Jahrgang 
1917
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lI. Bericht über das Schuljahr 1916/17.

1. Schulanfang. Das Schuljahr begann Dienstag, den 2. Mai 1916, früh 8 Uhr. Der Vormittagsunterricht begann um 8 Uhr, der Nachmittagsunterricht um 2 Uhr 40 Minuten.

2. Prüfungen. Am 24., 25., 26. und 28. Februar wurde die schriftliche und am 22., 23., 24., 28., 29. und 30. März die mündliche Osterprüfung unter dem Vorsitze des Herrn Geh. Oberschulrates Block abgehalten. 57 Schüler wurden für bestanden erklärt und erhielten das Zeugnis über die wissenschaftliche Befähigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst.

Die mündliche Herbstprüfung fand am 19. Dezember 1916 statt, nachdem die Sschriftliche vom 6. bis 9. Dezember vorausgegangen war. 90 Zöglinge erhielten das Zeugnis der Reife. Ein Schüler hatte sich schon vorher vor einer Prüfungskommission in Frankfurt den Berechtigungsschein er- worben.

In zwei Kriegsabschlußprüfungen im Sepitember und November bestanden 9 Schüler.

3. Besichtigung der Schule. Am 12. September beehrte Herr Geheimer Oberschulrat Block die Anstalt mit seinem Besuche und wohnte dem Unterrichte in einigen Klassen bei.

4. Krieg und Schule. Aus dem Lehrkörper wurde noch Herr Lehramtsassessor Dr. Wilhelm Grosch zum Heere einberufen. Seit August ist Herr Reallehrer Karl Schmidt an der Ostfront vermißt. Leider ist bis heute keine Nachricht von ihm eingelaufen. Trotzdem geben wir die Hoffnung noch nicht auf, daß er lebt und sich vielleicht in russischer(efangenschaft befindet. Herr Reallehrer Leut- nant Valentin Röder erhielt das Eiserne Kreuz 1. Klasse, nachdem er schon früher mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse und der Hessischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet worden war.

Auch im verflossenen Jahre starb mancher unserer früheren Schüler den Heldentod fürs Vaterland. Die Gedenktafel der Gefallenen und die Ehrentafel der mit dem Eisernen Kreuz und anderen Auszeichnungen Geschmückten bleibt einem späteren Jahresbericht vorbehalten. Im Laufe dieses Jahres traten 12 Schüler unserer Anstalt in den Heeresdienst ein. Wir hegen die feste Hoff- nung, daß auch sie wie die früheren Kriegsfreiwilligen ihren Mann voll und ganz stellen werden. Auf ihrem ernsten Wege begleiten sie unsere herzlichen Wünsche.

5. Sammlungen. Die Goldsammlung wurde auch in diesem Schuliahre fortgesetzt und er- brachte 57900 Mk. Viel Anklang fanden bei den Schülern die vom hiesigen Ortsverein für Goldum- tausch zur Verfügung gestellten Gedenkblätter. Diese Urkunden werden die Inhaber stets daran er- innern, daß auch sie in dem großen Kriege für das Wohl des Vaterlandes gewirkt haben. Auch die Beteiligung an den Kriegsanleihen war fast allgemein. Die Zeichnungen auf die 4. Kriegsanleihe be- liefen sich auf 27 500 Mk., auf die 5. auf 8216 Mk. Für die Einzelbeträge wurden Sparkarten ausge- geben, gegen deren Rückgabe von der städtischen Sparkasse 2 Jahre nach Friedensschluß das einge- legte Geld nebst 5% Zinsen zurückgezahlt wird. Ebenso beteiligten sich unsere Schüler an der Sammlung von Gold- und Silbergegenständen zu Qunsten der Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen. Die Gegenstände wurden der hiesigen Geschäftsstelle, Sekretariat der Tech- nischen Lehranstalten, zugeführt, von wo sie an die Hauptsammelstelle, das Landesmuseum in Darmstadt, abgeliefert wurden. Die Spender erhalten das Anrecht zur Bestellung eiserner Erinne- rungsringe. Die Ausgabe der Ringe, die durch die Firma Krupp in einem nicht rostenden Eisen her- gestellt werden, erfolgt nach dem Kriege gegen Vorzeigen der Empfangsbestätigung und eine Gebühr von je 0,50 Mk. Sehr zahlreich waren unsere Schüler beim Einsammeln der Spenden für die Groß- herzog Ernst-Ludwig-Stiftung tätig. Eine unter den Pensionären veranstaltete Sammlung ergab die stattliche Summe von 200 Mk.