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Auch in dieſem Schuljahr traten wieder einige Aenderungen im Lehrerperſonal ein. Durch Aller⸗ höchſtes Dekret vom 31. Mai wurde Herr Reallehrer Dr. Derſch zum Direktor der Realſchule in Groß⸗ Umſtadt ernannt und verließ derſelbe infolge deſſen unſere Anſtalt Ende Juni. Möge es Herrn Dr. Derſch in ſeiner neuen Stellung gelingen, ſich in gleicher Weiſe die Achtung und Anerkennung ſeiner Kollegen und Mitbürger zu erwerben, wie er ſie hier in reichem Maße beſeſſen hat. Als ſein Nachfolger trat am 1. Juli der ſeitherige Lehrer an der Realſchule zu Groß⸗Umſtadt, Herr Reallehrer Wilhelm Storck aus Schönberg an der Bergſtraße, in unſer Lehrerkollegium ein. Am 1. Auguſt ſtarb nach kurzem Kranken⸗ lager der Lehrer für den israelitiſchen Religionsunterricht, Herr Matthias Heyum. Das geſamte Lehrer⸗ kollegium, ſowie die israelitiſchen Schüler gaben ihm am 3. Auguſt das Geleite zur letzten Ruheſtätte.
Laut Verfügung Großh. Miniſteriums vom 22. Nov. wurde er erſetzt durch den Schulverwalter Herrn Emil Gabriel, der am 1. December in den Dienſt eingewieſen wurde. Gymnaſial-⸗ und Real⸗ ſchullehramtsacceſſiſt Herr Karl Müller beendigte ſeinen den 1. November 1883 angetretenen Acceß zufolge einer Verfügung Großh. Miniſteriums vom 26. September 1884, bereits am 1. Oktober, um die Ver⸗ waltung einer Lehrerſtelle an der Realſchule zu Alsfeld zu übernehmen. 1—
Außer durch Lehrerwechſel wurde im Laufe des Schuljahres der Unterricht weſentlich geſtört durch die Erkrankung des Herrn Reallehrer Schmidt(16. Mai), ſowie durch die gleichzeitige Einberufung (18. Mai) des Herrn Friederich zu achtwöchigem und der Herren Reallehrer Dr. Volckmar und Dr. Metz (9. Juni) zu 14tägigem Militärdienſt.
Herr Friederich wurde in den letzten fünf Wochen, alſo für die Zeit vom 9. Juni bis 12. Juli, teilweiſe vertreten durch den Gymnaſial- und Realſchullehramtsacceſſiſten, Herrn Dr. Hans Heim, z. Zt. in Frankfurt a. M.; für Herrn Schmidt, dem zu ſeiner vollſtändigen Geneſung und Erholung ein Urlaub bis zum Ende des Sommerhalbjahres bewilligt worden war, trat am 10. Juli Herr Gymnaſial⸗ und Realſchullehramtsacceſſiſt Georg Hedderich ein, der denn auch die Stelle bis zum 16. Auguſt verwaltete.
Auch durch häufigere, wenn auch unbedeutendere Erkrankungen der übrigen Lehrer, beſonders des Herrn Reallehrer Volger ergaben ſich mehrfache Störungen des Unterrichts.
Die üblichen monatlichen Klaſſenſpaziergänge wurden während der günſtigen Jahreszeit regel⸗ mäßig ausgeführt. Im Januar trat an Stelle des Spaziergangs der Beſuch der Eisbahn.
Die im zoologiſchen Garten zu Frankfurt ausgeſtellte Hagenbeck'ſche Singhaleſentruppe wurde
am 13. Juni durch ſämtliche Schüler der Anſtalt beſucht. Am 1. Juli unternahmen größere Ausflüge: Die Prima, die Ober⸗ und Unterſekunda der Real⸗ ſchule I. Ordnung und die 1. und 2. Klaſſe der Realſchule II. Ordnung unter Führung der Herren Walther, Langrock, Proſch, Maul, Dr. Metz, Volger und Schön nach dem Niederwalddenkmal, und die Obertertia und 3. Klaſſe unter Führung der Herren Dr. Volckmar und Hedderich nach dem Feldberg.
Außerdem machte Herr Dr. Volckmar eine größere Excurſion mit den Oberklaſſen.
Leider durch die Witterung nicht ſehr begünſtigt, fand am 25. Juli das bereits oben erwähnter Jugendfeſt auf dem Bieberer Berge ſtatt. Da die Beteiliguug der Schüler bei den Jubiläumsfeierlichkeiten nur eine beſchränkte geweſen,*) ein beſonderes Schülerfeſt im Freien bei der noch ungünſtigen Jahreszeit auch nicht hatte veranſtaltet werden können, ſo wurde laut Beſchluß des Feſtausſchuſſes das eigentliche Schülerfeſt auf den Sommer verſchoben und ein Teil der geſammelten Gelder für Abhaltung deſſelben aufgehoben.
Trotz einiger am Nachmittage eingetretener Gewitterregen verlief das Feſt in fröhlichſter Weiſe.
Am Vormittage erhielten ſämtliche Schüler zum Andenken an das Feſt wohlgelungene Photo⸗ graphieen des Schulhauſes. Nachmittags 2 Uhr bewegte ſich ein mit Fahnen geſchmückter, ſtattlicher Feſtzug der Schüler nebſt ihren Eltern und Angehörigen, ſowie einer größeren Zahl ehemaliger Schüler, nach dem Takte der Feuerwehrmuſik auf den Bieberer Berg. In einem von Schranken umgebenen Platze marſchierte die Schuljugend auf und gruppirte ſich um eine in der Mitte befindliche Tribüne, von welcher zunächſt Herr Langrock eine begeiſterte Anſprache hielt, die mit einem Hoch auf die Spender der zur Abhaltung des Feſtes geſammelten Geldmittel und den Feſtausſchuß ſchloß, in welches die Jugend jubelnd einſtimmte. Hierauf begaben ſich die einzelnen Klaſſen nach den für ſie beſtimmten Turn⸗ und Spielplätzen und be⸗ gannen ihre Wettkämpfe um die von dem Feſtausſchuß ausgeſetzten, zum Teil recht wertvollen Preiſe mit einem Eifer, wie er bei den ſonſtigen Schularbeiten wohl kaum zu finden iſt. Nachdem in den Pauſen
*) Die theatraliſchen Vorſtellungen waren für ſämtliche Schüler am 2. April beſonders aufgeführt worden, außerdem hatten die Schüler der Mittel⸗ und Oberklaſſen an dem Feſtaktus teilgenommen.


