Jahrgang 
1866
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Verminderung derſelben, während man ſich doch nicht ſcheut, zu den, ſelbſt nach dem Urtheil der Lehrer, vielen Schulſtunden noch eine Anzahl von Privatſtunden hin⸗ zuzufügen, die nur in den ſeltenſten Fällen die Schule unterſtützen, ihr vielmehr häufig genug nur neue Hinderniſſe bereiten, und unter denen zuletzt auch ein kräf⸗ tiger Körper, ein elaſtiſcher Geiſt erliegen oder wenigſtens in ſeiner Entwicklung Noth leiden muß. Zudem iſt die Ueberbürdung mit häuslichen Arbeiten häufig nur eine ſcheinbare und trifft meiſt nur den, dem in der Schule die gehörige Auf⸗ merkſamkeit abging, mit der er den Erklärungen des Lehrers folgen ſollte und dem nun ohne jene Hülfe natürlich Alles doppelt ſchwer fallen muß. Man klagt aber auch, daß die Schule zu Vielerlei neben einander treibe und fügt für ſich noch Mehreres hinzu; man will freie Zeit, für die Ausbildung des Körpers und verkümmert die wenige, die außer der Schule übrig bleibt, noch durch eigne Anordnungen; man ſucht nach Mitteln umher, um das Unerreichbare möglich zu machen, oder fordert gerade zu von der Schule, daß ſie ſich einrichte wie es die Strömung des Tages von ihr wünſcht.

Gibt es denn aber keinen Weg um dieſe Anſprüche zu befriedigen? Iſt es der Schule nicht möglich, da doch auch einſichtige Schulmänner eingeſtehen, daß die Zahl der Unterrichtsſtunden zu groß, die freie Zeit für den Schüler zu gering zugemeſſen ſei, hier ein richtiges Gleichgewicht herzuſtellen? Gewiß, v. A., es gibt einen ſolchen Weg, wenn man ihn nur einſchlagen möchte und er iſt ſogar ſehr einfach: Laſſe man den Schüler nur zwei Jahre länger die Schule beſuchen, anſtatt daß man jetzt die Zeit der Konfirmation kaum erwarten kann, um ihn in irgend einem Geſchäfte unterzubringen. Wäre es aber vielleicht nicht empfehlens⸗ werth, die Zahl der Unterrichtsgegenſtänden zu beſchränken, diejenigen auszuſcheiden, von denen der Schüler doch ſpäter im Geſchäfte keinen Gebrauch machen kann, oder Diſpenſationen für diejenigen Schüler eintreten zu laſſen, welche nicht an Allem theilnehmen wollen? Gewiß, das ginge wohl, wenn die Schule ſich dazu hergeben wollte zur Dreſſuranſtalt herabzuſteigen; will ſie aber ihrem hohen Berufe treu bleiben, dann muß ſie den ganzen Menſchen bilden, die Ausbildung des Geſchäfts⸗ manns aber beſonderen Fachſchulen überlaſſen, ſie muß alle Kräfte der Seele in harmoniſcher Ausbildung entwickeln, wozu gerade die Theilnahme an allen Unter⸗ richtsgegenſtänden führen ſoll; ſie muß ihre Schüler in den Stand ſetzen, daß ſie zwar auch tüchtige Geſchäftsleute werden können, daß aber das Geſchäft nicht ihr Eins und Alles, nicht vollſtändig Herr über ſie werde, daß ſie auch in den Mühen des Beruſes nie vergeſſen, der Menſch ſei nicht blos des Broderwerbs wegen da, ſondern er habe auch noch höhere Pflichten, und es gebe auch noch höhere Freuden und Genüſſe.

Daß er dieſer Pflichten ſich bewußt werde, daß er für höhere Genüſſe die Empfänglichkeit ſich ſchaffe und erhalte, dazu muß im Knaben ſchon der Grund⸗ ſtein gelegt werden, aber erſt der reifende Jüngling wird mit ganzem Herzen für alles Große und Schöne ſich entzünden. Wer es ihm wehrt, dieſe Saat von treuer Lehrer Hand in ſein Herz ſtreuen zu laſſen, beraubt ihn um eines leicht verfliegen⸗ den äußeren Vortheils willen des herrlichſten Kleinods, das er ſein ganzes Leben lang im Buſen tragen, hüten und bewahren ſoll.

Möge dieß doch auch in unſerer Stadt richtig erkannt und treu befolgt werden!