IlI. Zur Geschichte der Schule.
I. Der Verlauf des Schuljahres. Unter den Begebenheiten des vorigen Schul- jahrs ist die Ernennung des Herrn Oberlehrers Petersohn zum Professor noch nachträglich zu erwähnen; sie erfolgte am 1. April, als der Jahresbericht bereits gedruckt war.
Das Schuljahr 1916/17 wurde am 1. Mai mit einer Sitzung des Lehrerrats eröffnet.
Herr Oberlehrer Dr. Lorge sowie die Herrn Lehramtsassessoren Hallstein und Nolda nahmen mit Beginn des Schuljahrs ihre Lehrtätigkeit wieder auf, nachdem die Militärbehörde sie kurz zuvor für den Schuldienst freigegeben hatte. Gleichzeitig traten die Herrn Assessoren Friedrich Michel aus Darmstadt und Wilhelm Diepenbach aus Mainz sowie die Schul- verwalterin Frl. Marie Steigerwald aus Mainz als weiterer Ersatz für einberufene Amtsgenossen in unsren Lehrkörper ein, während Herr Assessor Fluch(vergl. S. 13 des vorigen Jahresberichts) durch ministerielle Verfügung vom 29. April an die Großh. Realschule zu Oppenheim versetzt wurde.— In der Frauenschule übernahm Herr Dr. Hensay von Ostern an wieder den Unter- richt in Gesundheitspflege, den er beim Ausbruch des Krieges an Herrn Dr. Oskar Bach ab- getreten hatte.
Zu großem Danke fühlen wir uns Herrn Direktor Dr. Schmidtgen gegenüber ver- pflichtet, der die Güte hatte, auch im abgelaufenen Schuljahre wieder einige biologische Unterrichts- stunden an unsrer Studienanstalt zu übernehmen(vergl. S. 12 des Jahresberichts von 1915/16).
Eine neue Erscheinung in der hessischen Lehrerinnenwelt ist die Lehramtsreferendarin. Durch Verfügung Großh. Ministeriums vom 17. April bezw. 2. Oktober 1916 wurden nach be- standener Oberlehrerprüfung Frl. Hildegard Kullmann und Frl. Paula Geißler unsrer Schule zur Ableistung des ersten Jahres des Vorbereitungsdienstes überwiesen. Wir erblicken in dieser Maßnahme den ersten Schritt zur Gründung eines Pädagogischen Seminars für Oberlehrerinnen.
Aus Gesundheitsrücksichten waren Frl. Nauheimer für die Dauer des ganzen Schul- jahrs, Herr Reallehrer Müller während des Sommerhalbjahrs und Frl. Meinhardt füf die Zeit vom 22. August 1916 bis zum 1. April 1917 beurlaubt. Ihre Unterrichtsstunden wurden von einzelnen Mitgliedern des Kollegiums übernommen. Wegen vorübergehender Erkrankung mußten Herr Professor Dr. Lehnert und Frl. Wetter vom 10. bis zum 23. bezw. 24. August ihren Unterricht aussetzen, ebenso vom 27. Juni bis zum 12. Juli und dann noch einmal vom 14. Ok- tober bis zum 24. November Frl. Bero, vom 26. Februar bis zum Schlusse des Schuljahrs Herr Professor Becker.
Am 15. Juni wurde Herr Prof. Dr. Ledroit zum Direktor der Großh. Realschule zu Gernsheim ernannt. Sein Weggang bedeutete einen schwer zu ersetzenden Verlust für unsre Lehranstalt, mit der er durch langjährige, reich gesegnete Wirksamkeit aufs innigste verbunden war. Mit aufrichtigem Bedauern sahen wir ihn deshalb aus unsrer Mitte scheiden, was der Unter- zeichnete am 23. September dem„hochgeschätzten Freunde und Kollegen“ gegenüber unter gleichzeitiger UÜberreichung eines kleinen Andenkens an seine Mainzer Lehrtätigkeit im Namen des Lehrerrats zum Ausdruck brachte. Möge Herr Direktor Ledroit in der neuen Lebensstellung sich bald ebenso heimisch fühlen wie in der ihm lieb gewordenen alten!
Am 11. August wurde Herr Professor Klinger zum Heeresdienst einberufen; zu seinem Stellvertreter ernannte Großh. Ministerium Herrn Lehramtsassessor Otto Heid aus Horrweiler, bisher in Bremen an einer Privatmädchenschule tätig.
Die Wiederimpfung der 1904 geborenen Schülerinnen nahm am 22. August Herr Geh. Obermedizinalrat Dr. Hauser aus Darmstadt vor und acht Tage später auch die übliche Nachschau.
Herr Geh. Oberschulrat Block beehrte am 2. Juni, 20. September und 21. November unsre Anstalt mit seinem Besuche.


