Jahrgang 
1888
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Reallehrer Wilhelm Reeb, der bereits vor Beginn der Oſterferien erkrankt war, wurde zur Herſtellung ſeiner Geſundheit für das Sommerhalbjahr beurlaubt. Als Aushülfe für ihn wurde durch Verfügung vom 14. April der ſeitherige Acceſſiſt Auguſtin Uebel eingeſtellt.

Durch Allerhöchſtes Dekret vom 24. Februar war der ſeitherige Direktor der Anſtalt, Herr Wilhelm Soldan, mit Wirkung vom 1. April zum vortragenden Rat im Miniſterium des Innern und der Juſtiz, Abteilung für Schulangelegenheiten, mit dem AmtstitelOberſchulrat ernannt worden. Derſelbe verabſchiedete ſich von der Schule am 18. April. Die herzlichſten Glückwünſche ſeiner ehe⸗ maligen Kollegen und Schüler begleiten ihn in ſeine verantwortungsvolle und ſchwierige, aber auch ebenſo ehrenvolle neue Stellung. Möge er dereinſt auf ſeine Wirkſamkeit in der jetzigen Stellung mit derſelben Befriedigung zurückblicken, wie er dies vermochte beim Abſchiede von der von ihm zwar nur wenige Jahre, aber mit reichem Erfolg geleiteten Anſtalt.

Am Tage ſeiner Verabſchiedung führte Herr Oberſchulrat Soldan zugleich den Unterzeichneten, ſeitherigen Direktor des Realgymnaſiums und der Realſchule zu Offenbach, als ſeinen Nachfolger in den Dienſt ein.

Am 14. Mai ſtarb nach kurzem Leiden an Lungenentzündung der Pedell der Anſtalt, Johannes Becker. Nach ehrenvollem Dienſte im Großh. Gensdarmeriecorps begleitete er ſeine letzte Stelle ſeit etwa 18 Jahren. Seine Pflichttreue und ſein biederer Charakter haben ihm die Wertſchätzung aller derjenigen erworben, die mit ihm dienſtlich oder außerdienſtlich in Berührung kamen.

Infolge Miniſterialverfügung vom 19. Mai wurde der ſeitherige Lehramts⸗Acceſſiſt am hieſigen Gymnaſium, David Spreitzer, am 28. Mai zur proviſoriſchen Verwaltung einer Lehrerſtelle in den Dienſt eingewieſen.

Durch Miniſterialverfügung vom 16. Juni wurde Philipp Made zum Aecceß an der Anſtalt zugelaſſen.

Nicht minder als der 16. März war der 18. Juni ein Trauertag für unſere Anſtalt. Der edle Dulder, Kaiſer Friedrich III., einſt als Kronprinz der Stolz und die Hoffnung von ganz Deutſchland, war am 15. Juni nach vierteljähriger Regierungszeit ſeinem unheilbaren, tückiſchen Leiden erlegen. Tiefbewegt von dem ſo außerordentlich tragiſchen Geſchick des unglücklichen Fürſten beteiligten ſich am Begräbnistage Lehrer und Schüler an der in ähnlicher Weiſe wie am 16. März abgehaltenen Trauerfeier, wobei der Unterzeichnete die Anſprache hielt.

Am 6. Juli beehrte Herr Oberſchulrat Soldan unſere Anſtalt mit ſeinem Beſuche und wohnte dem Unterricht in mehreren Klaſſen bei.

Am 8. Auguſt fand unter dem Vorſitz des Herrn Oberſchulrat Soldan die mündliche Maturitäts⸗ prüfung ſtatt. Es hatten ſich derſelben 13 Schüler der Oberprima unterzogen, welche alle beſtanden.

Der Geſundheitszuſtand der Schüler war im allgemeinen ein günſtiger, doch hat auch in dieſem Jahre die Anſtalt den Tod eines braven Schülers zu beklagen. Joſeph Scheit, Schüler der Klaſſe 4a, ſtarb am 23. November infolge eines Lungenleidens.

Der Geſundheitszuſtand unter den Kollegen war weniger günſtig. Wie bereits oben mitgeteilt, ſtarb am 29. Januar Herr Profeſſor Kölſch. Für Herrn Dr. Preiſer, der bereits im verfloſſenen Schuljahr beurlaubt war, mußte auch für das laufende Jahr der Urlaub verlängert und für Herrn Reeb ein Urlaub für das letzte Halbjahr bewilligt werden. Beſonders im April und Mai kamen außerdem häufigere Erkrankungen unter den übrigen Kollegen vor.