Wir leiden heute an einer Ueberbildung. Man ſchätzt nur das Wiſſen. Die Neunmalweiſen aber ſind Feinde der Tat. Was wir brauchen, iſt Inſtinkt und Wille.
(Aus der Rede Adolf Hitlers in München am 27. 4. 1923)
Aus der Geſchichte der Schule.
Das Schuljahr begann mit einem Lehrerrat am Montag, den 29. April 1935, der Anterricht am Dienstag mit Gottesdienſten in Chriſtuskirche und Dom. Daran ſchloß ſich die feierliche Flaggenhiſſung, bei welcher der Anterzeichnete des Geburtstages des Führers gedachte.
Die Klaſſenzahl im verfloſſenen Schuljahr betrug 21. Alle Klaſſen der Oberrealſchule mit Ausnahme der Anterprima wurden doppelt geführt; dazu kamen die einfachen Klaſſen des Reformrealgumnaſiums von Anter⸗ ſekunda bis Oberprima.
Perſönliches.
Studienrat Göttig ſchied mit Beginn des Schuljahrs aus dem Schuldienſt aus. An ſeine Stelle trat als Geſanglehrer und Chorleiter Studienaſſeſſor Dr. Borngäſſer, bisher in Oppenheim. Keu berufen wurde Studien⸗ aſſeſſor Dr. M. Ohr, der bis dahin an der Realſchule in Schotten tätig geweſen war. Studienaſſeſſor Jung wurde vom 15. 5. bis 30. 9. zu einer 10wöchigen Alebung bei der Wehrmacht einberufen und während dieſer Zeit durch das Lehrerkollegium vertreten. Aſſeſſor Debets übernahm vom 13. 5. bis 15. 7. die Vertretung eines zur Wehrmacht einberufenen Lehrers an der Marienſchule. Studienrat Hoops war krankheitshalber vom 17. 0. bis 7. 7., Profeſſor Fauſtmann von den Sommerferien bis Oſtern, Zeichenoberlehrer Kroſt vom 13. 11. bis Weihnach⸗ ten beurlaubt. Er wurde durch Studienaſſeſſor Hach, Profeſſor Fauſtmann durch die Kapläne Hilf und Bang⸗ Kaup vertreten. Die Erteilung der ſeit 1. 11. eingerichteten dritten Turnſtunde wurde Studienaſſeſſor Fritz Frey (vom Adam⸗Karrillon⸗Gumnaſium) mit 12 Stunden und Studienaſſeſſor Hans Gathmann mit 7 Stunden über⸗ tragen. 4. In das pädagogiſche Seminar traten an Oſtern ein die Studienreferendare Felix Baumann, Bruno Koth, Rudolf Pennewiß, Heinrich Rhein, Martin Schick, Johann Schröder, an Herbſt Peter Acker, Karlheinz Etz, Lud⸗ wig Dippell, Wilhelm Hartenberg, Georg Hartmann und Eugen Ochſenreither. Nach beſtandener Staatsprüfung wurden zu Studienaſſeſſoren ernannt die Referendare Albert Brunn, Dr. Joſef Fiſcher, Dr. R. Eichberger, Herm. Linck, Fritz Rheinfurth, Margarete Roch und Walter Schertz. Studienaſſeſſor Dr. Wilhelm Buſch ging an die Hochſchule für Lehrerbiloͤung in Frieoͤberg(ſpäter Darmſtadt) über, Referendar Dambron ans Realgumnaſium Mainz, Vetter ans Adam⸗Karrillon⸗Gumnaſium in Mainz, Lenz an die Oberrealſchule Offenbach, Preiß und Petri an die Oberrealſchule Worms. zZur Erteilung der dritten Turnſtunde wurde Referendar Reinhard der Aufbauſchule in Frieoͤberg, Aſſeſſor Rheinfurth dem Gumnaſium in Bingen überwieſen.
Vom Geiſt unſerer firbeit.
Am die neuen, die Erziehung im Dritten Reich beſtimmenden Gedanken verwirklichen zu helfen, wurde im verfloſſenen Schuljahr eine Reihe von Keuerungen eingeführt. Nachdem der Führer ſeinem Volke die Wehrfreiheit wiedergeſchenkt hatte, war es Pflicht der Schule, im geſamten Anterricht den Geiſt der Wehrhaftigkeit zu pflegen. Dieſem zwecke ſollte auch ein im Keller der Schule eingerichteter Schießſtand dienen, der allen Anforderungen des Sports und der Sicherheit entſpricht. Er iſt amtlich von Baupolizei und Kreisamt abgenommen, hat eine Länge von faſt 50 Meter und beſitzt Anzeigerdeckung, Vorrichtung zum Scheibenwechſel und telephoniſche Meldeanlage. Die Ausführung wurde aus den nicht ausgezahlten Prüfungsgebühren der Kichtſchüler vom Herbſt 1934 be⸗ ſtritten und ſtellt ſomit eine Stiftung der Lehrer dar. Eines der beiden Kleinkalibergewehre ſtifteten die Schüler der Anſtalt. Die Anlage wurde von der Firma Gerſter fachmänniſch ausgeführt und wird von Lehrern und Schülern eifrig benutzt..
Eine aus dem Geiſte der neuen Erziehung geborene Einrichtung ſtellen auch die Schullanoͤheimaufenthalte dar, in denen kein lehrplanmäßiger Anterricht, ſondern bodenverwurzelte, in die Werte der Heimat und des volkes einführende Gemeinſchaftserziehung getrieben werden ſoll. Leider konnte aus geloͤlichen Gründen in dieſem Jahr nur eine beſchränkte Anzahl von Klaſſen hinausgeſchickt werden. Die Erfahrungen, die auf dieſe Weiſe geſammelt wurden, ſind jedoch ſo gute geweſen, daß unter allen Amſtänden erſtrebt werden muß, die Zahl der hinausgehenden Klaſſen zu erhöhen. Wir ſind der Vereinigung ehemaliger Oberrealſchüler, die unter der Leitung von Direktor a. D. Tag ſteht, für einen namhaften zuſchuß zu den Ankoſten ſehr zu Dank ver⸗ pflichtet. Einen weiteren zuſchuß entnahmen wir der Wohlfahrtskaſſe der Schule. Durch eine inzwiſchen ein⸗ gerichtete Sparkaſſe werden die Mittel für die künftigen Schullanoheimaufenthalte zeitig geſammelt werden. Alle Klaſſen waren 14 Tage mit ihren Lehrern und 1 bis 2 Studienreferendaren in Jugenoͤherbergen unter⸗ gebracht und zwar die 41(Studienrat v. Stein) in Montabaur, 42(Reallehrer Harth) in Montabaur, 2 b1 (Studienrat Proeſcher) in Diez(Tahn), 2 b2(Studienrat Eckes) in Heppenheim, 2bs(Studienrat Mar⸗ tenſtein) in Diez(Tahn), 2a5(Studienaſſeſſor Joutz) in Montabaur. Schon länger vorbereitete Studien⸗ fahrten machten die 1al und 1a2 mit ihren Klaſſenführern, Studienrat Schreiber und Studienrat Dr. Deibel, zuſammen mit Studienrat Tölg nach München und Berchtesgaden. Auch ſie erhielten einen zuſchuß vonſeiten der Vereinigung ehemaliger Oberrealſchüler. Die 2al ging mit Studienaſſeſſor Dr. Ackermann ins befreite Saargebiet.
Liebevoll und künſtleriſch zugleich ausgeführte Fahrtberichte erzählen von der Freude der Schüler und von dem Erfolg der Einrichtung. Von dem lebendigen Fortleben der Erinnerung an dieſe erlebnisreiche zeit zeugen auch die dem Bericht beigegebenen Linolſchnitte, die aus dem Anterricht des Zeichenoberlehrers Kroſt her⸗ vorgegangen ſind und auf dieſen Fahrten gewonnene Eindrücke wiedergeben. Kückblickend läßt ſich heute ſagen, daß ein ſolches kameraoͤſchaftliches Zuſammenſein im Gemeinſchaftslager erzieheriſch von höchſter Bedeu⸗ tung iſt und tiefere Einblicke in den doch heute zur Beurteilung ſtärker herangezogenen Charakter eines Schülers gilt als jahrelanger Klaſſenunterricht. Dazu aber kommen noch die lebendigen Werte, die durch perſönliche Be⸗


