tagen Vertretungen der Lehrer nöthig waren und wenige Schüler in ihrer Fortarbeit durch längere Krankheit gehemmt waren. Im Monat Februar d. J. häuften ſich die katarrhaliſchen Erſcheinungen bei Schülern der 3. Vorklaſſe in einer Weiſe, daß ein großer Teil derſelben längere Zeit dem Unterrichte fern bleiben mußte. Am 9. Februar erkrankte Herr Profeſſor Langrock und mußte bis zum 21., Herr Schmidt vom 17. Februar bis 2. März den Unterricht ausſetzen. Die Anſtealt verſuchte auch in dieſem Jahre dem körperlichen Gedeihen der Schüler die mögliche Pflege zu geben. Beſonders die Herren Roth, Hamann und Hölſcher nahmen ſich des Freiturnens(4 Stunden wöchentlich) an, und die ſchöne Bereitwilligkeit, mit welcher Herr Carl André uns den Platz des Radfahrervereins für unſere Turnſpiele zur Verfügung ſtellte, verdient eine beſonders dankende Erwähnung. Bei nicht ganz ſicherem Wetter iſt freilich unſer ſchöner weiter Schulhof bequemer, auch ſeines feſteren Bodens halber vorzuziehen.— Am 6. Februar fand unter Leitung der Herren Dr. Volckmar und Roth eine geologiſche Exkurſion nach Dietzenbach und Dreieichenhain ſtatt, woran ſich die Schüler der Prima, Oberſecunda und erſten Klaſſe beteiligten.
Wie in den letzten beiden Jahren wurden unter Leitung des vom Direktor darum angegangenen Herrn Profeſſor Langrock und des Herrn Stabsarztes Dr. Wolf die Schüler der oberen Klaſſen wieder für den Sanitätsdienſt geübt. Beiden Herren gebührt dafür der beſte Dank der Anſialt. Augenblicklich würden im Mobilmachungsfalle 40 Schüler, davon die Hälfte fürs Feld, ſowie 12 Lehrer,— faſt alle nicht militärpflichtige— für den lokalen Dienſt zur Verfügung ſtehen. Gewiß auch ein Zeichen, daß Kollegium und Schule ihrer vaterländiſchen Pflicht ſich bewußt ſind. Für das Schlittſchuhlaufen wurden mehrere Nachmittage ganz freigegeben, zahlreiche Schlußſtunden, beſonders Singen, Zeichnen u. a. dafür verwendet. Die ſchöne, lange Kälte dieſes Winters wurde nach dieſer Seite reichlich ausgenützt. Monatlich fand ein Klaſſenſpaziergangaller, auch der Vorklaſſen,ſtatt, am 10. Juni der ganztägige Ausflug der geſamten Schule. Am 22. September wurde mit den Eltern der Schüler vereint von der ganzen Anſtalt ein Waldfeſt mit ſolennem Ausmarſche gefeiert, wobei am Zielpunkte Herr R⸗G⸗L. Dreher eine erhebende vaterländiſche Anſprache hielt und einige Primaner Körners„Deutſche Treue“— ganz ſelbſtändig, ohne Einübung durch Lehrer— unter ſchwierigen Verhältniſſen tapfer und tüchtig ſpielten.
Der Hitze wegen mußte an zwei Nachmittagen der Unterricht ausfallen.
Da bei der großen Kälte die Luftheizung trotz aller Anſtrengungen nicht überall genügte, wurde in VI ein neuer Gasofen aufgeſtellt, für die Turnhalle ein amerikan. Füll⸗ oder Gasofen vorgeſehen.
4. Beſondere Ereigniſſe. Am 27. Januar feierte die Anſtalt das Geburtsfeſt Sr. Maj. des Kaiſers. Die Lehrer und Schüler warm bewegende Anſprache hielt Herr Dr. Keutzer. Am 25. Oktober begingen wir das Ehrenfeſt zum 90⸗jähr. Geburtstag des Generalſeldmarſchalls Grafen Moltke, wobei Herr R.⸗G.⸗L. Maul ein vorzügliches Lebensbild des Gefeierten zeichnete. Da unſere Schule nach Lage der Ferien nie Gelegenheit hat, das Geburtsfeſt Sr. Kgl. Hoheit
*) Anmerkung. Am Schluß des Semeſters wurde Herr Storck zum Turnkurſus nach Darmſtadt beurlaubt.


