Jahrgang 
1915
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IV. Zur Geschichte der Anustalt.

Zu Beginn des Schuljahrs wurden 8 Klassen der Oberrealschule in das seitherige Gebäude des Realgymnasiums in der Steingasse verlegt. Es waren die Klassen VI=, VI; Va, Vi; IVe, IV und UIIl⸗, UIII.. Die Dienstaufsicht über die Zweiganstalt in der Steingasse wurde durch Verfügung des Ministeriums Herrn Professor Uebel übertragen. Es wird jedoch ausdrücklich bemerkt, dass die abgezweigten Klassen nach wie vor zur Oberrealschule gehören, deren Leiter auch die Oberleitung über sie für die nächsten Jahre beibehält. Daher bleibt auch der Anschluss von Klasse zu Klasse gewahrt, insbesondere auch der Uebergang von Untersekunda nach Obersekunda. Der Lehrplan der Zweiganstalt berücksichtigt von Untertertia an die Bedürfnisse der künftig in den kaufmännischen und gewerblichen Beruf eintretenden Schüler. Das Französische beginnt in Sexta, das Englische in Quarta.

Zu Professoren wurden ernannt Herr Oberlehrer Koellner am 1. April, Herr Ober- lehrer Dr. Daudt am 1. Mai, Herr Oberlehrer Faustmann am 1. Juni 1914; zum Ober- lehrer Herr Assessor Schneider am 19. Dezember 1914; zu Assessoren die Herren Referendare Gallei und Sinn am 1. April, die Herren Referendare Grundberger, Wilhelm Krauss, Walter Krauss, Mann, Metzler am 1. Oktober 1914.

Versetzt wurde zu Beginn des Schuljahrs Herr Oberlehrer Dr. Seitz an das Gross- herzogl. Realgymnasium zu Mainz. An seine Stelle kam Herr Assessor Dr. Völcker aus Dieburg, seither an der Liebigs-Oberrealschule in Darmstadt.

Wegen Krankheit wurde Herr Professor Schleussner bis zum Beginn des Winter- halbjahrs weiter beurlaubt. Sein Vertreter blieb wie seither Herr Assessor Jochem aus Laubach. Herr Assessor dicke übernahm vom 4. Mai bis zu den Juliferien eine Vertretung an der Eleonorenschule zu Worms. Herr Assessor Sinn kehrte mit dem neuen Schuljahr nicht mehr an die Anstalt zurück, sondern kam an die höhere Bürgerschule zu Ober-Ingelheim.

An den Kriegsspielen des Jungdeutschlandbundes beteiligten sich freiwillig zahl- reiche Schüler; an der grossen Geländeübung im Taunus bei Georgenborn am 24. Mai 1914 nahmen über 100 Schüler unter Leitung des Herrn Prof. Dr. Schmitt als geschlossene Gruppe teil.

Zu der bekannten Mainzer Regatta am 20. und 21. Juni waren auf Einladung des Rudervereins 400 Schüler erschienen, geführt von Herrn Referendar Grundberger.

Bei der Einweihung des neuen Turnplatzes des Mainzer Turnvereins beteiligten wir uns mit 3 Stafetten aus den oberen und mittleren Klassen. Leider gelang es uns trotz der guten Durchbildung unserer Mannschaften unter den Herren Prof. Dr. Schmitt und Ober- lehrer Lust nicht, einen Preis zu erringen, da unsere Gegner den gestellten Bedingungen nicht entsprachen.

Die Teilnahme an dem geplanten Fest der Turnvereine auf der Landskrone bei Oppenheim, zu dem wir für alle Uebungen unter guten Aussichten gemeldet hatten, machte leider der inzwischen ausgebrochene Krieg unmöxlich.

Wie ein blutiger Feuerschein stand im Juli der furchtbare Mord in Bosnien am politischen Himmel Europas. Ein lähmendes Entsetzen erfüllte die Gemüter. Es war die Schwüle vor dem Sturm. Wie ein befreiendes Aufatmen ging es durch alle deutschen Herzen, als an jenem ewig denkwürdigen Augusttage das Vaterland seine Söhne zu den sieggewohnten Fahnen rief. Vergessen war der Hader der Parteien, es gab nur noch Deutsche, und nur ein Gedanke glühte in Allen: Das Naterland ist in Gefahr, wir müssen kämpfen für Haus und Herd, für Weib und Kind, es geht um Sein oder Nichtsein.

Begeistert und opfermutig eilten Lehrer und Schüler zu den Waffen. Nicht weniger als 33 Lehrer und 62 Schüler der Mainzer Oberrealschule stehen zur Zeit im