Jahrgang 
1926
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Zur Geſchichte der Schule.

Das Schuljahr 1925/26 wurde am 20. April mit einer Sitzung des Geſamtlehrerrats eröffnet, an welche ſich die Aufnahmeprüfungen für die einzelnen Klaſſen ſchloſſen.

Am ſelben Tage kehrten unſere letzten Ausgewieſenen, die Studienräte Dr. Reis und Überle, wieder zu uns zurück.

Frl. Eliſabeth Damm übernahm auf landesamtliches Geheiß auch weiterhin die Vertretung der zu Wandervorträgen im Dienſte der Alkoholabwehrbewegung beurlaubten Lehrerin Maria Lehne, die Schulamtsanwärterinnen Murmann und Saalwächter begannen ihr zweites Hoſpitantenjahr an unſrer Anſtalt, und die techniſche Anwärterin Eliſabeth Lehr ſuchte in unſerm Turnunterricht Übung und Vertiefung ihrer Lehrfähigkeit.

Durch die Neuordnung des Unterrichtsweſens wurde unſere 7 ſtufige höhere Mädchenſchule in eine 6 ſtufige, Lyzeum genannt, umgewandelt, d. h. deren unterſter Jahrgang, die Parallelklaſſen Sexta (VI¹) und Sexta(Vl) gebildet.

Dem Mitte Mai errichtetenPädagogiſchen Inſtitut Mainz bei der Techniſchen Hochſchule Darmſtadt ſtellten wir in unſerm Hauſe 5 Räume als Amtszimmer und Hörſäle zur Verfügung.

Da in unſeren Reihen die geeignete Lehrperſon für die Erteilung des Stenographieunterrichts fehlte, fand ſich Herr Lehrer Schöpp in dankenswerter Weiſe bereit, die Schülerinnen unſrer 2. und 1. Klaſſen mit der Reichskurzſchrift bekannt zu machen.

Anläßlich der Amtsübernahme des Herrn Reichspräſidenten von Hindenburg fiel am 12. Mai der geſamte Unterricht aus.

Am 18. Mai verſchied nach ſchwerer Erkrankung die Schülerin der Klaſſe 4 d, Margarete Strauß, ein braves, beſcheidenes Kind, dem die Vorboten des frühen Todes ſchon länger Jugendluſt und Lebensfreude genommen hatten.

Der allgemeine Schulausflug führte am 26. Mai unſere Schülerinnen in die ſchönen Gaue des Rhein⸗ und Neckartales, ſowie auf vie Taunus⸗ und Odenwaldberge.

Die Schule beſuchte alsdann am 28. und 29. Mai in den hieſigenUnion⸗Lichtſpielen den intereſſanten FilmDie Wunder des Amazonenſtroms

Der feierlichen Einführung des neuen Superintendenten für Rheinheſſen, des Oberkirchenrats Rudolf Zentgraf, wohnten am Vormittag des 9. Juni der Direktor, die evangeliſchen Lehrkräfte und Schülerinnen unſerer Anſtalt bei.

Mit Genehmigung des Landesamts hielten wir anſtatt des allgemeinen Jugendfeiertags einen auf die Jahrtauſendfeier der Rheinlande abgeſtimmten Feſtakt. Die Gedenkrede des Herrn Dr. Reis war von Chorgeſängen und Gedichten paſſend umrahmt.

Auch in dieſem Jahre konnte durch die Bereitwilligkeit derMainzer Kinderhilfe einer größeren Anzahl unſerer Schülerinnen ein Erholungsaufenthalt an der See und im Gebirge werden; andere Kinder, vor allem ſolche der Grundſchulklaſſen, beteiligten ſich an den von der gleichen Wohlfahrtsſtelle eingerichteten Ferienwanderungen in den Gonſenheimer Wald, wo ihnen täglich eine kräftige Mahl⸗ zeit geboten wurde.

Einen mehrwöchigen Urlaub erhielten im Anſchluß an die Sommerferien die Damen Dr. Herr⸗ mann und Schalk, die Studienfahrten nach London bezw. Genf unternommnn hatten.

Im Mittelpunkt der Verfaſſungsfeier am 11. Auguſt ſtand die Rede des Herrn Dr. Bell, deren Wirkung durch der Feſtlichkeit angepaßte Sprechchöre und Gedichte erhöht ward.

Am 18. Auguſt hörten die Schülerinnen unſerer Oberklaſſen den ausgezeichneten Experimental⸗ vortrag des Privatgelehrten Dr. Seeger über flüſſige Luft, ihre Herſtellung und Verwendung.