Jahrgang 
1907
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IV. Zur Geschichte der Anstalt.

1. Veränderungen im Lehrkörper.

Durch Allerhöchstes Dekret vom 21. April 1906 wurde der Grossherzogl. Oberlehrer Herr Dr. Jakob Mayer, bis dahin am Gymnasium in Bensheim tätig, zum Oberlehrer an unserer Anstalt ernannt.

Durch Verfügung Grossherzogl. Ministeriums vom 17. April 1906 wurde dem Lehramtsreferendar Herrn Dr. Wilhelm Schmidt die provisorische Verwaltung einer Lehrerstelle an unserer Schule übertragen. Als er am 2. Oktober an das Ludwig-Georgs-Gymnasium nach Darmstadt überging, trat durch Ministerial-Verfügung vom 8. Oktober der Lehramtsreferendar Herr D. Dr. Friedrich an seine Stelle.

Durch Allerhöchstes Dekret vom 6. Oktober 1906 wurde der seitherige provisorische Oberlehrer Herr Karl Berthold Stempel zum Oberlehrer an dem Ostergymnasium in Mainz ernannt.

2. Verlegung von Klassen aus dem Ostergymnasium ins Herbstgymnasium und umgekehrt.

Mit Beginn des Schuljahres 1906 ging mit Genehmigung Grossherzogl. Ministeriums die Osterquinta des Herbstgymnasiums in das Ostergymnasium über. Umgekehrt fand eine neue erste Ostervorschulklasse, die in unseren Räumen nicht mehr unterzubringen war, im Herbstgymnasium Aufnahme. Desgleichen führte das Herbst- gymnasium in diesem Jahre eine Ostersexta. 4

3. Schulfesttage.

Am 25. April fand die Feier des 75 jährigen Jubiläums der Realschule und die Einweihung der neuer- bauten Oberrealschule statt. Ein grosser Teil des Lehrerkollegiums beteiligte sich an der akademischen Feier in der Stadthalle. Unserer nachbarlichen Schwesteranstalt erneuern wir hier den Ausdruck unserer herzlich em- pfundenen Wünsche für eine glückliche und gedeihliche Zukunft. Möge zwischen beiden Schulen stets das beste Einvernehmen herrschen!

Die Geburtstage Seiner Königlichen Hoheit des Grossherzogs und Seiner Majestät des Kaisers wurden in üblicher Weise durch besondere Schulfeste begangen.

Am 25. November hielt Herr Oberlehrer Dr. Zulauf die Festrede über folgenden Gegenstand:Die Über- schwemmungsgefahren im Mittelrheingebiet und die von der Grossherzogl. Hessischen Regierung geplanten Meliorationen des Riedes. Bei der Schulfeier zum 27. Januar sprach Herr Oberlehrer Stempel überDie Entwicklung des deutschen Nationalbewusstseins,

Ein Festtag für die Schule war auch der 8. November 1906. Am Morgen dieses Tages verbreitete sich rasch die frohe Botschaft, dass unserem Fürstenhaus und dem Hessenlande ein Erbgrossherzog geboren sei. Der Direktor teilte jeder einzelnen Klasse in einer kurzen Ansprache das Ereignis mit. Lehrer und Schüler waren freudig bewegt. Um sich der gehobenen Stimmung ungeteilt hingeben zu können, wurde der Unterricht von 10 Uhr

an ausgesetzt.

4. Gesundheitszustand und Gesundheitspflege.

Leider hatten wir in diesem Jahre den Verlust eines hoffnungsvollen, braven und tüchtigen Schülers zu be- klagen. Am 16. April 1906 starb im Elternhaus zu Rockenberg der 17jährige Unterprimaner Johann Georg Dietz. Die Schule suchte den Schmerz der Eltern durch Bezeugung ihrer Teilnahme nach Kräften zu lindern.

Im Sommer war der Gesundheitszustand unserer Schüler normal. Im Herbst stellten sich vereinzelte Fälle von Masern, Scharlach und Diphtherie ein. Die Mumps trat unter den Schülern der Vorschulklassen im Monat Januar in grosser Ausdehnung auf.

An einfacher Influenza erkrankten zwei Lehrer, in einem dritten Fall war sie mit Lungenentzündung ver- bunden, so dass der erkrankte Herr Kollege(Oberlehrer Dr. Zulauf) über vier Wochen der Schule fern bleiben musste. Zur Vertretung teilten sich wie auch bei anderen Anlässen in die Unterrichtsstunden der Direktor und die übrigen Lehrer der Anstalt.

Zur Pflege der Bewegungsspiele in grösserem Umfang, wie sie noch vor einigen Jahren betrieben wurden, fehlt uns zur Zeit der den Anforderungen entsprechende Spielplatz. Alles was an Raum den Schülern des Oster- gymnasiums in unmittelbarer Nähe der Anstalt früher zur Verfügung stand, ist jetzt verbaut. Die gegenwärtigen Bemühungen mehrerer Anstalten, einen brauchbaren Platz im Süden der Stadt durch Pachtung zu bekommen, werden hoffentlich von Erfolg gekrönt sein. Einstweilen wurde im Sommer, solange durch die Bautätigkeit unser