X. Der Unterricht.
Es ist immer noch nicht hinreichend bekannt, dass die Oberrealschule seit dem Erlass der neuen Lehrpläne im Jahre 1925(Lehrpläne für die höheren Schulen im Volksstaate Hessen, Darm- stadt, Staatsverlag), eine Doppelanstalt ist. Sie vereinigt in sich eine Oberrealschule und ein Re- formrealgymnasium. Gemeinsam haben beide die Unterstufe(Sexta bis Quarta). Dann teilen sie sich in zwei Züge, von denen der eine— die Oberrealschule— den Nachdruck auf Mathematik und Naturwissenschaften legt, der andere— das Reformrealgymnasium— auf Französisch, Englisch und Lateinisch von Untersekunda ab. Gleich stark betont sind in beiden Anstalten die Fächer Re- ligion, Deutsch, Geschichte, Geographie, Zeichnen und Turnen.—
Der Vorteil, den diese Vereinigung zweier Schultypen mit gemeinsamer Unterstufe bietet, liegt klar zu Tage. Welche Eltern könnten beim Eintritt ihres Sohnes in die Sexta mit Sicherheit sagen, welche Schulgattung der Begabung und Neigung ihres Kindes am ehesten entspricht? Wie wird sich der Junge den Fremdsprachen gegenüber verhalten? Hier wird die Entscheidung dieser wichtigen Frage um 3 Jahre hinausgeschoben. Dann haben Eltern, Lehrer und Schüler schon eher die Möglich- keit zu erkennen, was dem Jungen liegt oder wohin ihn seine Neigung zieht.
Am Ende beider Züge steht die Reifeprüfung mit ihren Berechtigungen. Im Hinblick hierauf sind alle höheren Lehranstalten grundsätzlich gleichgestellt. Dabei eröffnet das Reform-Realgym- nasium wie das Realgymnasium auch den Weg zu den akademischen Berufen, die Kenntnis des Lateinischen zur Voraussetzung haben.
In 1928 wird das Reformrealgymnasium aus den Klassen Sexta bis Obersekunda einschliess- lich bestehen, in die Schüler aufgenommen werden können.
Der Lesestoff.
Deutsch.
las Schiller: Wallensteintrilogie. Goethe: Gedankenlyrik, Torquato Tasso, Iphigenie, Faust(kurs.) Proben im Anschluss an die Literaturgeschichte aus Romantik, Realismus, Naturalismus, Ex- pressionismus, eingehender Novalis, Mörike, Kleist, Hebbel, Storm, Keller, Gerh. Hauptmann, Morgenstern.
la? Goethe: Egmont, Torquato Tasso, Faust I u. II. Shakespeare: Hamlet. Ibsen: Kronprätenden- ten. Shaw: Caesar und Kleopatra. Lyrik: Goethe, Schiller und moderne soziale Lyrik i. A.; Prosa: Metternich, Denkwürdigkeiten; Hasse, Frhr. v. Stein; Schlözer, Briefe i. A.
Schiller: Gedankenlyrik, Kabale und Liebe, Wallenstein. Goethe: Egmont, Iphigenie, Torquato Tasso, Faust. Grillparzer: Sappho. Hebbel: Agnes Bernauer. Konrad Ferdinand Meyer: Das Amulett. Gottfried Keller: Frau Regel Amrain und ihr Jüngster. Gerhart Hauptmann: Die Weber.
Ib. Lessing: Emilia Galotti, Laokoon, Hamburgische Dramaturgie, Nathan der Weise. Goethe: Werthers Leiden, Dichtung und Wahrheit, Götz von Berlichingen, Gedankenlyrik. Schiller: Räuber, Kabale und Liebe, Braut von Messina. Shakespeare: Hamlet. Mörike: Mozart auf der Reise nach Prag. Neubauer: Philosophische Grundbegriffe(Logik).
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