Jahrgang 
1915
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bewilligten Mitteln(etwa 900 000 Mark einschließlich des Bauplatzes) ein so stattliches und zweck- entsprechendes Gebäude hergestellt habe. Dies neue Schulgebäude zeige wieder, wie sehr sich die Stadt die Förderung des Schulwesens angelegen sein lasse. Sodann dankte er dem anwesenden Vertreter der Staatsbehörde, Herrn Staatsrat Süffert, für die wohlwollende Förderung des Baues, besonders dafür, daß der Stadt die Kosten für die innere Ausstattung aus dem Mainzer Universitätsfonds zurückvergütet worden seien und übergab ihm alsdann mit den besten Segenswünschen das Gebäude. Dieser gab der herzlichen Freude über das gelungene große Werk Ausdruck, das ein Denkmal edelsten Bürgersinnes sei und der Stadt Mainz, die doch keinen Mangel an schönen Bauten habe, zu einer weiteren Zierde gereiche. Er hoffe, daß das Realgymnasium in seiner Stellung zwischen Gymnasium und Oberrealschule kräftig mitwirke zur Erhaltung und Förderung eines gesunden ldealismus. Mit dem Wunsche, daß die neue Schule nur Segen schaffe, übergab er alsdann das Haus dem Direktor.

Dieser gab zunächst der Freude aller Schüler, des gesamten Lehrerkollegiums und seiner eigenen Freude Ausdruck, daß es ihnen allen nunmehr vergönnt sei, in so schönen, zweckmäßigen und gesunden Räumen zu lernen und zu lehren. Diese Freude nõtige zu nochmaligem warmen herzlichen Dank an alle bereits genannten Faktoren, die beim Bau mitgewirkt hätten. Nunmehr sei es auch dem Mainzer Realgymnasium möglich, den Zielen dieser Schulgattung im höchsten Maße gerecht zu werden. Diese Ziele legte er darauf näher dar und wies auf die vermittelnde Stellung des Realgymnasiums in dem noch fortdauernden Kampf um die sogenannte Schulreform hin. Er schloß mit dem Wunsche und der floffnung, daß das Mainzer Realgymnasium durch Zusammen- wirken von Schule und Haus eine immer blühendere und erfolgreichere Stätte werde für die Heran- bildung der Jugend zum Wohle der engeren Heimat und des gesamten deutschen Vaterlandes.

Die weitere Feier bestand in Chorgesängen, deklamatorischen und musikalischen Vorträgen von Schülern. Daran schloß sich dann ein Rundgang durch das neue Gebäude, das in allen seinen Teilen und Einrichtungen allgemeine Anerkennung fand und vollständige Zufriedenheit erweckte Das Haus ist im äußeren Aufbau einfach gehalten, im Innern dagegen sehr zweckentsprechend, sehr gesund und mit künstlerischem Geschmack ausgeführt und ausgestattet. Es enthält außer großen breiten Gängen und zwei getrennten breiten Steintreppen 18 eigentliche Klassenzimmer, je einen Lehrsaal für Chemie, Naturgeschichte und Physik mit den zugehõrigen Arbeits-, Vorbereitungs- und Sammlungsräumen, einen Geographiesaal, einen Zeichensaal mit 2 Nebenräumen, einen Gesang- saal, einen Kombinationssaal, 2 Reserveklassenzimmer und einen Reservesaal für geometrisches Zeichnen, sodann ein Lehrerzimmer mit anstoßendem Sprechzimmer, ein Arbeitszimmer für die Lehrer, ein Zimmer für das pädagogische Seminar, ein Direktorzimmer mit Vorzimmer, ein pPedellen- zimmer, ein Bücherzimmer mit Vorzimmer, 2 besondere Sammlungsräume, ein Werkstättenzimmer und ein Zimmer zum Aufenthalt für auswärtige Schüler. Im Untergeschoß befinden sich noch eine Reihe von großen und hellen Räumen, die erforderlichenfalls für Handfertigkeitsunterricht ein- gerichtet werden können. Der Turnsaal, der zugleich als Festsaal dient, ist von besonderer Schön- heit; an ihn gliedern sich an ein Ankleideraum, ein Waschraum und ein Geräâteraum.

Am 4. April schied Oberlehrer Dr. Schmidtgen aus unserer Anstalt und zugleich aus dem hessischen Staatsdienst, um die Stelle des Direktors des Naturhistorischen Museums der Stadt Mainz zu übernehmen. Wir verlieren in ihm einen sehr tüchtigen Lehrer, der sich in seiner 3 ½jährigen Tätigkeit an unserer Anstalt nicht nur um das naturgeschichtliche Verständnis unserer Schüler, sondern auch um die Ordnung und Erhaltung unserer ansehnlichen naturgeschichtlichen Sammlung große Verdienste erworben hat. Außberdem verließen zu Beginn des Schuljahres unsere Anstalt Oberlehrer Friedrich, der an die Oberrealschule zu Heppenheim a. d. B., und Lehr- amtsassessor Dr. KäAmmerer, der an die Realschnle und das Progymnasium zu Alzey versetzt wurde. An Stelle dieser Herren traten mit Beginn des Schuljahrs Prof. Dr. Meyer vom Neuen Gymnasium dahier, Oberlehrer Halm von der Realschule und dem Progymnasium zu Dieburg und Oberlehrer Dr. Seitz von der Oberrealschule dahier.

Prof. Dr. Beck erkrankte im Juni und wurde durch Verfügung vom 25. Juni beurlaubt bis zum 1. Oktober; seine Vertretung übernanm der Lehramtsassessor Klingelschmitt vom 29. Juni an. Nach dem Ausbruch des Krieges übernahm Prof. Dr. Beck freiwillig wieder einen Teil seiner Stunden. Von Neujahr an versieht er wieder seinen vollen Dienst.