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13. Oktober statt. Das Herrn-Kollegium sowie die Schülerinnen der Klassen, in denen der Ver- ewigte zuletzt Unterricht erteilt hatte, unter Aufsicht ihrer Klassenführer und-führerinnen, geleiteten sie zum Bahnhof, wo eine kurze Trauerfeier stattfand. In seiner Ansprache hob der Unterzeich- nete Kempfs Verdienste um die Schule, an der er vom ersten Tage ihres Bestehens an gewirkt hat, in anerkennender Weise hervor und wies dabei namentlich darauf hin, mit welcher Uneigen- nützigkeit und edlen Begeisterung er vor Jahren schon dem Jugendspiel an unserer Schule Eingang verschafft hatte, zu einer Zeit, in der man diesem allenthalben noch ziemlich gleichgültig gegen- überstand. Ein Kranz, von dem Unterzeichneten im Namen des Lehrkörpers am Sarge des Entschlafenen niedergelegt, gab von der hohen Wertschätzung Zeugnis, deren sich der Heim- gegangene unter seinen Berufsgenossen und genossinnen bei Lebzeiten zu erfreuen hatte. Ebenso brachten die Schülerinnen durch zahlreiche Kranzspenden ihre Verehrung für den Ver- storbenen zum Ausdruck.
Auf seinen Wunsch nahm Herr Reallehrer Schader vom 18. Oktober bis zum 14. November an einem von dem Grossh. Turninspektor, Herrn Schulrat Schmuck, veranstalteten Turnkursus in Darmstadt teil.
Vom 3.— 22. November war Frl. Walther durch Krankheit an der Ausübung ihrer Berufstätigkeit verhindert..
Am 10. November wurde auf Anordnung der obersten Schulbehörde die 150. Wiederkehr des Geburtstags Friedrich Schillers festlich begangen. Die Schülerinnen des Seminars und der Klassen la—5 abc versammelten sich in der letzten Unterrichtsstunde im grossen Turnsaal der Anstalt, wo nach dem Vortrag einer Anzahl Schiller'scher Gedichte Herr Oberlehrer Dr. Wimme- nauer zunächst kurz die Wandlungen kennzeichnete, welche die Beurteilung Schillers, des Dichters, während des 19. Jahrhunderts erfahren hat, und dann darauf hinwies, dass Schiller, der grosse, heroische Willensmensch, für alle Zeiten jedenfalls vorbildlich bleiben werde. Mehrstimmige Gesänge, von Herrn Reallehrer Keller eingeübt, trugen zur Verschönerung der Feier bei.
Herrn Professor Dr. Ledroit wurde am 25. November von Sr. Königlichen Hoheit dem Grossherzog das Ritterkreuz I. Klasse des Verdienstordens Philipps des Grossmütigen verliehen.
Die Schulfeier an diesem Tage wie auch die am 27. Januar wurde in herkömmlicher Weise abgehalten, beide Male in Anwesenheit des Herrn Oberbürgermeisters Dr. Göttelmann. Am Geburtstag des Landesfürsten brachte die Festrede des Herrn Oberlehrer Becker einen Vergleich zwischen Ludwig J. und unserem Grossherzog Ernst Ludwig; anknüpfend an eine Charakteristik unseres Kaisers sprach dann Herr Oberlehrer Dr. Lorge am 27. Januar über die Bedeutung der Religion für Familie und Staat.
Mehrere Mitglieder des Kuratoriums wohnten, einer Einladung des Unterzeichneten folgend, am 9. Februar in einigen Klassen dem Zeichenunterricht bei.
Vom 17. Februar bis zum Schlusse des Schuljahrs musste Herr Reallehrer Schader krankheitshalber beurlaubt werden.
Die Entlassungsprüfung der Seminaristinnen begann am 1. Februar mit den schriftlichen Arbeiten; es folgten die Turn- und Zeichenprüfung am 25., die Unterrichtsproben am 28. Februar, das mündliche Examen am 1. März, letzteres unter dem Vorsitz des zum Regierungskommissär ernannten Direktors der Anstalt. Der Religionsprüfung wohnten die Herrn Superintendent Euler aus Darmstadt und Prälat Domdekan Dr. Selbst aus Mainz bei. Das Kuratorium war bei der mündlichen Prüfung durch Herrn Oberbürgermeister Dr. Göttelmann vertreten. Von den 22 jungen Damen, die sich zu der Prüfung gemeldet hatten, haben 21 sie bestanden; eine war nach Anfertigung der schriftlichen Arbeiten freiwillig zurückgetreten.
Am 12. März, nach der zweiten Unterrichtsstunde, wurde das Schuljahr geschlossen.


