Jahrgang 
1900
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ſchnittlich 2,2 Fehltage ergiebt. Berechnet man jeden Fehltag nur mit 3 Unterrichtsſtunden, ſo waren alſo im abgelaufenen Schuljahr fehlende Lehrer an jedem Tag durchſchnittlich in 67 Stunden zu vertreten. Ein Teil der Fehlſtunden, welche auf Beginn und Ende des Unterrichts fielen, mußten freilich ohne Vertretung ausgeſetzt werden. Hierbei ſind die durch ſtändige Vertreter verſehenen Stunden nicht eingerechnet. Des Kurioſums wegen ſei hier angeführt, daß während des ganzen Schuljahres nur an 2 Schultagen keine Vertretung ſtattfand.

Aus den ſeit einer Reihe von Jahren beobachteten häufigen Erkrankungen von Lehrern muß wohl geſchloſſen werden, daß dieſelben auf die ungeſunde Anlage der Schulräume, die Überfüllung der meiſten Klaſſenzimmer und die überbürdung der Lehrer zurückzuführen iſt. Eine Beſchleunigung des Baues von neuen Schulgebäuden für unſere Anſtalten wäre daher dringend zu wünſchen.

Der Geſundheitszuſtand der Schüler war im ganzen befriedigend, doch verloren wir leider auch in dieſem Schuljahr wieder einen braven Schüler der Untertertia, Otto Schäfer, den Sohn unſeres Kollegen Prof. Dr. Schäfer, durch den Tod. Er ſtarb am 29. November 1899 nach längerem, ſchweren Herzleiden und wurde am 1. Dezember zwar tief betrauert von ſeinen Lehrern und Mit⸗ ſchülern, aber dem Wunſche der ſelbſt erkrankten Eltern gemäß ohne deren Begleitung beerdigt.

Die monatlichen Klaſſenſpaziergänge, ſowie ganztägige Ausflüge wurden in vorſchriftsmäßiger Weiſe ausgeführt. Am 8., 9. und 12. Februar beſuchten die Schüler der Oberklaſſen des Real⸗ gymnaſiums und der Realſchule und die Schüler der Höheren Handelsſchule die Marineausſtellung in Darmſtadt.

Um den theoretiſchen Unterricht der Höheren Handelsſchule in mechaniſcher und chemiſcher Technologie auch praktiſch zu unterſtützen und den Handelsſchülern Gelegenheit zu geben, manche kommerziellen und techniſchen Betriebe aus eigener Anſchauung kennen zu lernen, wurden folgende Fabriken und Inſtitute beſichtigt: Das Gasapparat und Gußwerk, Mainz; die Drais⸗Fahrradwerke in Waldhof⸗Mannheim; die Hafenanlagen in Mannheim; die Bijouteriewarenfabrik von Martin Mayer, Mainz; die Etabliſſements der Aktiengeſellſchaften für Maſchinenpapier⸗, Buntpapier⸗ und Leimfabrikation, ſowie die BierbrauereiZum Hopfengarten in Aſchaffenburg; die Buchdruckerei des Mainzer Journal; die Lederwerke Mayer, Michel& Denninger, Mainz und die Börſe und das Handelsmuſeum in Frankfurt a. M.

Die Direktion erlaubt ſich an dieſer Stelle, den P. T. Korporationen, Verwaltungen und Beſitzern der angeführten Etabliſſements, in denen den Schülern nicht nur der Einlaß, ſondern auch eine eingehende, ſachgemäße Führung und Erläuterung gewährt wurde, nochmals den wärmſten Dank auszuſprechen.

Die große Hitze im vorigen Sommer veranlaßte manche Störung des Unterrichts. Schon im Juni mußte derſelbe in 7 Stunden ausgeſetzt werden. Auf den Juli, der ſonſt meiſtens verregnet und weniger heiß iſt, entfielen diesmal 22 Stunden und auf die erſten 5 Tage im Auguſt noch 3 Stunden, im ganzen alſo 32 Stunden. Glücklicherweiſe begannen dann die Herbſtferien, während welchen die Hitze nicht geringer war als im Juli.

Für die der Anſtalt im Laufe des Schuljahres zugewandten Geſchenke ſprechen wir den gütigen Gebern hiermit nochmals den verbindlichſten Dank aus. Außer einer Anzahl von Schulbüchern, welche von den betreffenden Verlagshandlungen zur Prüfung eingeſandt wurden, erhielt die Schule:

1. von der Verlagsbuchhandlung der Herren Vandenhoeck& Ruprecht in Hannover je eine

Anzahl von Schulbüchern zum Gebrauch für unbemittelte Schüler;

2. von Herrn Telegraphendirektor Meyer, dahier, ein Endſtück eines Telephonkabels, deſſen einzelne

(iſolirte) Drahtenden zum leichteren Ueberſehen bouquetähnlich auseinander gebogen ſind;