Für die Schuljahre 1927— 1930 ist eine allgemeine Versicherung aller hessischen Schüler bei der Nassauischen Landesversicherungsanstalt in Wiesbaden gegen eine Jahresprämnie von 70 Rpf durch das Landesamt für das Bildungswesen angeordnet.
Vom 25. 11. 26 ab hatten die Schüler Gelegenheit zu einem warmen Milchfrühstück, das in der Turnhalle zum Preis von 10 Rpf für den Tag verabreicht wurde. Die Kosten für die Beteiligung bedürftiger Schüler übernahm in dankenswerter Weise das städt. Wohlfahrtsamt ganz oder zum Teil. Es beteiligten sich zeitweise bis zu 300 Jungen, bis Mitte März waren etwa 18 500 Portionen ausgegeben.
Für die Benutzung des städt. Schwimmbades und der Badeanstalten der Gebr. Watrin waren unseren Schülern ermäßigte Preise eingeräumt. An der Aufbringung von Mitteln für die Hessische Künstlerhilfe und die Krüppelfürsorge be-
teiligten sich die Schüler durch eifrigen Vertrieb von Losen, ebenso nahmen sie an dem Verkauf von Wohlfahrtsmarken teil.
Ueber den Unterricht wurde oben schon kurz gesprochen. Es seien noch einige Angaben über den wahlfreien Unterricht gemacht: Am Lateinunterricht(IIb— Ia mit wöchentlich 3 Stunden) nahmen 44 Schüler teil. Die Meldungen zur Erlernung der Einheitskurzschrift in IIIb— IIb waren so zahlreich, daß 5 Kurse eingerichtet werden mußten. Die Uebungen in Physik, Chemie und Bio- logie müßten noch weiter ausgestaltet werden, wenn einmal eine Entlastung der Lehrer in der Stundenzahl eintritt. Der Werkunterricht litt noch unter dem Raummangel. Er wurde gehalten als Zusatzunterricht zum Zeichnen, in dem künstlerische Schriften, Linoleumschnitt usw. geübt wurden. Erfreulich war wieder das Ergebnis des Schwimmunterrichts, an dem alle Quartaner teil- nahmen. Mit geringen Ausnahmen lernten sie alle schwimmen. Wir bitten wieder die Eltern, ihre Jungen zur Ausübung gerade dieser körperlichen Uebung anzuhalten.
Ergänzt wurde der Unterricht durch zahlreiche Besichtigungen hiesiger Sammlungen. Wir erwähnen außerdem besonders den Besuch der Ausstellung der Reichsgesundheitswoche, des Kunst- vereins:»Die Mainzerin«, des Films»Erste Hilfe bei Unfällen« und der durch das naturhistorische Museum besorgten biologischen Lehrfilme. Dafür, daß einige unserer Klassen diese durchweg vor- züglichen Filme sehen können, schulden wir Herrn Direktor Dr. Schmidtgen wärmsten Dank. Auch der Rundfunk wurde herangezogen, indem wir ganze Klassen an dem fremdsprachlichen Un- terricht des Instituts für Erziehung und Unterricht teilnehmen ließen(s. Bild auf dem Umschlag).
Zum ersten Mal seit langer Zeit unternahm eine Klasse eine mehrtägige Reise unter der Füh- rung des Studienrats Prof. Bernhard. Sie führte ins Frankenland und vermittelte den Schülern die Kenntnis von Aschaffenburg, Würzburg, Rothenburg, Wertheim. Unter Führung von Ober- studienrat Dr. Mannheimer wurden wieder dic geologischen Aufschlüsse bei Alzey besichtigt. Um die Auffindung von Tierspuren im Rotliegenden bei Nierstein machte sich der Oberprimaner Staiger sehr verdient(Ichnia Staigeri).
In der Pflege von Turnen, Spiel und Sport bildet sich allmählich das Bestreben nach bestimm- ten Zielleistungen heraus. Wir begrüßen das, solange das Ziel nicht zu hoch gesteckt ist. Beden- ken kann. man haben gegen einige Anforderungen bei der Bewerbung um das Reichsjugendabzeichen.
Im Turnen ist das Ziel bestimmt durch die bei den Reichsjugendwettkämpfen vorgeschriebe- nen Uebungen. Wir ließen alle Schüler an den Wettkämpfen teilnehmen. 219= 59.7% genügten den Anforderungen, 22 erhielten die Ehrenurkunde des Herrn Reichspräsidenten.
Den sportlichen Anforderungen, welche die Bewerbung um das Reichsjugendabzeichen stellt, ge- nügten 35 Schüler..
Als Spiel wurde vor allem das Schlagballspiel gepflegt. Hier haben die Kämpfe um das Ban- ner des Philologenvereins aneifernd gewirkt. Unsere Mannschaft errang wohl die Meisterschaft in Rheinhessen, erlag aber der in Starkenburg siegreichen Mannschaft.


