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den Vormittagen des 4.—7. Juli in das für die hiesigen höheren Lehranstalten bestimmte(dritte) Spruchband klassenweise je einen Nagel einschlugen.
Auch am Erfolge der 5. Kriegsanleihe hatte unsre Schule ihren bescheidenen Anteil. Wie im vorigen Jahre, so führte auch diesmal wieder Frl. Sichel die geschaftliche Regelung der Angelegenheit in musterhafter Weise durch. Am 26. September konnte sie 9363 M. an die städtische Sparkasse abführen. Unterstützt wurde sie in ihren Bemühungen von sämtlichen Klassenführern und führerinnen, insbesondere aber noch von Frl. Litzendorff sowie den Herrn Assessor Würtenberger und Reallehrer Kempf.
Am 25. November, dem Geburtsfeste Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs, und an dem darauffolgenden Sonntag veranstaltete der Kreisverein Mainz vom Roten Kreuz in unsrer Stadt und in dem Landbezirk des Kreises einen allgemeinen Opfertag für die Zwecke des Roten Kreuzes. Dem Wunsche der Veranstalter entsprechend beteiligten sich auch Schülerinnen unsrer Oberklassen, im ganzen etwa 40, an den Haussammlungen, auf deren Wichtigkeit man zuvor durch ein in sämtlichen Schulen verteiltes Werbegedicht die weitesten Kreise der Bevölkerung aufmerksam gemacht hatte.
Ihren Höhepunkt erreichte die vaterländische Betätigung unsrer Schülerinnen auch in diesem Jahre wieder mit der Weihnachtsspende zu Gunsten unsrer im Felde befindlichen Lehrer und ihrer unterstützungsbedürftigen Kameraden. Eine zu diesem Zweck in allen Klassen vorgenommene Geldsammlung, an der sich selbstverständlich auch die Lehrer und Lehrerinnen der Anstalt beteiligten, lieferte den ansehnlichen Betrag von 515,60 M., für den nun alles mög- liche— auch Ess- und Trinkbares angeschafft wurde. Dazu kamen noch viele selbstgefertigte Geschenke unsrer Schülerinnen, z. T. von sinnigen Gedichten und kindlichen Sprüchlein begleitet, namentlich aber auch eine stattliche Anzahl wertvoller Gebrauchsgegenstände als Beitrag der Eltern unsrer Mädchen sowie ein reicher Zigarrenvorrat als Spende des Roten Kreuzes. So konnten wir denn am 24. November, trotz der vielfach herrschenden Knappheit, auch diesmal wieder eine umfangreiche Weihnachtsausstellung aufbauen, deren Anblick unsre Schülerinnen für ihre Bemühungen reichlich entschädigte und ihnen zugleich den Erfolg gemeinsamer Betätigung des Opfersinns an einem lehrreichen Beispiel vor Augen führte. Schon in den nächsten Tagen wanderten sämtliche Herrlichkeiten, in Kisten verpackt, nach den verschiedensten Teilen der Front, wo sie fast alle noch vor dem Weihnachtsfeste in die richtigen Hände gelangten; im Laufe des Januar erhielten wir dann aus dem Felde eine Fülle von Briefen und Postkarten, in denen die Freude und Dankbarkeit der Empfänger lebhaft zum Ausdruck kam. Wir möchten aber die Gelegen- heit nicht vorübergehen lassen, ohne allen denen, die sich um das Zustandekommen dieser Weihnachtsspende verdient gemacht haben— den Kleinen und den Großen, den Schülerinnen und deren Eltern und nicht zum wenigsten unsren Lehrerinnen, die alles bis ins einzelne durch- dacht und mit eifrigem Bemühen durchgeführt haben— hier auch unsrerseits für ihre Unter- stützung den wärmsten Dank auszusprechen.
Wenn wir schließlich noch der verschiedenen Anregungen gedenken, die im Laufe des Schuljahrs von staatlichen und städtischen Behörden zum Sammeln und Verwerten sonst meist unbeachteter Gegenstände(Obstkerne, Gummiwaren, Weißblech- und Zinnsachen, gebrauchte Briefmarken usw.) im Interesse der Volkswirtschaft gegeben wurden, und wenn wir zugleich ver- sichern, daß jenen wenigstens ein großer Teil unsrer Schülerinnen auch das richtige Verständnis entgegenbrachte, das sie veranlaßte, auch auf diese Weise ihre Kräfte in den Dienst der Allge- meinheit zu stellen, so glauben wir das Thema dieses zweiten Abschnitts unsrer Schulgeschichte nunmehr erschöpfend behandelt zu haben.*)
*) Auch diesmal hat Herr Major Guido von Gillhausen aus Wiesbaden uns wieder mit zwei dankenswerten Gaben erfreut:„Harret aus“ und„Deutsches Trutzlied“, von dem Verfasser selbst vertont, die wir, soweit der Vorrat reichte, unter unsre Schülerinnen verteilen ließen.
Den von hellflammender Entrüstung über die Ablehnung des Friedensangebots inetohenen lanuer⸗ Aufrul unsres Raisers„An das deutsche Volk“ hat die städtische Verwaltung in Gestaſt eines Gedenk- blatts vervielfältigen lassen; von unsren Schülerinnen wurde jeder ein Exemplar desselben eingehändigt, wofür wir im Namen der Emplängerinnen nachträglich hier unsren besten Dank aussprechen. Zu S. 7(unten) bemerken wir noch nachträglich, daß auch Herrn Rektor Heeß am 13. III. 1917 anläßlich des Regierungsjubiläums von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog das Ritterkreuz II. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen wurde.


