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Dr. Joseph Seitz, geboren am 17. Oktober 1858 zu Offenbach a. M., studierte nach Besuch des Gymnasiums zu Mainz Philosophie und Theologie auf der Gregorianischen Universität in Rom, bestand die philosophische Prüfung im Herbst 1879, alsdann im April 1881 die erste, am 30. Juli 1883 die zweite theologische Prüfung und erwarb sich darauf die theologische Doktorwürde. Er war nunmehr an mehreren Stellen des Bistums Mainz in Seelsorge und Schule tätig. Seit 1886 wirkte er in Vorarl- berg, zuletzt als Religionslehrer an der Mädchen-Volksschule in Bregenz am Bodensee und am Mädchen- pensionat Riedenburg bei Bregenz. Nach seiner Rückkehr nach Mainz übernahm er die Seelsorge bei St. Bonifatius in der Neustadt und wurde zugleich durch Verfügung Grossherzoglichen Ministeriums vom 15. Oktober 1892 ausserordentlicher Religionslehrer an unserer Anstalt. Am 26. Oktober 1893 mit der Verwaltung der neuerrichteten Pfarrkuratie St. Bonifatius von seiner geistlichen Behörde endgültig betraut, blieb er doch in seinem Verhältnis zu unsrer Schule durch alle 16 Jahre hindurch, bis er infolge Verfügung Grossherzoglichen Ministeriums vom 26. März 1908 die an unserer Anstalt neu geschaffene Stelle eines katholischen Religionslehrers provisorisch übernahm.
Aus dem Lebenslauf des evangelischen sowie des israelitischen Religionslehrers teilen
wir folgendes mit:
Heinrich Becker, geboren am 11. September 1870 zu Klein-Gumpen, besuchte zunächst die Volksschule zu Reichenbach und sodann von Herbst 1881 bis Herbst 1890 das Gymnasium zu Bensheim. Mit Beginn des Wintersemesters 1890/⁄91 studierte er evangelische Theologie in Giessen und Berlin und bestand im Früjahr 1895 zu Giessen die theologische Fakultätsprüfung. Nachdem er als Einjährig-Frei- williger zu Darmstadt seiner Militärpflicht genügt, besuchte er von April 1896 bis April 1897 das Predigerseminar zu Friedberg und bestand im August 1897 zu Darmstadt die Staatsprüfung. Nach einer 3 ½ jährigen provisorischen Verwendung als Pfarrvikar in Lengfeld wurde ihm durch Allerhöchstes Dekret vom 16. Mai 1901 die Pfarrstelle zu Nieder-Ohmen übertragen. Durch Verfügung Grossherzoglichen Ministeriums vom 20. Dezember 1907 wurde er mit der provisorischen Verwaltung der Stelle eines evangelischen Religionslehrers an der Höheren Mädchenschule und dem Lehrerinnen-Seminar in Mainz betraut.
Dr. Moritz Lorge, geboren am 6. Oktober 1874 zu Harmuthsachsen bei Kassel, wurde nach dem Besuch der Volksschule seines Heimatortes durch Privatunterricht für das Lehrerseminar in Kassel vorbereitet. Ostern 1896 bestand er hier die Abgangsprüfung und bekleidete darauf als Schulamtskandidat eine Lehrerstelle in Wolfenbüttel. Nachdem er im Herbst 1900 die zweite(praktische) Prüfung vor der Königlichen Prüfungskommission in Kassel abgelegt hatte, war er als Prediger in Hamm i. W. und als Lehrer an der Höheren Mädchenschule daselbst zwei Jahre tätig. Ostern 1903 wurde er zwecks weiteren Studiums beurlaubt und bestand nach privater Vorbereitung im Frühjahr 1904 die Reifeprüfung am Gymnasium zu Hameln a. d. Weser. Sodann studierte er auf den Königlichen Universitäten zu Münster, Tübingen und Berlin orientalische Philologie, Philosophie, Geschichte und Religionsgeschichte und wurde 1906 zum Doktor der Philosophie promoviert. In den letzten vier Jahren widmete er sich auch auf der theologischen Hochschule zu Berlin dem Studium der Theologie, legte daselbst die beiden theo- logischen Prüfungen ab und erwarb sich damit die Befähigung zur Erteilung des Religionsunterrichts in den Oberklassen höherer Lehranstalten. Durch Verfügung Grossherzoglichen Ministeriums vom 22. April 1908 wurde ihm die Verwaltung einer Religionslehrerstelle an unsrer Anstalt übertragen.
Die Anstellung eigener Religionslehrer ermöglichte es, die eine der beiden im vergangenen Schuljahr freigewordenen Lehrerinnenstellen eingehen zu lassen; die andere wurde mit Fräulein Pauline Bommes provisorisch besetzt.
Pauline Bommes, geboren am 10. April 1878 zu Kurzel in Lothringen, besuchte zuerst die
Volksschule zu Ars a d. Mosel und dann die Höhere Mädchenschule in Metz. Seit Ostern 1894 bereitete
sie sich in dem mit dieser Anstalt verbundenen Lehrerinnenseminar auf die Prüfung für den höheren
Schuldienst vor. Nachdem sie diese bestanden, begab sie sich im Frühjahr 1897 nach Moskau, wo sie bis
Herbst 1890 als Hauslehrerin in der Familie des Universitätsprofessors Dr. Krukow tätig war. Von
Ostern 1900 bis Herbst desselben Jahres war sie vorübergehend an einer Privatschule in Metz verwandt.
Im Dezember 1900 nahm sie die Stelle einer Privatlehrerin auf dem Schlosse Jouy-aux-Arches bei Metz
an, wo sie bis Dezember 1905 verblieb. Hierauf wurden ihr nacheinander mehrere Vertretungen an der
städtischen Höheren Mädchenschule und an der Mittelschule zu Metz übertragen, bis sie sich im Januar
1908 zur Vervollkommnung ihrer Sprachkenntnisse nach England zu gehen entschloss. Ihre Berufung
an die Höhere Mädchenschule zu Mainz erfolgte durch Verfügung Grossherzoglichen Ministeriums vom
26. März 1908.


