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1893 bis 1895 als Verwalter einer Lehrerstelle zu Sprendlingen(Kreis Offenbach), dann aber, nach bestandener Staatsprüfung, von 18905— 1900 als provisorisch und von dieser Zeit an als definitiv angestellter städtischer Gesanglehrer an der Mädchen-Volksschule zu Mainz tätig, bis er durch Dekret vom 530. März 1911 zum Reallehrer an der hiesigen Höheren Mädchenschule ernannt wurde.
Elisabeth Waltzinger, geb. zu Mainz am 50. Mai 1888, besuchte von Ostern 18904— 1904 die hiesige Höhere Mädchenschule und bestand nach dreijähriger Zugehörigkeit zu dem mit dieser Anstalt verbundenen Lehrerinnen-Seminar am 4. März 1907 die Entlassungsprüfung. Sie beschäftigte sich hierauf mit der Erteilung von Privatunterricht, bis sie von Januar ſbis Ostern 1908 als Hilfslehrerin an der hiesigen Höheren Mädchenschule verwandt wurde. Von April bis Oktober 1908 weilte sie zur Ver- vollkommnung ihrer Sprachkenntnisse im St. Alban's College zu London und nahm danach eine Stelle als Hauslehrerin auf einem Gute in Dittelsheim(Rheinhessen) an. Dort blieb sie bis Juli 1900. Hierauf beschäftigte sie sich wieder ein Jahr lang mit der Erteilung von Privatunterricht und war dann vom Juni 1910 bis zum April 1911 als Hilfslehrerin an der„Freiherr vom Stein-Schule“ in Biebrich a. Rh. tätig. Durch ministerielle Verfügung vom 30. März 1911 wurde sie zur Schulverwalterin an der hiesigen Höheren Mädchenschule ernannt.
Der von der Stadt gemietete I. Stock des Bergolthschen Hauses diente im abgelaufenen Schuljahre den Klassen 7 abd als Unterkunftsraum. Die Unterrichtspausen verbrachten die Kinder jedoch in der Regel im Schulhofe; nur bei ganz schlechtem oder sehr kaltem Wetter blieben sie während der Pausen entweder in ihren Zimmern oder in der Eingangshalle der Bergolthschen Hofreite.
Am 26. April, mittags 12 Uhr, fand die feierliche Eröffnung der neugegründeten Frauen- schule statt; näheres hierüber bitten wir auf S. 18 dieses Jahresberichtes nachzulesen.
Der übliche Schulausflug wurde am 17. Mai ausgeführt. Seminar und Frauenschule machten eine Rheinfahrt nach Bacharach, die Klassen lab besuchten das Forsthaus Einsiedel bei Darmstadt, 2 abc die Bergstrasse mit dem Ziele Auerbach und 3 abc von Homburg aus die Saalburg und deren Umgebung. Die Schülerinnen der Mittel- und Unterstufe sowie der Vor- schule machten kürzere Ausflüge und waren darum auch gegen 1 Uhr wieder zu Hause.
Auf ärztliche Anordnung hin liess sich der Unterzeichnete von Grossh. Ministerium acht Tage vor und acht Tage nach den Pfingstferien zu seiner Erholung beurlauben. Während seiner Abwesenheit leitete Herr Prof. Dr. Ledroit die direktorialen Dienstgeschäfte.
Dass die Stadt Mainz keine Ausgaben scheut, wenn es gilt, das Wohl der Schule zu fördern, durften wir auch im abgelaufenen Schuljahre wieder mehrfach erfahren. Unsrem Antrage entsprechend wurde die Zeichenlehrerin Frl. H. Klein vom 6. Mai bis zum 12. Juli von Grossh. Ministerium zu einem Studienaufenthalt in ltalien beurlaubt; die aus ihrer Vertretung erwachsenden Unkosten übernahm die Stadt.— Ausserdem bewilligte diese Herrn Oberlehrer Dr. Lehnert ein Reisestipendium zum Zwecke eines achtwöchigen Aufenthalts in England und ermöxglichte es schliesslich durch Gewährung einer entsprechenden Geldentschädigung zweien unserer Lehrerinnen, Frl. Schoeppler und Frl. Tugend, von hier aus wöchentlich zweimal an einem Fröbelkurs in Wiesbaden teilzunehmen.— In jeder derartigen Unterstützung unsrer auf die Hebung der Schule gerichteten Bestrebungen erblicken wir ein wertvolles Zeichen treuer Fürsorge für unsre Anstalt und verfehlen darum auch nicht, der städtischen Verwaltung, insbesondere dem Kuratorium, für die bewiesene Opferwilligkeit unsren wärmsten Dank auszusprechen.
Während ihrer Abwesenheit wurde Frl. H. Klein von Frl. Wolf-Malm aus Wiesbaden vertreten; in die Unterrichtsstunden des Herrn Lehnert teilten sich einige Mitglieder des Kollegiums; für Frl. Schoeppler und Frl. Tugend war eine besondere Vertretung nicht notwendig, da die Fröbelunterweisungen nur nachmittags stattfanden.
Die Wiederimpfung der 1899 geborenen Schülerinnen erfolgte am 3. Juli; an sie schloss sich am 10. Juli die amtlich vorgeschriebene Nachschau an.


