IV. Zur Geschichte der Anstalt.
1. Durch Dekret Sr. Kgl. Hoheit des Grossherzogs vom 30. März 1907 wurde der Lehramts- assessor Herr Otto Hotz zum Oberlehrer an unserer Anstalt ernannt.
Durch Dekret Sr. Kgl. Hoheit des Grossherzogs vom 1. April 1907 wurde dem Herrn Dr. Schrohe, durch solches vom 27. April 1907 den Herren Dr. Schwarz und Stempel der Charakter als Professor verliehen. Durch Verfügung Grossh. Ministeriums des Innern vom 1. Oktober wurde Herr Lehramts- referendar D. Dr. Friedrich zum Lehramtsassessor ernannt.
Den Lehramtsreferendaren Herrn Dr. Adolf Beck und Herrn Jakob Berg, die im zweiten Jahre ihres Vorbereitungsdienstes stehen, wurde im Oktober 1007 gestattet, als Volontäre an unserer Anstalt Unterricht zu übernehmen. Indes wurde Herr Berg bereits im Dezember zur provisorischen Verwaltung einer Lehrerstelle an die höhere Bürgerschule in Dieburg abberufen; ebenso ging Herr Dr. Beck am 9. Januar 1908 zur Vertretung an das hiesige Realgymnasium über. Am 3. Februar kam er zurück; am 3. März verliess er uns wieder, um die Ableistung einer achtwöchigen militärischen Ubung anzutreten.
2. Der Geburtstag Seiner Königlichen Hoheit des Grossherzogs und derjenige Seiner Majestät des Kaisers wurden in üblicher Weise durch besondere Schulfeste begangen.
Am 25. November hielt Herr Oberlehrer Hotz die Festrede. Er sprach eingangs über den Wert der Denkmalspflege und führte uns dann im Geiste nach Aegypten, ein Land, das er aus eigener Anschauung kennt. Bei der Schulfeier am 27. Januar hielt Herr Oberlehrer Dr. Mayer einen Vortrag über die ethische Bedeutung der einzelnen Unterrichtsfächer.
3. Der Gesundheitszustand der Schüler war im Winterhalbjahr nicht gut. Bis zum 18. März waren 20 Erkrankungen an Scharlach und 4 an Diphtherie vorgekommen, die jedoch sämtlich gut verliefen. Die Erkrankungen betrafen auch Zöglinge des bischöflichen Konvikts, die unsere Schüler sind. Um weiterer Ansteckung vorzubeugen, mussten die 46 Zöglinge des Konvikts, die das Ostergymnasium besuchen, an 9 Schultagen des Monats November dem Unterricht fern bleiben. Ebenso wurde im Monat März unsere Klasse IVi, wo gleichzeitig 5 Scharlachfälle vorkamen, auf 8 Tage geschlossen.
Leider haben wir auch in diesem Jahre den Verlust zweier Schüler zu beklagen. Am 14. Juni 1907 erlag der Schüler der Vorschulklasse 2, Ernst Hotop, Sohn des Rittmeisters Herrn Franz Hotop dahier, einer tückischen Krankheit. Es war ein treuer und lieber Junge, der so früh aus den Reihen seiner Kameraden genommen wurde.— Im Monat Januar erkrankte unmittelbar vor Beginn der Reifeprüfung, die er mit seinem Zwillingsbruder Wilhelm ablegen wollte, der Oberprimaner Georg Rumpf, Sohn des Gutsbesitzers Wilhelm Rumpf in Münster bei Bingen, und schon nach wenigen Tagen, am 28. Januar, starb er im hiesigen Rochushospital. Ein hoffnungsvoller junger Mensch, war er fast am Ziele der Schule angelangt, ohne es ganz erreichen zu dürfen.— In beiden Fällen suchte die Schule den Schmer⸗ der Eltern durch Bezeugung ihres eigenen Schmerzes nach Kräften zu lindern.
Zur Pflege des Bewegungsspieles ist jetzt endlich dank dem freundlichen Entgegenkommen der Bürgermeisterei und der Stadtverordneten-Versammlung ein brauchbarer Platz auf dem Linsenberg pachtweise gewonnen.— Der zur Erinnerung an den Frankfurter Frieden übliche allgemeine Klassen- ausflug wurde der ungünstigen Witterung wegen vom 10. auf den 15. Mai verschoben. Die monat- lichen Spaziergänge wurden regelmässig unternommen. Um allen Klassen die Möglichkeit zum Schlitt- schuhlaufen zu verschaffen, wurden die Stunden des Nachmittags im Verlaufe des Winters einigemale freigegeben.
Da der am Schlusse des Winterhalbjahres 1906/07 in Darmstadt angestellte Versuch einer Belehrung der Abiturienten durch Vorträge über die sittlichen und gesundheitlichen Gefahren geschlechtlicher Aus- schweifungen und übermässigen Alkoholgenusses als gelungen betrachtet werden konnte, hat die obere Schulbehörde im Einverständnis mit der Grossh. Ministerialabteilung für öffentliche Gesundheitspflege beschlossen, an allen Vollanstalten des Landes in gleicher Weise vorzugehen. Ob die Schüler an den


