Jahrgang 
1912
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der Volksschule zu Einbeck; beide wurden vom Königlichen Provinzial-Schulkollegium bestätigt und traten mit Beginn des Wintersemesters ihren Dienst an. An diesem Termin trat auch Lehrer Kaltenhäuser aus dem Kollegium aus; den katholischen Religionsunterricht in Sexta und Quinta übernahm Kaplan Wüst.

Der Unterricht erlitt mancherlei Störungen. Kandidat Hiartung und die Oberlehrer Schreiner und Wicke mußten wegen Krankheit den Unterricht längere Zeit aussetzen und vertreten werden; ebenso der Leiter wegen Teilnahme an der Direktorenversammlung in Kassel. Sodann war im Februar Oberlehrer Schreiner zu einer militärischen Uebung einberufen; er wurde von dem Probe- kandidaten an der Adlerflychtschule in Frankfurt Dr. Keyl vertreten. Wegen zu großer Hiitze mußte der Unterricht im August mehrfach von 9, 10 oder 11 Uhr an auskfallen; im Januar gab es zweimal eisfrei.

Wegen der mannigfachen Störungen des regelmässigen Unterrichts ist ein grösserer Klassenausflug in diesem Jahre nicht unternommen worden..

Der Gesundheitszustand der Schüler war bis auf einige Scharlachfälle, die eine längere Schul- versäumnis einzelner verursachten, befriedigend.

Am 3. Januar geleiteten Lehrer und Schüler der Realschule den braven Sextaner Hermann Sauer zu Grabe, der einer entsetzlichen Tat seines eigenen Vaters zum Opfer gefallen und nach drei Wochen schweren Leidens von seinen Qualen und lebenslänglichem Siechtum durch den Tod erlöst worden war.

Am 21. August nahm Herr Geh. Regierungs- und Provinzial-Schulrat Dr. Kaiser eine Revision der Realschule vor. Er wohnte dem Unterricht in allen Klassen bei und hielt dann in einer Konferenz eine eingehende Besprechung der Stunden.

Der Vaterländischen Gedenktage wurde in den einzelnen Klassen gedacht, ebenso des 100-jährigen Geburtstages der Kaiserin Augusta. Am Sedantage fand eine innere Schulfeier statt, bei der Oberlehrer Schreiner die Ansprache hielt. Am Nachmittag des letzten Schultages vor Weihnachten wurde eine Weihnachtsfeier der Schule in der Turnhalle abgehalten, bei der wir eine recht ansehnliche Zahl von Besuchern begrüßen durften. Kaisers Geburtstag wurde wiederum zusammen mit der höheren Mädchenschule und der Volksschule ge- feiert. Direktor Koulen von der höheren Mädchenschule hielt die Festrede, in der er die Vater- landsliebe in ihren verschiedenen Aeußerungen behandelte. Vor der Feier überreichte der Unter- zeichnete die Gedenkschrift über Friedrich den Großen an folgende Schüler: Christian Hieronymi, Renno, Heß IV, Sachs, Weber, Feinberg V, Platte, Homm, Brill, Mergheim VI. Die Prämie S. M. des Kaisers,»Marine-Album« erhielt der Untertertianer Karl Koulen.

Nach Beschluß der Stadtverordnetenversammlung wurde zur Gewinnung eines geeigneten Projekts eines Schulhauses für die zukünftige Oberrealschule ein engerer Wettbewerb unter fünf Architekten eröffnet. Preisrichter waren Oberbaurat Hofmann aus Darmstadt, die Bauräte von Hoven und Neher und Stadtbaurat Schaumann aus Frankfurt. Das Preisgericht sprach dem Archi- tekten Franz Thyriot aus Frankfurt für seinen Entwurf»Ost-Süd-Ost« den 1. Preis zu. Dem Architekten Thyriot wurde auch die Ausführung des Baues übertragen, nachdem die etwas abge- änderten Pläne die Genehmigung des Königl. Provinzial-Schulkollegiums erhalten hatten. Mit dem Bau wurde am 2. Oktober begonnen. Am 18. Oktober wurde in einfacher, aber feierlicher Weise der Grundstein gelegt. Magistrat, Stadtverordnete, Eltern der Schüler und Freunde der Anstalt aus der Bürgerschaft fanden sich in ansehnlicher Zahl auf dem festlich geschmückten Bauplatze ein. Die Realschüler kamen mit den Herrn des Lehrerkollegiums, die Stadtfahne voran, in geschlossenem Zuge anmarschiert. Nach dem Gesang einer Hymne trug der oberste Schüler der Quarta, Christian Hieronymi, folgendes von dem früheren Leiter der Realschule Direktor Koulen verfaßte Gedicht vor: