Jahrgang 
1915
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Heeresdienst, die meisten davon im elde. Manche sind gefallen, eine Anzahl ist ver- wundet; mehrere haben sich das eiserne Kreuz erworben. Sogar ein Ober- und ein Unter- tertianer folgten freiwillig dem Ruf des Vaterlands. Wer nicht die Waffen tragen konnte, stellte sich dem Roten Kreuz, der Jungwehr, der Erntearbeit zur Verfügung. Ein Lehrer und 56 Schüler helfen beim Roten Kreuz, vier Lehrer und 153 Schüler gehören der Jung- wehr an, 168 Schüler halfen bei den Erntearbeiten. An der Büchsensammlung für das Rote Kreuz beteiligten sich 111 Schüler, 88 Schüler sammelten die Wollsachen in der Reichs- wollwoche, und 105 Schüler waren bei der Mehl- und Getreideaufnahme an mehreren Tagen tätig. Dem Kgl. Gouvernement lieferten wir etwa 5000 von Schülern gesammelte Patronen und Munitionsteile ab.

Auch die Goldsammlung brachte einen reichen Ertrag. Nicht weniger als 30 000 Mark Gold konnten der Reichsbank zugeführt werden. Selbst die Kleinsten der Sexta schleppten unermüdlich herbei, was sie an allen Ecken und Enden ergattern konnten. Ein freier Tag und ein erquickender Frühlingsspaziergang waren der Lohn für die treue, opfer- willige Tätigkeit. Glücklich das Volk, wo solche Kräfte in der Jugend schlummern!

Schon am Morgen des ersten Mobilmachungstages legte die Militärbehörde ihre Hand auf das Gebäude der Oberrealschule. Es diente vier Wochen lang als Massenquartier für die auf- marschierenden Truppen. Wo sonst die Musen ihres friedlichen Amtes walteten, entfaltete sich ein bewegtes kriegerisches Leben. Erst am Ende des Monats August gelang es, das Haus wieder für den Unterricht frei zu machen. Auch die alte Schule in der Steingasse war militärisch belegt, und die abgezweigten Klassen mussten wieder in das Mutterhaus zurück- genommen werden, wo sie jetzt noch weilen.

Der Stundenplan erfuhr durch die Einberufung von insgesamt 33 Herren mannigfache Aenderungen und Verschiebungen. Der Zeichenunterricht musste stark eingeschränkt werden und der evangelische Religionsunterricht konnte nur durch die opferwillige Unterstützung der Herren Prof. Stempel vom Neuen Gymnasium, Prof. Upken und Referendar Schmahl vom Realgymnasium und Pfarrer Palmer aus Herisau in der Schweiz, der sich seinem Heimat- land für die Krankenpflege und Seelsorge zur Verfügung gestellt hatte, teilweise aufrechter- halten werden. Ehre und Dank gebührt diesen hülfsbereiten Seelsorgern. Möge die Saat, die sie gesät haben, reiche Früchte tragen.

Am 10. August fand die Notreifeprüfung der ins Heer eintretenden Oberprimaner statt. Ihr unterzogen sich alle Schüler der beiden Oberprimen. Im gleichen Sinne wurde den zum Heer einrückenden Unterprimanern die Reife für Oberprima, den Obersekundanern die Reife für Unterprima und den Untersekundanern die Reife für Obersekunda zuerkannt. Namen und Zahl können aus den beigefügten Tabellen ersehen werden. Nur 5 Oberprimaner waren schliesslich noch in der Anstalt. Sie legten im Februar 1915 die ordentliche Reife- prüfung ab und wurden sämtlich von der mündlichen Prüfung befreit.

Am Geburtstag Sr. Königl. Hoheit des Grossherzogs beleuchtete Herr Professor Heyder die tieferen Ursachen des Weltkriegs 1914, bei der Kaiserfeier am 27. Januar 1915 entwarf Herr Prof. D. Dr. Friedrich ein markiges Lebensbild des General- feldmarschalls Hindenburg und bei Bismarcks Jahrhundertfeier am 27. März 1915 wird Herr Prof. Hilsbos Leben und Wirken des grossen Kanzlers unserer Jugend vorführen.

Schlulspaziergänge fanden statt: am 30. April 1914(Tagesausflug), ferner am 26. Juni, am 19. November und am 25. März. Als Anerkennung für die eifrige Tätigkeit unserer Schüler beim Goldsammeln wurde der 22. März 1915 schulfrei gegeben.

Wegen grosser Hitze wurde der Unterricht ausgesetzt am 30. Juni Nachmittags, am 1., 2., 3., 6., 7., 13., 14. Juli von 11 Uhr ab. Zum Schlittschuhlaufen war in dem milden Winter keine Gelegenheit.