IV. Zur Geschichte der Anstalt.
Mit Beginn des Schuljahres 1906/7 wurden die seither vereinten Anstalten Realgymnasium, Oberrealschule und höhere Handelsschule in zwei besondere Anstalten geteilt. Die Oberrealschule und höhere Handelsschule bezogen den stattlichen Neubau in der Schulstrasse, während das Real- gymnasium in dem Hauptbau der seither vereinten Anstalten verblieb. Mit der feierlichen Ein- weihung des Neubaues am 25. April fand zugleich die Feier des 75jährigen Bestehens der Mainzer Realschule statt. UÜber beide Feste ist in dem„Festbericht, verfasst von Reallehrer Ph. See“, ausführliche Mitteilung enthalten, der für frühere Schüler vom Verfasser bezogen werden kann.
Das Realgymnasium hat sich allmählich infolge der fortschreitenden Bedürfnisse der Zeit aus der Realschule entwickelt; als selbständige Anstalt neben der Realschule erscheint es vom Jahre 1875 an. Das Jahr 1875 kann somit als das eigentliche Gründungsjahr des Realgymnasiums angesehen werden.
Aus Anlass der Doppelfeier wurde der Gesamtanstalt von einem früheren Schüler, dem Herrn Fabrikanten Ph. Stratemayer dabier, zur künstlerischen Ausschmückung der Schulräume der sehr ansehnliche Betrag von 1000 Mark zur Verfügung gestellt; dem Realgymnasium wurde hiervon künstlerischer Wandschmuck im Werte von 300 Mark überwiesen. Dem hochherzigen Geber sprechen wir für diese sinnige Gabe ganz besonderen Dank aus.
Ausserdem wurden zu den Kosten des Festes von früheren Schülern und Freunden der Anstalt so reichliche Beiträge geliefert, dass nach Deckung der Kosten noch ein Betrag übrig geblieben ist, der zur Anschaffung von zwei stattlichen Fahnen. einer für das Realgymnasium und einer für die Oberrealschule, Verwendung finden soll. Auch hierfür sprechen wir allen Gebern unseren wärmsten Dank aus.
Bei der Trennung der Anstalten wurden von dem seither vereinten Kollegium die auf Seite 8 genannten Herren dem Realgymnasium zugewiesen und die Leitung dieser Anstalt dem Direktor der seitherigen Doppelanstalt übertragen. Die Professoren Dr. Seidenberger und Hager waren mit Wirkung vom 1. April 1906 nach Mainz versetzt worden; ersterer kam von der Augustiner- schule(Gymnasium und Realschule) in Friedberg, letzterer von dem Progymnasium und der Real- schule in Bingen.
Den katholischen Religionsunterricht übernahm der Oberlehrer Sartorius am hiesigen Herbstgymnasium, den evangelischen der Divisionspfarrer Backhaus für die oberen und der Pfarrassistent Knab für die unteren Klassen und endlich den israelitischen der Reallehrer Eschelbacher an der biesigen Oberrealschule.
Oberlehrer Prof. Dr. Beck wurde am 25. April bei Gelegenheit des erwähnten Festes durch Verleihung des Ritterkreuzes I. Kl. des Verdienstordens Philipps des Grossmütigen ausgezeichnet.
Oberlehrer Prof. Dr. Jäger wurde mit Beginn des Schuljahres zur Kräftigung seiner an- gegriffenen Gesundheit bis zum Herbst beurlaubt; infolge einer notwendig gewordenen Operation musste dieser Urlaub bis zu Anfang des neuen Jahres verlängert werden. Sein Vertreter war Lehramtsreferendar Gengnagel. Er übernahm die Stunden des Oberlehrers Hellwig, während dieser in die Stunden Jägers einrückte. Dieser Tausch blieb auch nach dem Wiedereintritt Jägers bestehen, nur gab dieser 6 Stunden Turnen und 2 Stunden Geschichte an den Lehramtsreferendar Kohl ab, der seit dem 1. Oktober seinen Vorbereitungsdienst an unserer Anstalt fortsetzt.
Durch Allerhöchste Verordnung vom 21. April 1906 sind künftighin für die Zu- lassung zur Immatrikulation in der juristischen und philosophischen Pakultät der Landes- universität Giessen, sowie zu den entsprechenden Prüfungen für den Staatsdienst die Reifezeugnisse der Gymnasien, Realgymnasien und Oberrealschulen gleichgestellt. Da die Zu- Jassung der Abiturienten der Realgympasien zum Studium der Medizin im ganzen deutschen


