Jahrgang 
1927
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A. Der Unterricht

Es lohnt sich, zunächst einen Blick auf die äußere, rein zahlenmäßige Entwicklung unserer An- stalt zu werfen. Als sie im Jahre 1919 geteilt wurde, wies man von den 964 Schülern 560 der Oberreal- schule und 404 der Handelsrealschule zu. Die Schülerzahl blieb mit rund 550 konstant bis zum Jahre 1923. Dann sank sie infolge zahlreicher Ausweisungen bis auf 499 in 1924, um in unserem Berichtsjahr anzusteigen auf 657. Diese Zahl ist bemerkenswert, da die Zahl der Ostern 1926 in die Sexta aufgenommenen Schüler verhältnismäßig gering war. Gehören sie doch ihrer Geburt nach in das Kriegsjahr 1916. Die starke Zunahme geht also auf Rechnung der Mittel- und Oberklassen und kann nur dadurch erklärt werden, daß die Eltern bei der Ausbildung ihrer Kinder der Tatsache Rechnung tragen, daß immer mehr Berufe von ihren Anwärtern die Reifeprüfung als Vorausset- zung der Einstellung verlangen. Man mag diese Entwicklung bedauern, auf jeden Fall wird man in den nächsten Jahren mit ihr rechnen müssen.

Interessant sind auch folgende Zahlen:

Im Jahre 1919 wurden 560 Schüler von 32 Lehrern in 18 Klassen, im Jahre 1926 657 34 in 23

unterrichtet, ein Beweis, wie stark die Finanznot des Staates in den Schulbetrieb eingreift und wie bei mindestens gleicher Zielleistung die Anforderungen an den einzelnen Lehrer gesteigert sein müssen, wenn auf ein Anwachsen um 5 Klassen mit etwa 165 Stunden zwei neue Lehrkräfte mit höchstens 50 Stunden entfallen. Es ist Zeit, daß die Frage nach den Grenzen dieser Entwicklung gestellt wird.

Die innere Entwicklung der Anstalt ist bestimmt durch die neuen Lehrpläne(erschienen im Hess. Staatsverlag unter Schulwesen IIIa), die Ostern 1926 in Kraft traten, ferner durch Angliede- rung eines Reformrealgymnasiums, zu dessen zwei Klassen(IIIa und IIIb) von Ostern ab eine IIb treten wird. In dieser Klasse beginnt der Unterricht in Latein. Der Zudrang zu den Reformklassen war stark, ein Beweis dafür, daß die Eltern gern von der Möglichkeit Gebrauch machen, nach drei- jähriger Beobachtung ihrer Jungen(VI IV) den weiteren Weg nach Neigung oder Begabung des Schülers zu wählen.

Liegt bei diesen Klassen der Nachdruck bei den Sprachen, so betont die Oberrealschule vor allem die Unterweisung in Mathematik und den Naturwissenschaften. Besonders diesem Unterricht stellten sich im Berichtsjahre noch starke räumliche Hindernisse entgegen, da wir wider Erwarten noch das ganze Jahr hindurch dieselben Räume wie im Vorjahr dem Realgymnasium zur Verfü- gung stellen mußten. Das wird sich mit Ostern 1927 ändern. Von da an hoffen wir, gefördert durch das verständnisvolle Entgegenkommen der städtischen Behörden, gerade den Naturwissenschaf- ten, der Geographie und der angewandten Mathematik aus ihrer Enge heraushelfen zu können.

Was von diesen Fächern gesagt werden mußte, gilt auch von der körperlichen Ertüchtigung der Jugend durch Turnen, Sport und Spiel. Auch dabei wurde von allen Beteiligten die überstarke Belegung der Turnhalle und des knappen Spielraums im Hof als Hemmnis empfunden.