Jahrgang 
1928
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Am 26. Dezember 1927 verschied auf einer Erholungsreise ganz unerwartet an den Folgen einer Lungenentzündung unser hochverehrter Amtsgenosse der Studienrat

Professor Gustav Köllner.

Mit ihm ist ein Lehrer und Wissenschafter von ausgezeichneten Eigenschaf- ten, ein Mann lauterster und vornehmster Gesinnung dahingegangen, mitten heraus aus nimmermüdem Wirken im Dienst für die Schule, viel zu früh für seine Familie, seine Schüler, seine Schule.

Gustav Köllner ist am 4. Januar 1879 zu Kassel geboren. Seine Schul- ausbildung erhielt er am Realgymnasium in Giessen. Nach der Reifeprüfung bezog er die Universität Giessen, an der er die Staatsprüfung in den Fächern Mathematik, Physik und Chemie mit Mineralogie im Sommer 1900 ablegte. Die darauffolgende Seminarausbildung hält ihn noch ein Jahr in Giessen; dann

wurde er an verschiedenen Schulen Hessens verwendet, bis ihm nach sei- ner Militärdienstzeit vom 1. Oktober 1903 bis 1904 die Verwaltung einer

Lehrerstelle an unserer Schule am 7. Oktober 1904 übertragen wurde.

Ueber 23 Jahre wirkte er als Lehrer hauptsächlich der Physik an un- serer Anstalt. Viele Schülergenerationen verdanken ihm eine tiefgegründete Ausbildung in dieser Wissenschaft und genossen einen Unterricht, der in je- der Beziehung vorbildlich war. Wie selten ein Lehrer war er mit der Schule verwachsen. In rastloser Tätigkeit, die ihn die Sorge um seine Gesundheit oft vergessen liess, war er besonders auf die experimentelle Ausgestaltung seines Unterrichtes bedacht. Im Ersinnen neuer Schulexperimente, im Ausdenken neuer Versuchseinrichtungen war er Meister. Unsere Schule verdankt seinem Wirken eine grosse Anzahl physikalischer Apparate eigner Erfindung, be- sonders aber die mustergültigen elektrischen Anlagen, die nach Freigabe un- seres Schulhauses wesentlich nach seinen Angaben geschaffen wurden. Sein umfassendes Wissen auf den Gebieten der Mathematik und Physik, aber auch in anderen Naturwissenschaften machte es ihm leicht, nicht nur den Fort- schritten der Wissenschaft zu folgen, sondern auch in Lebens- und Weltan- schauungsfragen, in Fragen der Erziehung und der Unterrichtsorganisation wert- vollste Richtlinien und Urteile zu geben. Seinen Schülern war er ein Vorbild tüchtigster Arbeit und treuester Pflichterfüllung, seinen Amtsgenossen ein hochgeschätzter aufrichtiger und zuverlässiger Mitarbeiter, Berater und Freund.

Wir werden sein Andenken stets in hohen Ehren halten!