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eigentlich künstlerischer Leistung nicht ausreicht; ja man darf sagen, dass gerade die nach dieser Richtung minder begabten Schüler ganz besonderen Anlass haben, sich die in der Schule gebotene Gelegenheit zunutze zu machen, während die ausgesprochenen Talente eher auf eigenen Wegen vorwärts zu kommen wissen.“
Einer gewissen Fertigkeit im Zeichnen kann später gar mancher nicht entraten. Abgesehen von den künstlerischen Berufsarten hat es der Physiker, der Chemiker, der Anatom, der Botaniker, der Zoologe, der Archäologe, der Kunsthistoriker, der Geograph, der Mathematiker, der Techniker in tausend Fällen dringend nötig.
Aus Mangel an Lebenserfahrung verzichten viele Sekundaner auf die Teilnahme am wahlfreien Zeichenunterricht. Sie meinen, das Zeichnen für ihren zukünftigen Beruf nicht notwendig zu haben. Schon das ist falsch.
Welcher junge Mensch weiss denn heutzutage bei der hoch gesteigerten Schwierig- keit der Berufswahl, was er einmal werden wird! Gar mancher gibt sich dem uner- schütterlichen Glauben an eine bestimmte Lebensstellung jahrelang hin und lehnt die ihm gebotene Gelegenheit, zeichnen zu lernen, beharrlich ab(ähnlich so verhält es sich mit dem Unterricht im Englischen und in der Stenographie), im entscheidenden Augenblick aber ist er unter dem Drucke der Verhältnisse gezwungen, sich zur Wahl eines anderen Berufes zu entschliessen. Nun ist die Reue, die er erleben muss, gar schmerzlich. Er braucht das Zeichnen notwendig und hat es nicht gelernt.
Oft ist es auch blosse Bequemlichkeit, die den Willen des Schülers leitet. Er sucht aus diesem Grunde auf seine Eltern einzuwirken und erreicht leider zu häufig, dass er auf die Teilnahme am Zeichenunterricht verzichten darf.
Auch diesmal werden wir den von Obertertia nach Untersekunda aufsteigenden Schülern entsprechende Vorstellungen machen. Wir gestatten uns, die Eltern zu er- suchen, uns mit ihrem Urteil und Willen zu unterstützen und in die Selbstbestimmung der Schüler berichtigend einzugreifen. Auf eine den Schülern möglichst bequeme Lage der Stunden wird ausreichend Bedacht genommen.
Zum Besuch unserer Ausstellung von Zeichnungen und Malereien der Schüler, die bis Dienstag, 15. d. Mts. geöffnet ist, beehren wir uns, die verehrten Eltern und Freunde der Schule ergebenst einzuladen.
VI. Bekanntmachungen.
1. Das neue Schuljahr beginnt Montag, 4. April, vormittags 9 ¼ Uhr. Die Autnahmeprüfungen werden an diesem Tage vorgenommen. Die Schüler der untersten Vorschulklasse erwarten wir erst Dienstag, 5. April um 9 Uhr.
2. Der Direktor ist an allen Wochentagen in der Regel zwischen 10 und 12 Uhr auf seinem Amtszimmer zu sprechen.
3. Der Unterricht beginnt in der Zeit von Ostern bis Pfingsten um 8 Uhr vormittags und dauert bis 12 ¾ Uhr; nach Pfingsten umfasst er die Zeit von 7 ¼4 bis 12 Uhr.
Mainz, 12. März 1910.
Grossherzogliche Direktion des Ostergymnasiums: Dr. Helm.


