Jahrgang 
1864
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Aber welche Erſcheinungen ſind an dem bisher ſo vielfach bewunderten Volke und ſeinen Einrich⸗ tungen ſo überraſchend an den Tag getreten?

Ein Krieg verwerflich in ſeinen Motiven, grauſam und empörend in ſeiner Führung eine Verwaltung, in welcher Verr ath, Beſtechlichkeit und Veruntreuung aller Art in einer Ausdehnung und mit einer Schamloſigkeit auftreten, wie ſie in dem verkommenſten Lande der alten Welt nicht denkbar ſind. Man leſe hierüber nur die Berichte deutſcher Augenzeugen und freue ſich der edlen Entrüſtung, mit welcher ſie über dieſe Erſcheinungen ſich ausſprechen.

Ja, freuen wir uns, daß im Gemüth unſeres deutſchen Volkes noch eine ſo innige Pietät wohnt, daß die vielfachen Einflüſſe der Zeit, ja ſelbſt abſichtsvolle Angriffe ſie nicht zu entwurzeln vermochten. Laſſen ſie uns dieſe ſchöne Tugend in jeder Weiſe pflegen und fordern, insbeſondere in den Herzen der uns anvertrauten Jugend, damit in unſerem öffentlichen Leben nur ſolche Erſcheinungen ſich offen⸗ baren, deren die Mitwelt und Nachwelt ehrend zu gedenken hat.

Und Ihr meine lieben Schüler bewahret Euch die Pietät. Nie wird Euch der rechte Beifall entgehen, wenn Ihr dem Grundſatze folgt: Ehre, dem Ehre gebührt! Nie, nie möge von Euch geſagt werden:Dieſe Jünglinge wiſſen zwar, was ſich ziemt aber Andere thuen es!