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gegenüber der obigen Tabelle den Vorzug der grösseren und bequemeren Uebersichtlichkeit; sie bringt die stati- stischen Ergebnisse in leicht verständlicher Weise auch demjenigen zum Bewusstsein, der mit dem Kulturhistoriker Riehl einen Abscheu vor dem Zahlenwerk der Statistik hat. Wenn hier leider auf diese graphische Darstellung verzichtet werden musste, so konnte ich mich doch nicht entschliessen, die Veröffentlichung obiger Zahlentabellen zu unterlassen, da die aus ihnen abzulesenden Ergebnisse für jeden, der sich mit dem höheren Schulwesen zu beschäftigen hat, von grosser praktischer Wichtigkeit sind, zumal die Erscheinungen, wie sie hier beobachtet werden, auch in den verschiedensten Teilen Deutschlands in gleicher Weise bei denjenigen Gymnasial- oder Real- anstalten beobachtet werden können, die ähnliche Uebersichten wie unsere vorstehenden über eine Reihe von Jahren veröffentlicht haben..
Es ist wohl kaum nötig darauf hinzuweisen, dass das Jahr 1870— wie es in politischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht ein Wendepunkt in der Entwicklung Deutschlands war— auch für die höheren Lehranstalten einen solchen bildete, insofern der Besuch derselben von jenem Jahr an fortgesetzt stieg. Aber abgesehen von diesem unzweifelhaft auf vermehrtem Wohlstand und grösserem Bildungsstreben der Bevölkerung beruhenden Steigen ist eine Beobachtung von besonderem Interesse. Wenn man erfährt, dass im Schuljahr 1829/30 die Schülerzahl des hiesigen Gymnasiums 291 betrug, somit grade soviel als in 1864/65; dass ferner diese Zahl in 1836/37 auf 153 heruntersank, von da an in den nächstfolgenden Jahren sich wieder auf 180(in 37/38), 196 (in 38/39) und 216(in 39/40) hob, so wird hierdurch für die früheren Jahre ein gleiches Gesetz anerkannt werden, wie es aus den Tabellen für die spätere Zeit als gültig erkannt wird. Einer Höchstzahl von 366(in 53/54) steht eine Mindestzahl(in 60/61) mit 254 gegenüber, wie gleichfalls der Höchstzahl 653(in 85/86) die Mindestzahl 555(in 90/91) u. s. w. Also etwa alle 5 bis 7 Jahre folgt, allerdings nicht ganz stetig, einem Maximum ein Minimum.
Bildet man aus den sämtlichen Gymnasialklassen 3 Gruppen, die 3 oberen, 3 mittleren und zuletzt die unteren Klassen(vor dem Jahre 1873 die Klassen VIII und VII, nachher die 3 Klassen VI, V, IV) umfassend, und vergleicht die Bestandzahlen dieser Klassengruppen in den aufeinander folgenden Jahren, so findet man für jede Gruppe dieselbe gesetzmässige Erscheinung, wie sie für die Gesamtzahl eben geschildert wurde. Der Höchst- wert der Bestandzahlen der unteren Klassen zeigt sich nach einigen(2— 3) Jahren als Höchstwert der mittleren und wieder später als der der oberen Klassen; das Gleiche gilt für die Mindestwerte. Beachtenswert ist dabei, dass die Mindestwerte irgend einer Gruppe manchmal noch ziemlich weit unter den Höôchstwerten einer anderen Gruppe und so auch der der oberen Klassen bleiben. Es geht daraus hervor, dass beim Neubau einer höheren Lehranstalt thunlichst die Klassenzimmer der Grösse nach keine erheblichen Verschiedenheiten zeigen sollen, dass also diese Klassenräume möglichst gleich gross anzulegen sind. Wir müssen es für ein unglück- seliges Zusammentreffen halten, dass in der Zeit von 1884 bis 1889, wührend welcher die Baupläne für das neue Gymnasium, Forsterplatz 2, bearbeitet und der Bau ausgeführt wurde, ein auffallender Tiefstand in der Besuchs- ziffer der drei oberen Klassen vorhanden war. Im Jahre 1882 begannen die unteren Klassen sehr stark zu wachsen, von 1885 an wird dieses Wachstum in den Mittelklassen bemerkbar und im Jahr 1890 verspürt man dasselbe allmählich auch in den oberen Klassen; aber von 1882 an bis 1889 schwankt die Bestandzahl der letzeren zwischen 80 und 102(an beiden Gymnasien zusammengenommen). Vielleicht mag diese Thatsache die Veranlassung dazu gegeben haben, dass man für die 6 oberen Klassen beider Gymnasien, welche nach dem bis zum letzten Herbst gültigen Verteilungsplan dem neuen Gebäude zufielen, 6 Klassenzimmer mit Fassungsräumen für 21 bis 28 Schüler beschaffte, und damit glaubte, für eine absehbare Zeit ausreichend Sorge getragen zu haben. Und schon bald nach dem Einzug in das neue Gebäude erwiesen sich diese Räume als zu eng und die Anzahl der für die älteren Schüler beschafften Bänke als viel zu klein. Die Art, wie man sich zu helfen suchte, z. B. durch Beschaffung verstellbarer Bänke oder Teilung von Klassen u. A. gehört nicht hierber. Ein Blick aber auf den kommenden Nachwuchs aus den starken Mittel- und Unterklassen in dem Ostergymnasium lehrt, dass der Uebel- stand, den die 6 kleinen Schulzimmer verursachen, für eine ganze Reihe von Jahren ungemindert, wenn nicht für immer, bestehen bleibt. Das neue Gymnasium bietet in dieser Hinsicht eine Warnung jedem, der genötigt ist, das Bauprojekt für eine höhere Lehranstalt zu entwerfen.


