Jahrgang 
1866
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7. Als Veigabe. Rede, gehalten bei dem Redeaßt 1865

von dem

Direktor.

Verehrte Anweſende!

Es liegt in den Verhältniſſen einer größeren Stadt, daß ſich nicht oft dem Lehrer die Gelegenheit bietet, perſönlich den Eltern ſeiner Schüler nahe zu treten und ſich vor ihnen über allgemeine leitende Grundſätze auszuſprechen, wie über das, was dem Einzelnen noth thue, was ſeine beſonderen Anlagen erfordern, was ſeinem Weſen entſpreche, mit ihnen ſich zu verſtändigen, und in den meiſten Fällen iſt es der Lehrer, von dem die erſten Schritte gethan werden müſſen, um dieſe Be⸗ ſprechung und Verſtändigung möglich zu machen. Wir Lehrer können dieſe Ver⸗ hältniſſe im Intereſſe unſerer Schüler und unſerer Schule nur beklagen: ſie zu ändern ſteht leider nicht in unſerer Macht.

Einmal im Jahre aber will es eine löbliche Sitte unſerer Stadt, daß Eltern und Schulfreunde in größerer Zahl in den Bereich der Schule hineintreten, um durch eigne Wahrnehmung ſich über die Leiſtungen, die ſie bietet, wie über den Geiſt, der in ihr waltet, zu unterrichten. Es geſchieht dieß bei den öffentlichen Schulfeierlichkeiten, der Prüfung und dem Redeakt, mit welchen jedes Schuljahr geſchloſſen wird, und mit Freuden begrüßt auch der Lehrer dieſe Stunden, da ſie ihm die erwünſchte Gelegenheit geben, ſeine Thätigkeit und deren Erfolge öffentlich vorzuführen, über Grundſätze, wie über Wünſche und Anordnungen der Schule ein⸗ gehender und ausführlicher ſich auszuſprechen, als dieß bei ſonſtigen Veranlaſſungen und dem Einzelnen gegenüber möglich iſt. Daß aber ſolche Beſprechungen auch nicht ganz ohne Intereſſe für weitere Kreiſe ſein möchten, darf ich wohl mit um ſo größerem Rechte hoffen, als ja die erfreuliche Thatſache nicht abzuleugnen iſt, ſondern ſich auch in unſerer Stadt bewahrheitet, daß Fragen der Erziehung und des Unterrichts gerade in der neueren Zeit auch über den Kreis der zunächſt Be⸗ theiligten, der Lehrer, hinaus unter allen Ständen Anklang und Erörternng finden. Es kann ſich zwar nicht fehlen, weil es in der Natur der Sache liegt, daß man dabei auch auf manches unüberlegte, unverſtändige und ſelbſt liebloſe Urtheil ſtößt; aber im Allgemeinen kann doch eine ſolche regere Theilnahme für die Schule und das, was ſie will und ſoll, nur zu ihrem Vortheile ausſchlagen, da ſie gerade durch die öffentliche Beſprechung der in ihr Gebiet einſchlagenden Fragen darauf hinge⸗ wieſen wird, das, was von ihr geſchieht, ernſt prüfenden Blickes zu muſtern, be⸗ rechtigten Wünſchen, die laut geworden ſind, entgegen zu kommen, die Aufgaben, die ſie ſich ſtellt, mit den Anforderungen der Zeit und den Bedürfniſſen der beſon⸗ deren Oertlichkeit in Einklang zu bringen, überhaupt auch ihrerſeits dafür ſorgen zu helfen und darauf bedacht zu ſein, daß die Beziehungen zwiſchen Schule und der Verkehr zwiſchen Schule und Haus immer feſter und inniger ſich ge⸗ ſtalten.

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