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3. Uebersicht über den während des abgelaufenen Schuljahres durchgenommenen Lehrstoff.
A. Gymnasium I. E.
Oberprima.
Ordinarius: Direktor Professor Schlaadt.
1. Religionslehre: 2 St.
a) Katholische: Sittenlehre, Wiederholungen aus der Glaubenslehre und der Kirchen- geschichte. Lesen und Erklärung ausge- wählter Abschnitte des Neuen Testamentes, namentlich der Gleichnisreden Jesu.
Michels.
b) Evangelische: Das Evangelium Johannis. Römerbrief. Brief des Jakobus. Wieder- holungen. Dencker.
2. Deutsch: 3 St.
Literaturgeschichtlicher Ueberblickvon Goethe bis auf die Romantik einschliesslich. Gelesen wurden von Goethe: Dichtung und Wahrheit in Auswahl, Iphigenie, Tasso, Parzival von Wolfram von Eschenbach, Shakespeares Coriolan, Grill- parzers Sappho, Lessings Hamburgische Drama- turgie in Auswahl. Wiederholt wurde Goethes und Schillers Gedankenlyrik. Privatim gelesen und in der Schule besprochen wurden Goethes Egmont, Lessings Emilie Galotti und Natan der
eise und Schillers Don Carlos. Freie Vorträge über Gelesenes.
Aufsätze:
1. Wodurch verschuldet Patroklus seinen Tod? (Klassenaufsatz.) . Wie verläuft die Heilung des Orest? (Nach Goethes Iphigenie.) 3. Liegt Dir Gestern klar und offen, Wirkst Du heute kräftig, frei, Kannst Du auf ein Morgen hoffen, Das nicht minder glücklich sei. 4. Wie entwickelt sich der Charakter Parzivals? 5. Inwiefern hat Goethe recht, wenn er sagt: Der Mensch bedarf des Menschen? (Klassenaufsatz.) 6. Wodurch verschuldet Kreon in Sophokles' Antigone die schwere Strafe, die ihn trifft? 7. Welche Seelenkämpfe hat Sappho zu be- stehen, bis sie zu dem Entschlusse kommt, sich in das Meer zu stürzen?(Nach Grill- arzers Sappho.) 8. Inwiefern kann man den Menschen den Herrn der Natur nennen? (Prüfungsaufsatz.) Schlaadt.
3. Lateinisch: 7 St.
a) Lektüre: 5 St.: a) poetische: Horaz Oden, Buch III u. IV. Ausge- wählte Episteln. Aus- wendig gelernt wurden: von den Oden: III 1, 21, 30, IV 3, 5 und ein- zelne Strophen, aus den Episteln einzelne Sinn- sprüche. Schlaadt.
b) prosaische: Tacitus An- nalen: Die Feldzüge des Germanikus; Historien: der Bataverkrieg, Cicero: Abschnitte aus den Tus- kulanen und den Büchern de officiis. Extemporiert wurde aus Livius II und XXII.
b) Grammatik: 2. St.: Alle 14 Tage eine schrift-
liche Arbeit; mündliche Wiederholungen; in jedem Tertial eine Uebersetzung aus dem Lateinischen ins Deutsche. Das Wichtigste aus der Stilistik und Synonymilk. Bodewig. 4. Griechisch: 6 St. a) Lektüre: a) poetische: Sophokles' Antigone. Homers Ilias XIII.- XXIV mit Auswahl. Griechische Lyriker in der Auswahl von Biese. Aus- wendig gelernt wurden: aus Homer ausgewählte Stellen, aus Sophokles' die Verse: 100-161, 332— 375, 781— 700, 806— 816. b) prosaische: Thucydides I und II . in Auswahl, Demosthenes I. und II. olyntische Rede. Uebungen im unvorbereiteten Uebersetzen. b) Schriftliche Uebungen: alle 14 Tage eine Uebersetzung aus dem Griechischen in das Deutsche oder aus dem Deutschen in das Griechische. Grammatische Wiederholungen. Schlaadt.
ebungen und
5. Französisch: 3 St.
a) Lektüre: Racine, Athalie; D'Hérisson, Jour- nal d'un officier d'ordonnance; Gedichte von Hugo und Coppée aus Beneckes Anthologie. Molière, Avare(ausgew. Scenen). Sprech- übungen.
b) Schriftliche Uebungen und Grammatik: Diktate, Extemporalien und freie Arbeiten; grammatische Wiederholungen durch münd- liche und schriftliche Uebersetzungen.
Scheubel.


