IV. Zur Geschichte der Anstalt.
Das Schuljahr begann am 19. April 1926 und endigt am 2. April 1927. Da unser Schul- haus in der Oreiffenklaustrasse erst im Laufe des Schuljahres freigegeben wurde und seine In- standsetzung sich bis Ende desselben hinzog, verblieben die Klassen VI-Illa im Schulgebäude in der Welschnonnengasse 9 und die Klassen IIb—la in der Oberrealschule. Den Herren Oberstudiendirektor Pöpperling und Studiendirektor Dr. Kämmerer sprechen wir auch dieses Jahr unseren wärmsten Dank aus für die gastliche Aufnahme unserer Schule und die stets bereitwilligste und entgegenkommendste Unterstützung. Mit Beginn des kommenden Schuljahres wird der Unterricht unserer Anstalt wieder in ihrem alten Schulgebäude in der Greiffenklaustrasse 2 stattfinden.
Für diese langersehnte und für die weitere Entwicklung unserer Schule bedeutsamen Wendung danken wir der städtischen Verwaltung, insonderheit Herrn Bürgermeister Dr. Ehrhardt herzlichst, dessen unermüdlichen Bemühungen die Freigabe unseres seit Dezember 1923 von der französischen Besatzungsbehörde beschlagnahmten Schulhauses endlich gelungen ist. Für seine schöne Wiederherstellung sagen wir auch dem städtischen Hochbauamt, besonders den Herren Gelius, Weis und Schmitt innigsten Dank.
Oberstudienrat Dr. Reeb, der wegen eines Herzleidens schon von Weihnachten 1925 bis Ostern 1926 beurlaubt war, musste weiteren Urlaub bis 1. Januar 1927 nehmen. Da sein Ge- sundheitszustand ihm auch da noch nicht gestattete, den Dienst wieder aufzunehmen, wurde bierr Reeb auf seinen Wunsch in den Ruhestand versetzt. Des beliebten und hochverdienten Schulmannes werden unsere Kollegen und Schüler stets in Treue und Dankbarkeit gedenken. Möchte es ihm vergönnt sein, noch recht lange das otium cum dignitate zu geniessen.
Seine Vertretung als Oberstudienrat behielt Prof. Dr. Willenbücher, der nach dem Aus- scheiden des Herrn Reeb am 1. Januar zum Oberstudienrat ernannt wurde. Gleichzeitig wurde Studienrat Dr. Jöst, der kommissarisch mit der Vertretung des Herrn Reeb betraut war, wieder definitiv unserer Anstalt überwiesen.
Durch die Zusammenlegung von 3 Untertertien des Schuljahres 1925 in 2 Obertertien ist bei uns eine Klasse eingegangen, die die Versetzung des Studienrats Karl Fischer an das Gymnasium in Mainz zur Folge hatte. Die Sexta dieser Anstalt wurde vom 3. Mai ab in einigen Fächern geteilt. Um dies zu ermöglichen, mussten in dieser Klasse von unserer Schule Studienrat Spang 9, Dr. Berghäuser 6 Stunden übernehmen. Beide wurden von den erren Beck, Diemer, Jüdicke, Rodrian, Seitz und Stratemeyer entsprechend entlastet.
Jugendpfarrer Rau, der von Weihnachten 1925 bis Ostern 1926 in dankenswerter Weise 2 evangelische Religionsstunden in VI übernommen hatte, konnte diesen Unterricht mit Beginn des neuen Schuljahres wegen anderweitiger Verwendung nicht weiter erteilen. Ihn übernahm Reallehrer Schmidt von der Handelsrealschule, während Prof. Upken zu den 2 Religions- stunden in IIb dieser Anstalt noch 2 in Illa hinzunahm. Reallehrer Schmidt war vom 4. Juni bis 1. Oktober wegen Krankheit beurlaubt und wurde von Schulverwalter Reinhard vertreten. Mit Wirkung vom 1. Juni wurde Studienrat Heinrich Scholl zum Studiendirektor und Leiter der Realschule in Gernsheim ernannt. Wir sahen den lieben Freund und verdienstvollen Amts- genossen und Lehrer nur ungern aus unserer Mitte scheiden und unsere besten Wünsche be- gleiten ihn in seinen neuen Wirkungskreis. Als Nachfolger wurde Studienrat Franz Metzler vom Gymnasium an unsere Anstalt versetzt.
Studienrat Spang musste am Ende der Sommerferien wegen einer hartnäckigen Erkältung einen längeren Kuraufenthalt im Schwarzwald nehmen und wurde bis Ende September von Studienassessor Karl Schneider vertreten.


